Florenz Anfang Juli. Knapp 30°C im Schatten gegen 11 Uhr. Hier ist Sommer. Gleichzeitig tauche ich ein in die Welt von Herbst-Winter 2013/14. Fokus auf Garne, Strickgarne. Die Italiener können Strick, seit jeher. Was Farben angeht, was Melangen angeht, was Garneffekte angeht.  Der pure Wahnsinn!

Und so stellt sie sich auch dar, die Messe mitten im Fortezza di Basso, der schweren Festung gleich neben dem Bahnhof. Offene Stände, in italienischer Manier dekoriert und vor allem: anfassbar. Die Stände sind zum Großteil offen, lassen Hautkontakt zu. Erstaunliche Strickobjekte begegnen mir, auch ein Studentenprojekt zwischen einem italienischen Garnhersteller und der Staatlichen Akademie für bildende Künste in Stuttgart, unterstützt vom deutschen Strickmaschinenhersteller Stoll. Noch immer sind die deutschen Maschinen führend. Ideenreich, innovativ und technisch ausgefeilt. Der Versuch, Durchbrüche im Strick entstehen zu lassen, begegnet mir häufig. Leider nicht so häufig: reine Naturfasern. Für die Handstrickerin in mir löst allerdings ein Garn schier einen Ohnmachtsanfall aus: fingerdickes, bauschiges und langhaariges pures Kaschmir! Bestimmt mit 15er oder 20er Nadeln zu stricken. Ein Traum! Und fast nicht spürbar zwischen den Fingern, so weich.

Der Besuch der Messe ist für mich irgendwie ein Spagat zwischen Urlaub und beruflichem Interesse – das Eintauchen in die Wunderwelt der Strickgarne und Qualitäten ist allerdings jede Stunde hier wert!  Unser Designteam war ebenfalls angereist, war in Terminen fest eingeplant und hatte dann die Stadt vor sich. Hier findet Mode einen anderen Ausdruck als bei uns. Spannend und ein Muss bei jedem Mal Florenz.

Was kommt nun 2013/14? Erstaunlich häufig erscheinen Experimente, die natürlich nicht so kommerziell sind und leider selten ökologischen Richtlinien standhalten. Da wird mit Farbe über Strickjacken gepinselt;  dort werden weiche, silikonartige Aufbügelmotive genutzt, um opulente Stickereien zu simulieren. „Tradition meets technology“ war das Statement eines italienischen Garn-Herstellers. Mit experimentellen, kaum ökologischen Musterlaschen zum Anfassen und Staunen. Die Kombination von Gegensätzlichen, die Harmonisierung der Extreme – so könnte man das Feuerwerk an Material und Technik wohl am besten auf einen Nenner bringen.

Die Ökologie musste ich suchen. Dass das hier keiner als Verkaufsargument nutzte, überraschte mich.  Sicher hatten sie alle irgendwo eine Lasche „ungebleicht und ungefärbt“ dabei. Ich glaube, wir müssen unsere Marktnische nach Italien tragen. Die sind wohl einfach noch nicht so weit. Fängt ja schon bei der Mülltrennung an. Also muss man suchen und sich das herausfischen, was passt. Und das gibt’s: Starke Farben,  teils uni, aber auch meliert; harmonisch sanft oder deutlich extrem. Immer sensationell im Griff. Atemberaubend fand ich die Feinheit, in der Merino-Schurwolle heute ausspinnbar ist. Als Feinstrick wirkt es wie feiner Singlejersey, sehr transparent und so filigran wie ein Spinnennetz– ja hauchzart und einfach sexy. Ganz ehrlich! Reine Natur und so atemberaubend schön.

Ok, ich weiß, ich schwärme … Aber die Messe schwelgt in Material und Farbe. Das ist die pure Lust. Ein schönes Metier, die Mode. Oder?!