Ich hatte ja keine Ahnung! So viele Menschen, so viele Arbeitsschritte, um eine Jeans herzustellen. Jeder hat sie, jeder trägt sie. Ich kenne zumindest keinen, der ohne Jeans auskommt. Seit meiner Reise zu unseren Lieferanten in der Türkei ist meine Blue Jeans nicht mehr nur eine Blue Jeans, sondern ein Meisterwerk!

Ich bin in Istanbul bei unserem Jeans-Lieferanten. Herzlich werde ich im Büro empfangen. Ich bin hier, um mit dem Lieferanten am Thema Sozialstandards zu arbeiten. Diese Produktionsstätte kenne ich bislang aus Berichten meiner Kollegen bei hessnatur. Daher wird es Zeit, auch den Stand der Arbeitsbedingungen vor Ort zu erfassen.

Mit dem Management gehe ich zusammen die acht Sozialstandards laut Internationaler Arbeitsorganisation durch. Hierzu gehört zum Beispiel die Kontrolle der Arbeitsverträge und Gehaltsabrechnungen. Die Gespräche mit dem Management sind wichtig. Ohne das Einverständnis des Managements und ohne das Verständnis für soziale Belange kann in einer Produktionsstätte nichts bzw. nicht viel erreicht werden. Aber kein Grund zur Sorge – so vorbildliche und einwandfreie Dokumente, wie ich sie hier finde, erfreuen mich.

Nur schwer kann ich mich auf meinem Stuhl halten. Ich will die Produktion sehen. Wo stecken die angeblich 100 Näherinnen und Näher? Und wer genau hat meine Jeans produziert, welche ich schon den ganzen Tag stolz trage?

Eine Reise in die Jeans-Welt beginnt. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele verschiedene Jeans auf einen Blick gesehen. Die einen nähen die Taschen, die anderen bedienen die Maschine für Stickereien am Gesäß, wieder andere sind dabei den Reißverschluss einzuziehen. Und die Jeans stapeln sich! Wenn ich meine Jeans ansehe, muss da aber noch was passiert sein. Meine sieht „used“ aus. Die Jeans hier sind alle gleichfarbig. Von unten bis oben – immer die gleiche Farbe. Keine Waschungen, Färbungen oder ähnliches. Wie der used look auf meine Jeans kommt – dazu im nächsten Beitrag mehr!