Gentechnisch verändertes Gemüse im Sortiment von Biomärkten: Wie das ZDF-Magazin WISO bei Stichproben festgestellt hat, waren 17 von insgesamt 37 Biogemüse-Proben genmanipulierte Organismen. Besonders Chicoree aus Holland und Brokkoli aus Italien fielen immer wieder auf. Es handelte sich um so genannte CMS-Hybride, bei denen durch die Übertragung artfremder DNA in die Zellkerne die Organismen unfruchtbar werden, zugunsten des Ertrags der Frucht. Diese Hybride sind gemäß dem EU-Biosiegel nicht verboten.

Als die Reporter beim zweitgrößten Naturkostgroßhändler Deutschlands, der Firma Weiling in Coesfeld nachfragen, erfahren sie, dass der Großhändler einen großen Anteil an CMS-Hybriden einkaufen muss, weil die Nachfrage nach Biogemüse in Deutschland so hoch ist. Weiling wünscht sich ein Verbot der genmanipulierten Hybride und mindestens eine Kennzeichnungspflicht. Ebenso die Biomärkte Alnatura, Basic, denn’s und Tegut, bei denen das ZDF-Magazin auf die gentechnisch veränderte Ware gestoßen war. Zurecht prangern die Reporter an, dass weder der Großhändler noch die Märkte die Ware freiwillig kennzeichnen. So habe der Verbraucher aufgrund des eklatanten Mangels an Transparenz in seiner Entscheidung keine echte Wahl.

Transparenz ist wichtig

Transparenz gehört zu den Grundprinzipien nach denen hessnatur arbeitet. Wir haben uns auferlegt, von der Fasergewinnung über die Garnverarbeitung bis zum Verkauf bei uns im Versand alle Schritte entlang der textilen Kette zu überwachen und für unsere Kunden nachvollziehbar zu machen. Dazu gehört auch, dass im Bereich Corporate Responsibility für jeden Artikel, den hessnatur verkauft, ein Artikel-Pass hinterlegt ist, auf dem jedes Detail der Herkunft und Herstellung vermerkt ist. Sollte aus einem Mangel an Verfügbarkeit einer unserer Rohstoffe nicht aus biologischer Erzeugung stammen, markieren wir auch das. Denn Vertrauen zum Kunden gewinnt man nicht durch Schwindeln, sondern durch Verlässlichkeit und Offenheit.

Da die Textilindustrie für das menschliche Leben und Überleben genauso essentiell ist wie die Lebensmittelindustrie, beschäftigen wir uns im hessnatur-Blog auch mit Ernährungsthemen. Schließlich ist der Mensch von der Wiege bis zur Bahre und rund um die Uhr von Textilien umgeben. Und genauso muss er mehrmals täglich Lebensmittel zu sich nehmen, um sich zu erhalten. Es gibt also viele wichtige Parallelen in der Lebensmittel und Textilindustrie.

Kritik an der Kritik

Vor einigen Monaten hatten wir deshalb auch berichtet, dass es Kritik gibt am 2010 eingeführten Biosiegel der EU für Lebensmittel: „Das Siegel ist eine staatliche Garantie dafür, dass mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe der ausgezeichneten Produkte aus biologischem Anbau kommen. Sie dürfen zu höchstens 0,9 Prozent aus gentechnisch veränderten Stoffen bestehen.“ Wir waren für diese Kritik damals selbst in die Kritik geraten, doch nachdem WISO aufgedeckt hat, was es mit den 0,9 Prozent gentechnisch veränderten Stoffen auf sich hat, kann man eigentlich nur bekräftigen: CMS-Hybride haben im Bioanbau nichts zu suchen. Bei den Anbauverbänden Demeter und Bioland sind sie übrigens strikt verboten, was jedoch nicht verhindert, dass auch hier immer wieder Ausreißer gefunden werden.

hessnatur ist gegen den Einsatz genmanipulierter Organismen. Und solche Skandale, wie der von WISO aufgedeckte, schaden der  Glaubwürdigkeit der ganzen Branche. Das mindeste ist die Kennzeichnungspflicht. Noch besser wäre es CMS-Hybride zu verbieten, und die Überschreitung des Verbotes streng zu ahnden.

Übrigens lese ich gerade in der Süddeutschen Zeitung, dass der Bund Ökologischer Landwirtschaft dem ZDF widerspricht, weil CMS-Hybride nicht unter das Gentechnikrecht fielen. Das ZDF kontert wiederum, dass die EU-Freisetzungsrichtlinie die Zellfusion, die CMS-Hybride hervorbringt, als gentechnisches Verfahren definiert. Sei’s drum, dann wäre es erst Recht fair, die entsprechenden Gemüse zu kennzeichnen und dem Verbraucher zu überlassen, ob CMS-Gemüse in seinem Kochtopf landet oder nicht.