Bio Mode aus Hanf

#Nachgefragt

Die besonderen Eigenschaften von Hanf als textile Faser

Bei Sommerstoffen denken viele von uns an Baumwolle oder Leinen. Oft unterschätzt wird dabei die Hanffaser. Dabei ähnelt sie im Aufbau der Baumwollfaser, gleichzeitig wird sie ähnlich wie Leinen verarbeitet. Da Hanf ab dem 19. Jahrhundert nach und nach von der beliebten Baumwolle verdrängt wurde und inzwischen als Droge etwas in Verruf geraten ist, gelten Kleidungsstücke daraus heute als echtes Nischenprodukt.
Doch die Vorteile sind überzeugend: Hanffasern sind - vor allem im Sommer - besonders wohltuend für die Haut und außerordentlich pflegeleicht. Hinzu kommt ihre hervorragende Ökobilanz, die sie zu den umweltschonensten Fasern überhaupt macht. Außerdem freuen wir uns jede Saison über die Vielseitigkeit von Hanf, denn daraus lassen sich hauchzarte Shirts, feine Blusen mit Seide oder auch robuste Sommerschuhe zaubern.
Was noch alles für Hanf als eure neue Lieblingsfaser spricht, erklären euch unsere Material-Experten des hessnatur Corporate Social Responsibilty Teams im Interview.

  • Was sind die besonderen Eigenschaften von Hanf als Textile Faser?

    Im Aufbau ähneln Fasern aus Hanf den Baumwollfasern, beide bestehen hauptsächlich aus Zellulose und Hemizellulose. Jedoch gehört Hanf zu den Pflanzen mit besonderer Faserlänge mit einem natürlichen Glanz. Die Langfasern sind widerstandfähig, nahezu unverwüstlich und ausgesprochen reißfest. Die Festigkeit der Faser nimmt bei Feuchtigkeit sogar noch zu. Die Vorzüge von Hanf als textile Faser sind in erster Linie die hautfreundlichen Eigenschaften. Die ganz spezifische mikroelektronische Spannung der Hanffaser, die dem Spannungsklima unserer Haut entspricht, gleicht Spannungen aus und lädt sich nicht elektrostatisch auf. Zudem nimmt die Hanffaser Feuchtigkeit sehr schnell auf und gibt sie ebenso schnell wieder ab. Auch die antimikrobiellen Eigenschaften der Hanffaser sind ein Vorteil. Es gibt kaum Geruchsbildung und die Kleidungstücke müssen nicht so oft gewaschen werden. Die Vielseitigkeit der Hanffasern macht sie im textilen Bereich so wertvoll. So können aus ihnen feine, weiche wie auch rustikale, grobe Stoffe gefertigt werden.

  • Wieso wird sie gerade in der Frühjahr-/ Sommerkollektion verstärkt verarbeitet?

    Die natürlichen Fasereigenschaften machen Hanf zu der idealen Faser für die Frühjahr-/ Sommerkollektion. Kleidungsstücke aus Hanffasern haben eine perfekte Feuchtigkeitsregulierung vorzuweisen und sind somit für die wärmere Jahreszeit zu empfehlen. Sie können bis zu 30 Prozent der Feuchtigkeit aufnehmen, die am Körper während des Tragens entsteht. Die Hanfkleidung fühlt sich dennoch angenehm trocken auf der Haut, wirkt kühlend und ist damit ein idealer Begleiter an heißen Sommertagen. Es kommt außerdem kaum zur Geruchsbildung und die Kleidungstücke bleiben länger frisch. Aus Hanffasern werden Kleidungsstücke mit hohem Tragekomfort gefertigt.

  • Seit wann setzt hessnatur diese Faser schon ein?

    Seit 1980 wird Hanf als ausgesponnene Faser von hessnatur eingesetzt und hat seitdem einen festen Platz in jeder Frühjahr-/ Sommerkollektion. Hanfstoffe sind enorm vielseitig, es gibt feinen, leicht transparenten Jersey wie auch aus Gewebe mit hoher Webdichte.

  • Wieso ist die Hanffaser so lange in Vergessenheit geraten?

    Bis ins 19. Jahrhundert war für die europäische Textilindustrie die Hanffaser neben anderen Naturfasern, mit der wichtigste Rohstoff und wurde vor allem zur Herstellung von Ober- und Arbeitskleidung eingesetzt. Die Hanfverarbeitung nahm vor der Einführung der Baumwolle eine Schlüsselrolle in der Textilverarbeitung ein. Mit dem Siegeszug der Baumwolle als Kleidungsstoff ging die Nutzung von Hanf sehr stark zurück. Die Entwicklung von Baumwoll-Spinnmaschinen sowie die billigen Importe von Baumwolle beendete in Europa die Nutzung von Hanf als Textilfaser. In der Mitte des 20. Jahrhunderts waren Hanftextilien auf dem Markt der Industrieländer sehr selten geworden und wurden erst in den 1990er Jahren wiederentdeckt. Auch heute stellt Hanfbekleidung noch ein seltenes Nischenprodukt dar.

  • Woher kommt der Hanf, der für die Herstellung der hessnatur Lieblingstücke eingesetzt wird?

    Hanf, von Botanikern Cannabis sativa genannt, wird für die hessnatur-Kollektionen in der Regel aus China bezogen. Da momentan nur dort das Material als ausgesponnene Faser in der von hessnatur eingesetzten Qualität zu erhalten ist.

  • Wurde Hanf auch mal in Deutschland angebaut und weiterverarbeitet? Wieso wird es nicht mehr hier angebaut?

    In Deutschland wurde Hanf bis ins 19. Jahrhundert angebaut und in der Textilproduktion eingesetzt. Der Baumwoll-Boom beendete die Nutzung von Hanf als Textilfaser. In Deutschland bestand zwischen 1981 und 1996 ein Verbot für den Anbau von Hanf. In dieser Zeit waren selbst Forschung und Lehre über diese Pflanze unmöglich. Durch wachsende Absatzmärkte für Pflanzenfasern im Bereich der Automobil- und Dämmstoffindustrie trat in den letzten Jahren eine Verknappung der auf dem Weltmarkt zur Verfügung stehenden Rohstoffe ein und es erfolgte ein Umdenken. Seit 2015 ist in der EU der Anbau von Faserhanf wieder zugelassen. Heute ist der Anbau in Deutschland streng reglementiert und muss der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung als zuständige Behörde angezeigt werden. Zudem dürfen nur bestimmte Sorten verwendet werden, deren geringer Gehalt des psychoaktiven Stoffes THC nachgewiesen ist. Bedauerlicherweise ging in den Jahren, in denen Hanf in Deutschland nicht angebaut wurde, viel Wissen und Kompetenz rund um Anbau und Weiterverarbeitung verloren und muss neu aufgebaut werden.

  • Wie gelingt es aus einer so robusten Faser einen weichen, aber dennoch strapazierfähigen Stoff – ohne den Einsatz von Chemikalien zu erlangen?

    Wenn man das derbe Hanfstroh in den Händen hält, kaum sich kaum vorstellen, dass aus diesem Material weiche, fließende Stoffe entstehen. Das Aufschließen der Hanfstängel erfolgt ähnlich der Weiterverarbeitung von Leinen. Durch Brechen und Walzen werden die Hanffasern vom Rest der Pflanze getrennt. Aus den wertvollen Langfasern entsteht feinster Zellstoff, der dann wiederum zu hochwertigen, feinen Garnen verarbeitet werden kann. Im Gebrauch werden Kleidungsstücke aus Hanf zudem zunehmend weicher und anschmiegsamer.

  • Aus welchem Teil der Hanfpflanze wird die Faser erstellt?

    Der Rohstoff für Hanffasern ist der Stängel der Pflanze, das sogenannte Hanfstroh.

  • Wie wird die Hanfpflanze weiterverarbeitet, bis daraus eine Faser entsteht?

    Der Hanfstängel besteht zu 30 % bis 40 % aus Fasern. Die Verarbeitung von Faserhanf geschieht rein mechanisch und unterteilt sich in mehrere Arbeitsschritte. In der sogenannten Röste wird mit Hilfe von Feuchtigkeit ein biologischer Aufschluss eingeleitet, der später die gute Trennung der Fasern von den holzigen Bestandteilen des Stängels ermöglicht. Nach der Trocknung der Stängel werden die Fasern von den übrigen Bestandteilen der Stängel getrennt. Dies geschieht durch einen mechanischen Prozess, dem Schwingen. Die Hechelmaschine parallelisiert die Fasern für das Spinnen und kämmt letzte Verunreinigungen aus.

  • Wo findet die Weiterverarbeitung statt?

    Der Hanf wird in China angebaut und alle Prozessschritte bis zur Garngewinnung finden auch in dortigen Kompetenzzentren statt.

  • Was hat Hanfkleidung mit dem Rauschmittel Hanf zu tun?

    Gar nichts. Hanf (Cannabis sativa) ist eine einjährige Pflanze, von der weltweit viele verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Eignungen und Anpassungen existieren. Für den Anbau gibt es Faserhanf, Ölhanf und speziell auf Harzausbeute und THC-Gehalt selektionierten Drogenhanf mit bis zu 20 % des psychotrop wirksamen THC in den weiblichen Blüten. Für hessnatur-Bekleidung wird ausschließlich Nutzhanf (Faserhanf mit einem THC-Gehalt unter 03, %) verwendet.

  • Wie sieht es mit der Ökobilanz von Hanf z.B. im Vergleich zu Baumwolle aus?

    Hanf ist eine der ältesten Kulturpflanzen und eine sehr vielfältige, robuste Nutzpflanze. Alle Teile - Fasern, Samen und Öl - sind nutzbar und äußerst vielseitig verwendbar. Beim Anbau benötigt die Hanfpflanze weder Pflanzenschutz- noch Insektenschutzmittel, sie ist anspruchslos hinsichtlich der
    Bodenzusammensetzung und kommt zudem im Gegensatz zu Baumwolle mit wenig Wasser aus. Hanf ist sehr schnell wachsend und von Natur aus sehr widerstandsfähig. Die Fasern der Hanfpflanze weisen eine hohe Reißfestigkeit auf. Somit erweist sich Kleidung aus Hanffasern beim Tragen als strapazierfähig und langlebig. Selbst im feuchten Zustand ist Hanfstoff noch drei Mal reißfester als Baumwolle. Die Hanffaser kann man zu den umweltschonendsten Fasern mit gleichzeitig hervorragender Ökobilanz zählen.

  • Ist die Hanffaser für Allergiker geeignet?

    Für Menschen mit einer Allergie auf tierische oder synthetische Fasern sind Kleidungsstücke aus Hanffasern, wie auch alle anderen pflanzlichen Fasern, eine wunderbare Option und tragbare Alternative.

  • Gibt es Besonderheiten die man beim Waschen unbedingt beachten sollte?

    Wir empfehlen für die Wäsche von Bekleidung aus Hanffasern generell ein flüssiges Bio-Waschmittel für pflanzliche Fasern.

  • Wieso sind reine Hanf-Produkte immer nur für Handwäsche geeignet?

    Für unsere Shirts aus sehr feinem, semi-transparentem Hanfjersey empfehlen wir unter dem Aspekt der Langlebigkeit die schonende Handwäsche. Bei einer Wäsche in der Maschine könnte es trotz der hohen Reißfestigkeit des Materials zu Beschädigungen kommen. Beim Schleudern setzt eine ohne mechanische Belastung ein und aufgrund der zum Teil sehr dünnen Garnqualität könnte das Material reißen. Robuster Jersey und auch Gewebe kann ohne Probleme in der Maschine gewaschen werden. Wir empfehlen die Pflegeempfehlung zu beachten.

  • Wieso wird Hanf nicht noch öfter eingesetzt zum Beispiel als Mischungen?

    Der Anspruch unseres hauseigenen Designteams ist es eine Vielzahl von Kunden mit individuellen Wünschen mit unserer Kollektionen anzusprechen. In das breitgefächerte Konzept fließen Modelle aus verschiedenen hochwertigen Fasern und Fasermischungen ein. Hanffasern werden von hessnatur schon über viele Jahre in unterschiedlichen Materialqualitäten angeboten. In der aktuellen Saison haben wir einige Modelle in einer wunderschön fließenden Gewebequalität aus einer Mischung aus Bio-Baumwolle, Seide und Hanf.

  • Warum ist der Stoff von reinen Hanf-Shirts so dünn/fast durchsichtig?

    Die feine, leicht transparente Jersey-Qualität ist von den Trageeigenschaften für die warme Jahreszeit ideal. Aufgrund ihrer Luftigkeit sind die sommerlichen Hanf-Shirts bei unseren Kunden sehr beliebt und werden jedes Jahr nachgefragt.

  • Warum gibt es nicht noch mehr Schuhmodelle aus Hanf?

    Das ausgewählte, relativ kleine hessnatur-Schuhsortiment setzt sich aus unterschiedlichen Modellen und zudem aus verschiedenen Materialien zusammen. Von der Anmutung passen Schuhe aus Hanffasern eher in das sportive Segment. Die Anzahl der Modelle richtet sich nach den Kombinationsmöglichkeiten innerhalb der Kollektion.

  • Sind auch noch weitere Kleidungsstücke aus Hanf denkbar, zum Beispiel Wäsche?

    Als innovatives Unternehmen arbeitet hessnatur ständig an neuen Ideen. Aktuell bieten wir im Sortiment Wäsche einen Pyjama-Shorty aus einem edlen Bio-Baumwoll-Seiden-Hanf-Mix an. 

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