PREMIUM DENIM AUS BANGLADESCH

Von Hand auf traditionellen Webstühlen gewebt. Mit natürlichem Indigo aus lokalem Anbau gefärbt.

Slow Fashion vom Feinsten: Die hessnatur Selvedge Jeans ist ein Liebhaberstück für alle, die Tradition und Handwerk schätzen. Denn wo ein Mensch von Hand täglich nur ein Kilogramm Garn färben und ein anderer nur fünf Meter Stoff am Tag weben kann, entsteht Klasse statt Masse.

Die Idee: Traditionelles Handwerk im Hinblick auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit fördern.
Das Ziel: Arbeitsplätze in einem der am wenigsten entwickelten Gebiete Bangladeschs schaffen.
Der schöne Nebeneffekt: Die Herstellung von qualitativ hochwertigen und ökologisch nachhaltigen Stoffen für Jeanshosen.

Nach zwei Jahren Entwicklung in Zusammenarbeit mit der hessnatur Stiftung, der Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG) und unserem Partner Classical Handmade Products (CHP) gehen wir nun den ersten Schritt in eine bessere Zukunft für Bangladesch:

Die ersten 150 Jeans. Jede ein Unikat. Jede gemacht, um ein Zeichen zu setzen.

Die Herstellung

Wir produzieren in Nilphamari und der Name ist Programm: Auf bengalisch bedeutet nil blau und phamari lässt sich mit Landwirtschaft übersetzen. Hier oben im Norden, einer der ärmsten Gegenden des Landes, gibt es eine lange Tradition des Färbens mit Naturfarben und des Indigoanbaus.

Für die hessnatur Selvedge Jeans nutzen wir das jahrhundertealte Know How. Doch manche Dinge mussten wir erst gemeinsam lernen: Zum Beispiel, dass das Naturindigo beim Färben auf die Temperatur reagiert und je nach Wärme etwas heller oder dunkler ausfällt. Deshalb gibt es die Jeans in zwei Farbtönen.

Mit unserem Partner CHP bauten wir gemeinsam eine Indigo-Färberei und eine Denim-Weberei auf. Dafür wurde nicht nur ein neues Haus errichtet, auch neue Arbeitsplätze wurden erschaffen.

Färben mit natürlichem Indigo

Nur 4% aller Jeans werden weltweit noch mit natürlichem Indigo gefärbt. Dabei ist es ein kleines Wunder der Natur: Welcher Vorgang unsere Färber immer wieder fasziniert, wie aufwendig der Färbeprozess tatsächlich ist und welche geheime Zutat wir zusätzlich verwenden, erklären wir hier.

Natürliches Indigo

  • Die Indigopflanze enthält nur eine Indigo-Vorstufe, das Indican.
  • Der Farbstoff entsteht durch Fermentierung der Pflanze.
  • Das Ergebnis ist eine grün-gelbe Brühe und wird durch Einrühren von Luft durch Oxidation blau.
  • Der blaue Bodensatz wird getrocknet und als Farbstoff in Blöcken oder Pulver verkauft.

Vorbereitung

  • Zunächst werden die Fäden aus zertifizierter Bio-Baumwolle gewogen und in Partien von jeweils 150 bis 200 Gramm geteilt.
  • Diese werden in kochendem Wasser vorgewaschen, um Garnstaub aus dem vorigen Spinnprozess zu entfernen und damit ein gleichmäßiges Färbe-Ergebnis zu erzielen.

Mutterbad

  • Eine Woche vor dem Färben wird das sogenannte Mutterbad angerührt.
  • Der Farbstoff wird zunächst in eine wasserlösliche Form umgewandelt.
  • Durch tägliches Rühren entsteht die fertige Färbe-Grundlage.

Färben mit Natur-Indigo

  • Wird das Garn durch den im Wasser gelösten Indigo-Farbstoff gezogen, ist es zunächst grün.
  • Erst durch die Oxidation an der Luft wird es wieder blau. Dazu werden die Garnschlaufen kreisförmig erst durch das Wasser und dann durch die Luft gezogen.
  • Anschließend wird das Garn gewaschen.

Färben mit Horitoki

  • Für dunkles Blau wird das Garn zusätzlich mit der schwarzen Farbe der Horitoki Nuss gefärbt.
  • Hierfür wird die Nuss zunächst zerkleinert, gekocht und in einem Färbebad angerührt.
  • Das bereits blau gefärbte Garn wird durch den Horitoki-Farbstoff gezogen.

Weben von Hand

Wie viel Handarbeit in der hessnatur Selvedge Jeans steckt wird auch beim Weben deutlich. Jeder Faden läuft beim Weben durch die Hände von mindestens drei Mitarbeitern. Welche Schritte bis zur beliebten Webkante nötig sind und was dabei wie viel Zeit beansprucht, erzählen wir hier.

Aufspulen

  • Das gefärbte Garn wird zunächst auf unzählige kleine Spulen gedreht.
  • Auch dieser Vorgang geschieht von Hand.

Aufdrehen

  • Beim sogenannten Warping wird die Webkette vorbereitet, das sind die auf dem Webstuhl vertikal verlaufenden Fäden.
  • Eine Kette besteht aus über 2.200 Fäden.
  • Anschließend wird die Kette auf ein kleineres Rad gedreht und damit in den Webstuhl gesetzt.

Anknoten

  • Die Fäden der neuen Kette werden mit den letzten Stücken der vorigen Kette auf dem Webstuhl verknotet.
  • Dieser Vorgang dauert ca. einen bis eineinhalb Tage.
  • Würde man den Webstuhl neu einrichten, würde es sogar eine ganze Woche dauern, da jeder Faden durch eine Nadel gezogen werden müsste.

Weben

  • Der Stoff der hessnatur Selvedge Jeans besteht aus einem 3/1 Twill, der die klassische Diagonalstruktur von Denim liefert.
  • Der Schussfaden (weiß) überspringt dabei drei Kettfäden (blau) und taucht dann unter einem Kettfaden ab bevor er wieder drei überspringt usw.

Webstühle

  • Gewebt wird auf Handwebstühlen japanischer Bauart, die für besonders hochwertigen, klassichen Selvedge Denim stehen.
  • Für die hessnatur Selvedge Jeans eigens errichtete Weberei haben wir fünf solcher Webstühle
    secondhand in Bangladesch gekauft.
  • Ein Weber kann darauf etwa fünf Meter Stoff pro Tag weben.
"Für unsere neu eingerichtete Weberei konnten wir innerhalb Bangladeschs fünf Handwebstühle secondhand erwerben." Tauhid Bin Abdus Salam, Gründer CHP

 

Selvedge kommt vom englischen self-edged und steht für die ursprüngliche Webkante des Stoffes. Eine Selvedge Jeans erkennt man an der Außennaht. Hier treffen die beiden Original-Webkanten auf der Hoseninnenseite aufeinander. Das sieht gekrempelt nicht nur schön aus, es ist auch besonders langlebig, da diese Kanten nicht ausfransen können. Und weil Webkanten gerade sind, gibt es die Jeans auch nur im geraden unisex Schnitt.

Unter Jeans-Liebhabern werden vor allem Webstühle japanischer Bauart hoch gehandelt. Für unsere Selvedge konnten wir innerhalb Bangladeschs fünf Webstühle in original japanischer Bauweise ausfindig machen und secondhand erwerben.

Gewebt wird von Hand. Da auf diese Weise weniger starke Kräfte auf die Fäden einwirken als bei maschineller Herstellung, muss keine Schlichte, also kein Schutzfilm, auf den Fäden verwendet werden. Dadurch wird der Stoff der Hose später etwas weicher als üblich.

Bangladesch

Bangladesch ist ein junges Land mit einer alten Kultur an den Verkehrswegen der Seidenstraße. Seit den 80er Jahren hat sich Bangladesch nach China zum zweitgrößten Exporteur von Textilien entwickelt. Kleidung steht für mehr als 80 Prozent der Exporte und spiegelt die Entwicklung des Landes von der Landwirtschaft zur Industrie. 3 Millionen Menschen arbeiten hier in der Textilindustrie, zu 80 Prozent Frauen. Mit dem verheerenden Einsturz des Fabrikgebäudes in Rana Plaza ist Bangladesch zum Symbol für das verantwortungslose Fast-Fashion-Wachstum geworden.

Mit der hessnatur Selvedge Jeans möchten wir ein Zeichen setzen. Es geht um vielmehr als um die Schaffung von Arbeitsplätzen in einem der am wenigsten entwickeltesten Gebiete Bangladeschs und die Wahrung traditionellen Handwerks. Es geht vor allem auch darum, den Menschen des sogenannten globalen Südens ein Gesicht zu geben, sie aus der Anonymität zu holen und ihre Geschichten zu erzählen. Und davon gibt es viele, denn Bangladesch zählt zu den Ländern mit der höchsten Bevölkerungsdichte der Welt.

Menschen

Wir haben uns Zeit genommen und mit allen Menschen gesprochen, die an der Produktion unseres Selvedge-Stoffes beteiligt sind. Ihre Hintergründe, Wünsche und Ziele haben wir unten in der Slide-Show zusammengefasst.

"Die Idee ist, MADE IN BANGLADESH das Stigma zu nehmen – und zwar durch Slow Fashion mit höchstem Anspruch an ökologische und soziale Nachhaltigkeit." Marina Chahboune, Senior Project Manager Sustainability, hessnatur Stiftung

Obwohl Bangladesch für hessnatur zu den sogenannten High Risk Ländern zählt – also ein Standort, an dem es schwierig ist, eine sozial faire und ökologisch einwandfreie Produktion zu gewährleisten – sind wir überzeugt, dass keine Nation vom Weltmarkt ausgeschlossen werden darf.

Mit CHP konnten wir einen Partner gewinnen, der unser Anliegen vor Ort unterstützt. Eigentlich auf das Weben von Teppichen und Körben spezialisiert, half uns das Unternehmen unsere Indigo-Färberei und Denim-Weberei aufzubauen. Der Standort in Nilphamari wurde 2009 mit 90 Mitarbeitern gegründet, deren Anzahl bis heute auf 740 gewachsen ist.

Neben einem Gehalt über dem Mindestlohn zahlt CHP den Angestellten zwei Mal im Jahr zu den wichtigen religiösen Feiertagen einen Bonus. Viele nutzen dies, um an diesen Tagen zu ihren Familien zu reisen, Geschenke zu kaufen und besonderes Essen zuzubereiten. Außerdem bietet CHP Zusatzleistungen wie ärztliche Versorgung, Kinderbetreuung oder die Ausgabe von Hygieneartikeln.

5 Fragen an Tauhid Bin Abdus Salam
(Gründer Classical Handmade Products)