Wie Ihr vielleicht wisst, arbeiten wir bei hessnatur nach dem holistischen Prinzip. Das tun wir bereits seit 1976, dem Jahr unserer Gründung. Also lange bevor der Begriff „Nachhaltigkeit“ in aller Munde geführt wurde. Die Vision unserer Gründer, des Ehepaares Heinz und Dorothea Hess, war es, natürliche Textilien herzustellen, die Umwelt und Menschen weder ausbeuteten noch vergifteten. Die Geschäftsbeziehungen mit den Lieferanten sollten deshalb unbedingt fair, weil auf Augenhöhe gestaltet sein.

Heute können wir das mit dem klassischen Dreieck der Nachhaltigkeit beschreiben: Werden Ökonomie, Soziales und Umwelt gleichermaßen bei den Arbeitsprozessen eines Betriebes in Betracht gezogen, dann kann man diese nachhaltig nennen. In der Anfangsphase war die Beziehung von hessnatur zu seinen Produzenten sehr persönlich geprägt. Das Ehepaar Hess reiste mit der ganzen Familie zu den Geschäftspartnern, um die Firmen und Projekte zu besichtigen, und um über das gemeinsame Vorgehen zu beraten.

So kam die erste Biobaumwolle, die ab Mitte der 1990er jemals in der Konvektion bearbeitet wurde, und das ausschließlich bei hessnatur, aus der südlichen Türkei. Ein Mitarbeiter aus dem Versand in der damaligen Zentrale in Bad Homburg stammte daher. Deshalb wusste die Familie Hess auch, dass die Landwirtschaft dort so wenig industrialisiert worden war, dass chemische Herbizide und Pestizide sowie andere Chemiekeulen, die im modernen Ackerbau häufig eingesetzt werden, hier weitestgehend unbekannt waren.

Die Nachfrage und die Produktion wuchsen rasant. Mitte der Nuller-Jahre des neuen Jahrhunderts hatten wir schon eine nachhaltige Seidenproduktion in China, Alpaka aus Peru, Yak aus der Mongolei und Fertigungen in Thailand. Teilweise berüchtigte Billiglohnländer, doch die Idee bei hessnatur war, auch in diesen Ländern eine faire und gerechte Produktion zu ermöglichen.

Arbeitsbedingungen in Betrieben sind jedoch komplexe Strukturen. Und wenn man viele Lieferanten hat, heute sind es bei hessnatur weit über 100 und noch dazu überall in der Welt, dann ist die Sicherstellung fairer Arbeitsbedingungen ein beträchtlicher Aufwand. Um diesen Kraftakt zu stemmen und transparent für unser Unternehmen und Euch, unsere Kunden, nachweisbar zu machen, schlossen wir uns im Jahr 2005 als erstes deutsches Unternehmen der niederländischen Multistakeholder-Organisation Fair Wear Foundation an.

Die Fair Wear Foundation unterstützt Textilunternehmen dabei, langfristig Sozialstandards in den Herstellerfirmen einzuführen. Dabei geht sie von den acht Kernarbeitsnormen der UN-Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organisation) aus. Diese sind: Keine Zwangsarbeit, keine Diskriminierung am Arbeitsplatz, keine Kinderarbeit, Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen, existenzsichernde Löhne, keine überlangen Arbeitszeiten, sicheres und gesundes Arbeitsumfeld und ein rechtsverbindliches Arbeitsverhältnis.

Durch ausgeklügeltes Monitoring und regelmäßige Schulungen in den Produktionsstätten sowie das Schaffen von betriebsunabhängigen Beschwerdestellen für die Arbeiter und Arbeiterinnen gehen wir bei hessnatur Hand in Hand mit unseren Herstellern auf eine stabile Grundlage für faire Arbeitsbedingungen zu. Und das unter der Aufsicht und mit der tatkräftigen Unterstützung von der Fair Wear Foundation, für die wir jährlich in unserem Sozialbericht Rechenschaft über unsere Fortschritte abgeben. Das ist, wie ich es bereits angedeutet habe, ein komplexer und arbeitsintensiver Prozess. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir ihn bereits seit zehn Jahren gemeinsam mit der Fair Wear Foundation beschreiten.

Genaueres über die Bildungsprogramme, die wir in unseren Herstellerbetrieben eingeführt haben, erfahrt Ihr im nächsten Blogpost!