Der Jeans-Boom nimmt kein Ende. Mehr als 100 Mio. Paar Jeans kaufen die Deutschen im Jahr, das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor 10 Jahren. So wunderbar dieses Kleidungsstück auch ist, so schwierig ist seine Herstellung, was umweltrelevante Aspekte angeht.

Die Produktion vom Anbau der Baumwolle bis zur verkaufsfertigen Jeans ist wahnsinnig ressourcenintensiv. Der Wasserverbrauch beispielsweise kann bis zu 11.000 Liter  betragen und der hohe Einsatz von Textilhilfsmitteln und Farbstoffen belastet das Abwasser. Knapp 20% der jährlichen Baumwollernte wird zur Herstellung von Jeans verwendet, um mal einige der Fakten zu nennen.

Genau dies waren die Gründe, für meine Masterarbeit im Studiengang „Sustainability in Fashion“ an der Esmod Berlin das Thema „Optimierungen und Bewertungen von Technologien und Herstellungsprozessen in der Jeansindustrie“ zu wählen. Besonders in den vergangenen Jahren hat sich in der Jeansproduktion einiges getan, was Innovationen und Ökologie angeht. Viele neue Verfahren und Techniken sind auf den Markt gekommen und immer häufiger hört man, dass Labels ihre Jeans mit „Waterless“ oder „Öko“ betiteln.

Dahinter steckt jedoch leider meist kein ganzheitlicher Ansatz, sondern nur einzelne Schritte der Wertschöpfungskette. Sprich: Der verwendete Rohstoff ist Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau, oder es werden recycelte oder Regeneratfasern beigemischt. Was während des Färbens oder bei den Waschungen passiert, das wird nicht berücksichtigt. Andere wiederum setzen ihren Schwerpunkt nur auf das Finish, auf eine schonendere Variante der Waschung der Hose. Zum Beispiel mit Hilfe von Lasertechnologien. Bei  hessnatur ist eine ganzheitliche Betrachtung der Wertschöpfungskette in den hausinternen Richtlinien implementiert. Ein guter Ausgangspunkt also für meine Arbeit.

In den nächsten Wochen und Monaten werde ich nun auf dieser Basis eine Stärken-Schwächen-Analyse der modernsten Maschinentechnologien erarbeiten und gemeinsam mit den Textilfachleuten des Bereichs Corporate Responsibility ergänzende Bewertungskriterien für die hessnatur-Richtlinien diskutieren. Darauf aufbauend habe ich die schöne Aufgabe ein Designkonzept – rund um das Thema Jeans- mit neuen Produktideen und Musterteilen zu entwickeln, die im September während der Paris Fashion Week präsentiert werden. Ich bin schon sehr gespannt auf die Interviewtermine in den nächsten Wochen mit Spezialisten und Fachleuten aus der Textilveredlung, auf die Besuche bei Produktionsstätten und natürlich freue ich mich darauf, Euch regelmäßig über unsere Projektfortschritte zu informieren und im Spätsommer dann die Ergebnisse zu präsentieren.

Marina Chahboune studierte – nach Abschluss einer Ausbildung zur Maßschneiderin – Modedesign an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und der Helsinki Metropolia University in Finnland. Seit 2011 arbeitet sie als Consultant, Einkäuferin und Stylistin im Bereich Nachhaltige Mode. Sie ist Gründerin und Chefredakteurin des Blogs Beyond Fashion und gehört zum „Grüne Mode“-Team von Kirsten Brodde.