Warum muss ein Missstand oft erst in einer Katastrophe münden, um die Politik, die Justiz, die Gesellschaft aufzuwecken und damit eine Veränderung anstoßen? Die größtenteils miserablen Arbeitsbedingungen in Textilfabriken von Billiglohnländern waren lange vor dem Kollaps von Rana Plaza bekannt. Die Risse im Gebäude wurden bereits vor dem Einsturz entdeckt und an die zuständigen Stellen gemeldet. Trotzdem wurden die Menschen gezwungen weiter dort zu arbeiten. Ihr Tod wurde bewusst in Kauf genommen. Nun ist es ein Leichtes, die zuständigen Manager und Behörden anzuklagen. Doch die tatsächliche Verantwortung liegt ganz woanders. Wie auch der Dokumentationsfilm The True Cost – Der Preis der Mode erklärt, hat sich die Textilindustrie in den letzten zwanzig Jahren stark verändert. Mode hat sich vom Gebrauchsgut zum Konsumprodukt entwickelt.

Heute werden 80 Milliarden neue Kleidungsstücke pro Jahr produziert. Das sind 400% mehr als Mitte der Neunziger Jahre. Durch die stetig fallenden Preise der Fast Fashion Anbieter investieren wir weniger in Kleidung, wir konsumieren sie vielmehr. Wie Zigaretten oder Kaugummi. Wenn wir möchten, können wir uns an jedem Tag der Woche ein neues Top leisten – und es nach (k)einmaligem Tragen in die Tonne stecken. Schon lange vor der Fast Fashion Entwicklung, nämlich seit der Gründung vor 40 Jahren, wagt wir bei hessnatur einen anderen Ansatz: Wir wertschätzen den Aufwand an Ressourcen, Energie und Humankapital für ein Kleidungsstück. Außerdem achten wir schon beim Design darauf, dass dieses ressourcenschonend zum fertigen Produkt umgesetzt werden kann. So entsteht zum Beispiel bei unserer Zero Waste Kollektion,wie der Name schon verrät, kein Abfall beim Zuschnitt der späteren Teile. Doch was der schnelle Konsum von Kleidung und der daraus resultierende Müll für die Umwelt bedeutet, ist ein anderes Kapitel.Bevor wir ein fertiges Kleidungsstück in den Händen halten, erfolgen vom Anbau des Rohstoffs über die Verarbeitung zum Faden bis hin zur Konfektion und anschließenden Veredelung sehr viele kleine Schritte, die unter dem Begriff Textile Kette zusammengefasst werden. Jeder einzelne Schritt der Kette kostet selbstverständlich Geld. Wenn man bedenkt, wie viele T-Shirts heute für sieben, fünf oder weniger Euro verkauft werden und darin auch noch ein entsprechender Gewinn enthalten ist, muss man sich fragen: Kann das ethisch sein?

Deshalb spielt Transparenz für uns eine große Rolle. Wir kennen, verfolgen und kontrollieren die Entstehung jedes Artikels entlang der gesamten Textilen Kette. Die Unternehmenskultur basiert auf einem ganzheitlichen Prinzip, dessen Werte sich über fünf Bereiche definieren: Ökologie, faire Arbeitsbedingungen, faire Handelsbeziehungen, nachhaltige Produktion und nachhaltiger Konsum. Als erstes deutsches Unternehmen ist hessnatur 2005 der Fair Wear Foundation beigetreten. Im Rahmen der jetzt zehnjährigen Mitgliedschaft wurde ein Monitoringsystem für die Erfassung und kontinuierliche Verbesserung der Sozialstandards in den Konfektionsbetrieben entwickelt und in unser  Unternehmen verankert. Das ist natürlich ein dynamischer Prozess, in dem viele Menschen involviert sind und bestehende Abläufe stetig an neue Anforderungen angepasst werden müssen. Denn imVordergrund steht, dass unsere Kleidung von Menschen produziert wird. hessnatur sieht sich als Unternehmen in der Verantwortung und unterscheidet nicht zwischen Mensch in der Zentrale oder Mensch in der Produktion. Aus diesem Gedanken entstand auch Fashion Revolution.

Die Non-Profit Organisation aus Großbritannien ruft Konsumenten international dazu auf, Fotos der Etiketten ihrer Kleidung auf sämtlichen Social Media Plattformen zu zeigen. Mit dem Hashtag #whomademyclothes sollen die entsprechenden Firmen aufgefordert werden, ihre Herstellungsbedingungen offenzulegen und Transparenz entlang der textilen Kette zu schaffen. Es geht darum, den Menschen, die unsere Kleidung herstellen, ein Gesicht zu geben, sie aus der Anonymität zu holen und damit Solidarität zu zeigen. Jedes Jahr am 24. April, dem Jahrestag des Rana Plaza Unglücks, schließen sich Modefans zum Fashion Revolution Day zusammen, um auf die Missstände in der Textilindustrie hinzuweisen und eine Revolution weiter voranzutreiben. Nur so kann ein Umbruch gelingen. Wenn wir Endkunden immer wieder Alarm geben, immer stärker nachfragen und immer wieder unser Konsumverhalten hinterfragen, können wir sehr viel bewegen. Denn letztlich tragen wir die Verantwortung – im Schlechten wie im Guten.

Auch wir beteiligen uns in diesem Jahr wieder am Fashion Revolution Day. Tragt am 24. April 2016 Euer hessnatur Kleidungsstück auf links und postet ein Foto des Labels auf Facebook, Twitter oder Instagram. Alle Details und weitere Infos findet Ihr unter: hessnatur.com/fashrevday