Wie spricht man am besten über „Fair Wear“?

Vergangene Woche waren Michi und ich in Amsterdam. Hier hat die Fair Wear Foundation ihren Sitz – die Organisation, mit der hessnatur seit 2005 intensiv an den Arbeitsbedingungen in der Konfektion weltweit arbeitet. Während ich normalerweise Arbeitsbedingungen vor Ort in den Produktionsbetrieben mit der Fair Wear Foundation bespreche, lag nun der Fokus auf Kommunikationsstrategien. Hintergrund ist folgender:

Alle kennen das Fair Trade-Logo. Das Zeichen, das faire Arbeitsbedingungen im Anbau garantiert und das vor allem auf Kaffee und Schokolade zu finden ist. Warum also kein Fair Wear-Logo, das ethisch gerechte Arbeitsbedingungen in der Konfektion garantiert? Wie kann sich die Fair Wear Foundation so platzieren, dass der Kunde ein bestimmtes Textil auf Grund des Labels kauft?

Gar nicht so einfach. Kaffee wird geerntet, geröstet und verpackt und schon ist das Produkt Kaffee kaufbar. Die textile Wertschöpfungskette ist da wesentlich komplexer. Nichts desto trotz arbeiten viele Unternehmen gemeinsam mit Fair Wear Foundation bereits Jahre erfolgreich an der Umsetzung und Implementierung von Sozialstandards in der Wertschöpfungskette weltweit. Und das soll nun auch die Kundin und der Kunde noch detaillierter erfahren. Verschiedene Möglichkeiten wurden in den Gruppen diskutiert. Wir bei hessnatur zum Beispiel berichten über unsere Sozialstandards und deren Kontrollen ja im Blog, im Onlineshop, auf der Unternehmensseite im Internet und in unseren Katalogen.

Diskutiert haben wir auch, wie „Fair Wear“ und die Fair Wear Foundation am Textil selbst, online und in Läden kommuniziert werden kann. Und: Wie könnte eine Kommunikationsstrategie im Internet aussehen, wie in der Werbung oder in Fachzeitschriften, um mehr und mehr Menschen für das Thema Arbeitsbedingungen zu sensibilisieren. Alle Ideen und Strategieansätze gehen in die Jahresplanung 2011 der Fair Wear Foundation ein. Ich bin gespannt, was wie umgesetzt wird, wir werden darüber weiter berichten – und interessiert, Eure Meinung zu hören: Was findet Ihr wichtig bei der Kommunikation zum Thema Sozialstandards und Arbeitsbedingungen?

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Kommentare
  • Dagmar Reichardt (hessnatur) ,

    Hallo Steffi,

    die Idee, die Arbeit der FWF stärker bis an den Kunden zu kommunizieren, kann ich nur unterstützen. Ich weiß nicht, ob die wertvollen Anstrengungen für die Näherinnen in den Produktionsstätten bei unseren Kunden immer ankommen. Wenn ich einen wunderschönen Pullover aus einem hessnatur-Päckchen auspacke und in Händen halte, würde ich mich freuen, wenn mir das Ettikett oder Hangtag sagen würde: „Hallo, ich bin fair hergestellt. Dafür sorgte vorrangig hessnatur. Mit Unterstützung der weltweit agierenden Fair Wear Foundation konnten meine Strickerin und meine Näherin während ihrer gesetzlich eingehaltenen Arbeitszeit unter humanen Arbeitsbedingungen arbeiten, Überstunden gabs nur im vertretbaren Rahmen und sie erhielten einen fairen Lohn. Kinder gehen hier in die Schule und sitzen nicht an der Nähmaschine.“
    Dadurch würde ich meinen neuen Pullover noch viel lieber tragen!

    Gut, dass Ihr dabei wart!
    Gruß
    Dagmar

    Antworten
  • J. ,

    Kunden sollten auf jeden Fall noch viel mehr zum Nachdenken gebracht werden, welche Konsequenzen ihre Kaufentscheidung haben kann – sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. Viele scheinen sich gar nicht dafür zu interessieren, dass für ihre Jeans vielleicht in einem anderen Land Kinder arbeiten müssen oder Menschen (und die Umwelt) permanent mit giftigen Chemikalien in Kontakt kommen. Das ist für die Käufer hier hier immernoch zu weit entfernt, denn in den Läden sehen die Sachen toll und sauber aus.
    Das müsste man vielleicht ohne den erhobenen Finger, aber trotzdem eindringlich weiter an die Öffentlichkeit vermitteln.

    Antworten

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