Neben meiner Arbeit im Bereich PR & Social Media habe ich seit kurzem einen – sagen wir mal  – „Nebenjob“ bei uns im Haus. An den bin ich durch die Tatsache gekommen, dass ich 52 bin. Nicht in Jahren, sondern in Sachen Konfektionsgröße (altersmäßig bin ich von der 52 noch etwas entfernt). Und da alle Musterteile von unseren Lieferanten in Größe 52 ins Haus kommen, darf ich in die Rolle des Passform- und Stylingmodels schlüpfen.

In einem unseren Büros bei hessnatur gibt es, etwas versteckt hinter langen gelben Vorhängen aus Filz, den so genannten „gelben Salon“. Das ist unser Raum für die Anproben. Hier schlüpfe ich in die neuen T-Shirts, Hemden, Jacken, Pullover und Hosen der kommenden Frühjahr/Sommer-Kollektion 2012 – und Sonja, unsere Designleitung, sowie Elena und Irmgard von der Qualitätskontrolle schauen sich akribisch jedes Kleidungsstück an mir an. Ziehen die Ärmel und den Bund zu recht, um zu sehen, wie das Textil am Körper sitzt, überprüfen die Nähte und Verarbeitungsdetails, diskutieren über den Halsausschnitt, kontrollieren mit dem Messband die Maßangaben, stecken mit Nadeln ab oder bearbeiten mit der Stoffschere das Muster. Nicht alles, was als Skizze auf dem Papier gut aussieht, wenn die Kollektion entsteht, funktioniert auch am fertigen Textil. Die entsprechenden Korrekturen und Änderungen werden an unsere Konfektionsbetriebe übermittelt, um ein neues Muster erstellen zu lassen, das unseren Anforderungen und Vorstellungen entspricht. Denn unsere Kleidung soll nicht nur unserer ökologischen und sozialen Richtlinien gefertigt sein, sondern letztendlich dem Kunden gefallen und gut aussehen.

Was ich am „Modeln“ schätze: Ich bekomme recht früh einen guten Über- und Einblick in die neue Herren-Kollektion (bei uns kurz und knapp als HAKA bezeichnet). Und kann Rückmeldung dazu geben, wie bequem das ein oder andere Teil sitzt oder wo die Passform ggf. noch verbessert werden kann. Eines meiner Highlights im nächsten Frühjahr wird übrigens ein robuster Kapuzenpullover aus kräftigem Bio-Baumwoll-Stoff werden. Mit einer schönen Knopfleiste, praktisch als Verlängerung des Ausschnitts.

Für die Vorbereitung unserer Katalogproduktion, die nächste Woche in Kroatien starten wird, bin ich kurze Zeit wieder im Einsatz. Zusammen mit dem Fototeam wird die HAKA am Model gestylt. D.h. ich probiere zum Beispiel unterschiedlich farbige Shirts oder Polos an, die dann zu einer Jeans, einer Jacke und einem Cardigan kombiniert werden. Bis das Outfit stimmig ist. Dazu kommt als Accessoire beispielsweise noch ein schöner Herrenschal aus unserem Nepal-Projekt (auf den freue ich mich schon!), das Ganze wird mit der Kamera dokumentiert und dient unserem Fototeam als Vorlage für die Inszenierung der neuen Kollektion mit unseren Katalog-Models (soweit habe ich es dann – bis auf eine Ausnahme – noch nicht geschafft :-) ).