Nach Marburg, Frankfurt und Viernheim ist gestern Abend Gießen als vierte hessische Kommune mit dem Siegel „Stadt des Fairen Handels“ ausgezeichnet worden. Diese Auszeichnung wird von der Organisation Transfair vergeben. Da Gießen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Butzbach liegt – hier hat hessnatur seinen Firmensitz –,  haben wir die Feierstunde im Gießener Rathaus unterstützt und eine kleine Kollektion der ökologischen und fair produzierten hessnatur-Frühjahrsmode gezeigt.

Fair Trade-Stadt kann man nicht von heute auf morgen werden (Gießen hat für den ganzen Prozess rund zwei Jahre benötigt). Die Kandidatenstädte müssen für die Auszeichnung den Gedanken des Fairen Handels in besonderer Weise fördern und bestimmte Kriterien erfüllen. In Gießen zum Beispiel das Anbieten von Fair Trade-Kaffee und weiteren Fair Trade-Produkten in der städtischen Verwaltung. Außerdem müssen mindestens 16 Einzelhandelsgeschäfte und acht Gastronomiebetriebe jeweils mindestens zwei Produkte anbieten, die fair gehandelt sind. Diese Zahlen sind abhängig von der Einwohnerzahl. Das mag für den ein oder anderen nach recht wenig klingen, aber ich denke, in Summe ist es der Gedanke, der zählt und der weiter wachsen muss. Und wenn eine Mittelstadt wie Gießen in der Verwaltung auf „Nicht Fair Trade“-Kaffee verzichtet und sich auch für die öffentliche Beschaffung und zukünftige Großprojekte wie die Landesgartenschau 2014 nachhaltigere Richtlinien auferlegt, die ökologische und soziale Aspekte einschließen, ist das eine gute Sache.

„Wir wollen die Auszeichnung alles andere als verstecken und dafür sorgen, dass das Anliegen des Fairen Handels noch stärker in unserer Stadt vorangebracht wird“, sagte Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz gestern Abend bei der Gesprächsrunde im Rathaus. Auslöser für die Bewerbung von Gießen als Stadt des Fairen Handels war übrigens nicht die Lokalpolitik (die zwar den Beschluss dazu gefasst hat), sondern Schüler der Max-Weber-Schule, die im Rahmen eines Projektes die Idee hatten, das Anliegen von Fair Trade auch in Gießen umzusetzen.

Neben der Verleihung der Urkunde informierten das Gießener Textilbündnis in Zusammenarbeit mit der Kampagne für saubere Kleidung und die lokale Agenda-Gruppe über ihre Arbeit, der Gießener Weltladen war mit Fair Trade-Produkten präsent. Und neben einer Jugend-Trommelgruppe und einem Chor sorgten fünf Models mit der aktuellen hessnatur-Kollektionökologisch und fair – für den passenden Rahmen der Preisverleihung.