Vergangene Woche habe ich darüber geschrieben, wie eine ernährungsbewusste Mutter und Ehefrau, Viktoria Boutenko, die Diät von Schimpansen studierte und so auf die Idee kam, grüne Smoothies zu erfinden. Einfach 60 Prozent Früchte und 40 Prozent Blattgemüse oder Kräuter in den Mixer, fertig. Bei meinen Recherchen zum Thema, bin ich auf eine US-amerikanische Frau gestoßen, die sich Green Smoothie Girl nennt. Sie verdient ihren Lebensunterhalt damit, dass sie kranken, weil schlecht ernährten US-Bürgern zeigt, wie sie mit einfachsten Mitteln ihr Leben im Handumdrehen verbessern können. Das führte mir die paradoxe Situation der Welternährung nochmal so richtig deutlich vor Augen.

Denn es ist eine Tatsache, dass im Zeitalter der industrialisierten Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion jeder achte Mensch auf diesem Planeten hungert. Das sind in absoluten Zahlen 870 Millionen Frauen, Männer und Kinder. Darüber hinaus leiden zwei Milliarden von 7,1 Milliarden Menschen unter Mangelernährung. Das heißt, sie erhalten über einen längeren Zeitraum, wenn nicht schon ein Leben lang, nicht die ausreichende tägliche Kalorienzufuhr. Als ausreichende Kalorienzufuhr für einen erwachsenen Menschen setzt die Welternährungsorganisation als Schwellenwert täglich 1.800 Kalorien an. Ein Problem der Quantität, also.

In den Ländern des Überflusses hingegen, dazu zählen auch die USA und Europa, gibt es jedoch ein Phänomen, das einen wirklich, wirklich traurig machen kann. In diesen Ländern werden Menschen von zu viel und vor allem von falschem Essen krank. Sie werden übergewichtig, bekommen Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck, einige Krebsarten, um nur einige zu nennen.

Besonders in den USA, dem Herkunftsland der großen Nahrungsmittel- und Agrarkonzerne, sind es so genannte Lebensmittel wie zuckerhaltige Limonaden, frittierte Speisen, Fast Food und Fertiggerichte, ohne nennenswerte Nährstoffe, dafür aber massig Industriezucker, denaturierte Stärke und ungesunde Fette, die die Gesundheit der Menschen massiv angreift. Dieses ist ein Problem der Qualität. Wie die New York Times schreibt, werden in den USA die Kosten, die durch Fehlernährung bedingte Krankheiten verursacht werden, für das Jahr 2018 bereits auf umgerechnet 262,5 Milliarden Euro geschätzt. 60 Prozent der Kosten kommen dabei auf den Staat zu. Das ist krass. Aber auch in Europa ist der Zusammenhang zwischen Fehlernährung, Übergewicht und chronischen Erkrankungen hinreichend bekannt. So schrieb EUFIC (European Food Information Council) im Oktober 2009: „Schlechte Ernährung ist ein gewichtiges Problem und eine der größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit des 21. Jahrhunderts. (…) In Europa sind 30-80% der Erwachsenen von Übergewicht betroffen, und der Anteil an fettleibigen Menschen steigt drastisch an.“

Wenn man sich den Zusammenhang zwischen industrialisierter Landwirtschaft, unhaltbaren Zuständen bei der Erzeugung von Textilfasern (genmanipulierte Baumwolle, nicht artgerechte Haltung von Schafen, etc.) und denaturierten und giftbelasteten Lebensmitteln  ansieht, kommt unweigerlich zum Schluss, dass Grüne Smoothies und  Grüne Mode gar nicht so schlecht zusammen passen.

Jedenfalls erzählt das Green Smoothie Girl immer wieder Herz zerreißende Geschichten von US-Amerikanern, denen durch ihre Vorträge, die mehr frisches und rohes Obst und Gemüse auf dem Speisezettel propagieren, klar wurde, dass sie solche Nahrungsmittel im Alltag überhaupt nie im Haus haben. Hier ist der Link zu der Geschichte einer Frau, die durch ihre Ernährungsumstellung ihre Depressionen loswurde. Und weiter unten gibt es ein Video mit einer fünfachen Mutter, die dachte, sie müsste bis ans Ende ihrer Tage Blutverdünnungsmittel nehmen, und die sich mit frischem Obst und Gemüse heilen konnte. – Ach ja, und wenn noch einmal jemand fragt, ob man mit Bio die Welt überhaupt ernähren könnte, dann ist ein Teil der Antwort, dass das System der industrialisierten Landwirtschaft es jedenfalls nicht kann.