Wolle Kaschmir Schurwolle

#Nachgefragt

Schurwolle, Kaschmir und Rhönschaf

Was haben der hessnatur Rhönschafmantel, unsere Fleecejacken aus Bio-Schurwolle und unsere edlen Kaschmirpullover gemeinsam? Sie alle werden von uns komplett transparent produziert, das heißt wir können die Herkunft der verwendeten Fasern bis zum Hirten zurückverfolgen. Darum wissen wir, dass die Tiere gemäß unserer strengen Richtlinien artgerecht gehalten werden. Warum diese Stoffe sich so gut anfühlen, zuverlässig wärmen und gleichzeitig Feuchtigkeit vom Körper ableiten? Weil die Beschaffenheit der Fasern der menschlichen Haut stark ähnelt. Und wir sie so schonend verarbeiten, dass ihre natürlichen Eigenschaften erhalten bleiben. Weshalb wir uns mit dem Rhönschafprojekt für die Erhaltung einer bedrohten Tierart einsetzen, was an Bio-Wolle besonders ist und mehr erfahrt ihr im Interview mit unseren Experten der hessnatur Corporate Social Responsibility.

 

  • Was ist Schurwolle überhaupt?

    Die Bezeichnung Schurwolle wird nur verwendet, wenn ausschließlich vom lebenden Schaf geschoren wurde. Wohingegen es sich bei der Bezeichnung Wolle auch um mindere Qualitäten wie Sterblingswolle oder Reißwolle handeln kann. Als Lambswool wird die ausschließlich die erste Schur der Lämmer bezeichnet.

  • Worin unterscheidet sich Schurwolle von sogenannten Edelhaaren?

    Wolle wurde bereits sehr früh von den Menschen zur Herstellung von Textilen genutzt, Wollgewinnung und –verarbeitung haben seit Jahrtausenden eine weltweite Tradition. Dies unterscheidet Wolle von Edelhaaren:

    • vielseitig einsetzbar
    • sehr robust
    • hohe Eigenelastizität
  • Was macht die Schurwolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung aus, die hessnatur einsetzt?

    Bei uns werden grundsätzlich alle verwendeten Schurwollqualitäten auf Einhaltung der hessnatur Qualitätsanforderungen geprüft.

    Die Basisrichtlinien für die ökologische Landwirtschaft wurden von der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) entwickelt. Als Rahmenwerk für Öko-Zertifizierungen diente bei der Ausarbeitung die EG-Öko Verordnung (EG Nr. 834/2007).

    Die Bezeichnung kontrolliert biologische Tierhaltung (kbT) ist klar geregelt. Begriffe wie bio, öko oder kbT sind an festgelegte Anforderungen gekoppelt, zum Beispiel:

    • großzügige, rotierende Weideflächen
    • geringe Besatzdichte
    • natürliche Reproduktion
    • kein Einsatz von Pestiziden
    • Verbot von Masthilfsmitteln

    Die Wirtschaftsweise ist naturnah unter Einhaltung der ökologischen Belastungsgrenzen. Das Leitbild im Ökolandbau ist ein geschlossener Betriebskreislauf. Staatlich zugelassene, unabhängige Kontrollstellen prüfen jährlich die ökologischen Erzeuger und Verarbeiter auf die Einhaltung der strengen Produktions- und Verarbeitungsrichtlinien.

    Tierische Fasern werden bei hessnatur bevorzugt aus kontrolliert biologischer Tierhaltung verwendet. Viele Qualitäten stehen dem Markt noch nicht in ausreichender Menge und in zertifizierter Qualität zur Verfügung. Generell erfüllen alle Rohstoffe die Anforderungen der hessnatur Qualitätsrichtlinien.

    Um die Verfügbarkeit zertifizierter Rohstoffe zu fördern, hat hessnatur in den vergangenen Jahren verschiedene Projekte in der Rohstoffbeschaffung und Produktentwicklung unterstützt.

     

  • Werden Schurwoll-Produkte auch mit dem GOTS-Siegel gekennzeichnet?

    Die Art der Faser allein genügt nicht für die Zertifizierung durch GOTS. Denn um das GOTS-Zertifikat zu erhalten, muss die komplette textile Kette geschlossen sein, d.h. alle Produktionsstätten müssen ohne Unterbrechung von GOTS zertifiziert sein. Das ist in vielen Fällen nicht möglich, da das Tragen des Siegels mit Kosten verbunden ist, welche besonders für kleine Betriebe zu hoch sind. Alle unsere Textilien entsprechen allerdings unseren hessnatur Standards, die wiederrum auf den verschiedenen Anforderungen unserer Partner wie GOTS beruhen.

    Zu den Schurwoll-Artikeln unserer Kollektion mit GOTS-Zertifikat gehört beispielsweise der Langarmbody aus reiner Bio-Merinowolle.

     

  • Woher bezieht hessnatur die Schurwolle?

    Schurwolle ist wie oben bereits erwähnt der Begriff für Wolle, die vom lebenden Schaf geschoren wird. Das umfangreiche Sortiment von hessnatur setzt sich aus vielen verschiedenen Produkten zusammen und daher werden unterschiedliche Wollqualitäten aus mehreren Ursprungsländern eingesetzt. So verwenden wir z.B. für Unterwäsche und Oberbekleidung hochwertige Merinowolle aus Australien, der Mongolei und Südamerika, für kuschelige Pullover zarte Lambswool aus Großbritannien, für Oberbekleidung und Teppiche robuste Rhönschafwolle aus Deutschland, für Teppiche Wolle vom Coburger Fuchs und der Heidschnucke aus Deutschland und für unsere Bettwaren Schurwolle aus der Schweiz.

  • Wäre es nicht nachhaltiger Schurwolle aus Deutschland oder Europa zu verarbeiten?

    Bei hessnatur wird die Schurwolle auf Grund ihrer natürlich gegebenen Fasereigenschaften eingesetzt. Die Schurwolle von deutschen bzw. europäischen Schafen hat eine andere Faserfeinheit als z.B. die Wolle australischer Merinoschafe. Sie ist deutlich gröber und eignet sich deshalb hervorragend für Jacken, Decken und als Füllung für Bettwaren. Als Feinstrick für Pullover, Babybekleidung oder Unterwäsche ist deutsche und europäische Schurwolle ungeeignet. Der Grund ist, dass sie auf der Haut als kratzig empfunden wird, eine natürliche Eigenschaft deren chemische Veränderung hessnatur ablehnt.

  • Was sind die Eigenschaften von Schurwolle?
    • hohe Feuchtigkeitsaufnahme (bis zu 30% des Eigengewichts ohne sich nass anzufühlen)
    • transportiert Feuchtigkeit vom Körper weg
    • hohe Wärmeisolierung
    • Bindung unangenehmer Gerüche
    • hohe Elastizität und Dehnbarkeit
    • schwere Entflammbarkeit
    • Hightechfaser der Natur
    • ist in ihren Eigenschaften der menschlichen Haut sehr ähnlich
    • wärmt und hält den Körper trocken
    • ideal bei sportlicher/körperlicher Belastung
  • Wie kann man Schurwolle pflegen?

    Schurwolle reinigt sich durch Lüften regelrecht von selbst. Knitterfalten und Gerüche verschwinden, wenn man die Schurwollteile in die frische Luft oder ins Badezimmer hängt. Am besten direkt nach dem Duschen oder Baden, da die hohe Luftfeuchtigkeit die Selbstreinigung unterstützt. Für Wollwäsche empfehlen wir die Handwäsche mit einem speziellen Wollwaschmittel in handwarmem Wasser. Dabei nicht zu lange einweichen, niemals reiben, bürsten oder wringen. Überhaupt sind starke Bewegungen zu vermeiden - auch beim Klarspülen.
    Das Spülwasser sollte ebenfalls handwarm sein. Zum Trocknen rollt man das Schurwollstück am besten in ein Frottee-Handtuch, dabei aber nie zu stark ausdrücken oder wringen. Anschließend das Wollstück auf einem Frottiertuch in Form legen und trocknen lassen. Bei Bedarf können Artikel aus Schurwolle auch gebügelt werden, wir empfehlen sie mit einem feuchten Baumwolltuch kurz anzudämpfen.

    Weitere Pflegetipps findet ihr auch in unserem Blog-Beitrag zur richtigen Textilpflege.

  • Was für Richtlinien hat hessnatur bei der Tierhaltung?

    Die biologische Tierhaltung umfasst neben der Haltung der Tiere auch die Tiertransporte. Diese müssen möglichst schonend und unter Beachtung der geltenden einschlägigen einzelstaatlichen oder Gemeinschaftsvorschriften erfolgen. Der Fokus von hessnatur liegt auf einer hohen Wollqualität, dies beinhaltet die Faktoren Feinheit, Kräuselung, Glanz und Faserlänge. Aus der Qualität lassen sich mit Hilfe von Analysen der Haare Rückschlüsse auf die Haltung des Tieres ziehen. Hierzu einige Beispiele:

    • bei mangelnder Ernährung ist das einzelne Haar unterschiedlich in der Feinheit
    • Bruchstellen sind ein weiterer Hinweis für wenig und/oder unregelmäßiges Futter
    • fehlender Glanz ist ein Zeichen dafür, dass Spurenelemente fehlen
    • Pestizidrückstände sind die Folge chemischer Schädlingsbekämpfung

    Desweiteren wird der Ausschluss von Mulesing in den hessnatur Richtlinien klar definiert. Jeder Lieferant, mit dem hessnatur zusammenarbeitet, erkennt die Richtlinien rechtsverbindlich an.

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Die Besonderheit von Kaschmir.

  • Was ist das Besondere an Kaschmir und wie wird es gewonnen?

    Kaschmirhaar ist eine der wertvollsten und teuersten Naturfasern und wird den Edelhaaren zugeordnet. Zur Gruppe der Edelhaare zählen z.B. auch noch Kamel, Yak und Alpaka. Sie haben in der Gesamtheit einen Anteil von nur 0,5 % an allen weltweit produzierten Tierhaaren, werden also in sehr geringen Mengen gehandelt. Im Vergleich zur Schurwolle haben Edelhaare einen weicheren, fließenderen Fall, verbunden mit einer eleganten Optik. Feinheit, Weichheit und Leichtigkeit der Edelhaare vermitteln ein angenehmes Tragegefühl.

    Bei Kaschmirziegen wird einmal jährlich, zum Wechsel des Winterfells, das feine Unterfell ausgekämmt. Dabei werden von jeder Ziege im Jahr nur circa 150 Gramm Unterhaar gewonnen.  Die natürlichen Farbnuancen reichen von Weiß über Grau bis zu Braun und Schwarz. Die Faserfeinheit liegt zwischen 15 und 19 Mikrometer.

  • Wie unterscheidet sich das Kaschmir von hessnatur?

    Im hessnatur Sortiment finden sich seit ca. 20 Jahren kontinuierlich kleine Kaschmirkollektionen in Premiumqualität. Transparenz über die komplette Fertigungskette gehört bei hessnatur zur grundsätzlichen Arbeitsweise. Darum erlaubt die sehr enge Zusammenarbeit mit den Lieferanten auch bei Kaschmir eine Rückverfolgbarkeit bis zum Ziegenhirten. 

    Eine Kaschmirziege produziert ca. 150 Gramm feines Haar pro Jahr. Dies bedeutet wiederum, dass drei bis fünf Ziegen die Fasern für einen Pullover liefern. Zurzeit wird 1 kg unverarbeitete hochwertige Kaschmirwolle zwischen 150 € - 200 € gehandelt.

  • Woher bezieht hessnatur das Kaschmir?

    Von Kaschmirziegen aus China aus dem Gebiet Inneren Mongolei. Das Klima der Inneren Mongolei ist kontinental gemäßigt mit langen kalten Wintern und kurzen warmen Sommern. Die idealen Bedingungen für eine besonders hochwertige Kaschmir-Qualität.

Ganz regional: Das Rhönschaf-Projekt von hessnatur.

  • Was steckt hinter dem Röhnschaf-Projekt von hessnatur?

    1999 wurde dieses Projekt mitten im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön von hessnatur ins Leben gerufen. Denn zu diesem wurde die Rhön 1991 durch die UN-Organisation erklärt. In dem kargen, von Magerrasen durchzogenen Lebensraum sind Rhönschafe optimale Partner bei der Landschaftspflege. Denn sie geben sich mit wenig Gras zufrieden und schädigen den empfindlichen Boden mit ihren Hufen kaum. Außerdem vollzieht sich die Herdenhaltung im Einklang mit den Jahreszeiten in artgerechter Tierhaltung. Den Winter verbringen die Tiere freilaufend im Stall, das restliche Jahr über grasen sie in großen Koppeln auf den Wiesen oder ziehen mit den Schäfern von Tal zu Tal.

    Das Projekt von hessnatur trägt dazu bei, dass die Rasse der Rhönschafe (die Anzahl der Tiere war auf 300 zusammengeschmolzen) vor dem Aussterben bewahrt wird und ist zudem wegweisend für eine nachhaltige Ressourcennutzung. Denn durch die gezielte Verwendung der Rhönschafwolle in der hessnatur Kollektion muss diese nicht mehr wie früher vernichtet werden.

  • Ist das Rhönschaf eine besondere Rasse?

    Das Rhönschaf ist eine landschaftstypische Schafrasse der Rhön. Es gilt als eine der ältesten Nutztierrassen Deutschlands. Kennzeichnend ist der schwarze, bis hinter die Ohren unbewollte Kopf. Das Rhönschaf ist ein mittelgroßes bis großes, hochbeiniges und hornloses Schaf, das hervorragend an ein raues Mittelgebirgsklima angepasst ist.

  • Welche Lieblingsstücke eignen sich für die Produktion aus der Rhönschaf-Wolle?

    Die Schurwolle der Rhönschafe ist von einer sehr robusten Qualität. Seit Vorstellung des Projektes in der Herbst-/ Winter-Saison 1999 haben wir verschiedene Produkte aus Rhönschafwolle im Sortiment. Sie eignet sich zum Beispiel hervorragend für rustikale Oberbekleidung wie Mäntel und Jacken in Gewebe und Strick sowie für strapazierfähige, langlebige Teppiche.

Habt ihr auch noch eine Frage? Dann schreibt sie uns als Kommentar und unsere Experten aus unserem Corporate Responsibility-Team beantworten sie euch gerne!

 

Unsere Lieblinge aus Schurwolle.

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Kommentare
  • Natascha Hundertmark ,

    Vielen Dank für die Erläuterungen! Ich bin inzwischen leider sehr skeptisch geworden beim Thema Wolle. Gerade erst erschien von PETA ein neuer Bericht zu dem wirklich grausamen Umgang mit den Schafen bei der Schur, vor allem in Australien. Dies wird vor allem durch die Praxis der Bezahlung im Akkord statt eines pauschalen Stundenlohns verursacht.
    Wie steht hessnatur dazu? Wird das auch geprüft, ist die Bezahlung anders geregelt? Wie wird sicher gestellt, dass die Schafe schonend geschoren werden?
    Das Projekt Rhönschaf finde ich wiederum eine sehr gute Idee!
    Danke schon vorab für die Anrwort.

    Antworten
    • hessnatur ,

      Liebe Natascha, die aktuelle Kampagne von PETA beschäftigt sich mit der Gewinnung von Schurwolle und macht deutlich, dass zu dem Thema Schafschur Handlungsbedarf besteht. Diese Problematik ist uns nicht fremd. Wie in unserem Bericht angesprochen, gibt es bei der biologischen Tierhaltung bestimmte Richtlinien, die eingehalten werden müssen. In den letzten Jahren konnten wir den Anteil von Schurwolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung in unseren Kollektionen kontinuierlich auf rund 50% steigern und dies mit weiterhin steigender Tendenz. Die Richtlinien für die Zertifizierung beinhalten die biologische und artgerechte Tierhaltung der Schafe. Hinzu kommt, dass sich die Schaffarmer, die ihre Schafe nach diesen Richtlinien halten, auch für das Wohlergehen der Tiere einsetzen.
      Unter dem Begriff der kontrolliert biologischen Tierhaltung versteht man artgerechte Tierhaltung und Fütterung, ohne Masthilfsmittel oder Antibiotika. Die Tiere müssen in einem Umfeld aufwachsen, dessen Landschaft und Klima der Tierart entspricht. Generell wird auf den Einsatz von Pestiziden bei kbT Schurwolle verzichtet. Das gilt sowohl für die Tiere selber sowie für die Pflanzen und Gräser, die den Tieren als Nahrung dienen. Diese Bedingungen müssen durch unabhängige Prüfinstitute bestätigt sein, damit der Zusatz kbT geführt werden kann. Diese Zertifizierung ist nicht kostenlos. Bei Merinowolle achten wir darauf, dass diese aus kbT stammt und aus welchem Land sie kommt.
      Bei Schurwolle von regionalen Anbietern, beispielsweise Rhönschaf oder Heidschnucke, haben wir neben der Artikelkontrolle auch die Kontrolle über Haltung und Behandlung der Schafe.
      Herzliche Grüße, dein hessnatur Service Team

      Antworten

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