Wir haben an dieser Stelle schon über die Rolle des Endverbrauchers in der textilen Kette gesprochen, sprich: welche Verantwortung wir alle als Kleidungsträger gegenüber der Umwelt haben, und wir haben uns mit dem Energie- und Wasserverbrauch von Wachmaschinen auseinander gesetzt. Aber jetzt wollen wir endlich zum Waschen der Wäsche übergehen. Schließlich ist saubere Wäsche ein hygienisches und nicht zuletzt ästhetisches Grunderfordernis für jeden von uns.

Klaus Röhrle, Vertriebsleiter unseres Lieferanten, der die Öko-Waschmittel für hessnatur herstellt, hat da einige Anmerkungen zum Thema Sauberkeit: „Es ist die Frage, was saubere Wäsche eigentlich ist. In meiner Vorstellung ist das Wäsche, die frei von Keimen, Viren und Sporen ist sowie von allen anderen Schmutzpartikeln. Das hat aber nichts mit Wäsche zu tun, die verseucht ist mit optischen Aufhellern und giftigen Duftstoffen.“ Beim Mythos von der porentief reinen Wäsche, der durch die Werbespots für herkömmliche Waschmittel geistert, schüttelt es Herrn Röhrle nur so.

Halten Sie Ihre Waschmaschine sauber!

Stattdessen sollte in den Haushalten besser darauf geachtet werden, die Waschmaschinentrommel sauber zu halten. Klaus Röhrle dazu: „Aus der Waschmaschine wird ja nie alles Wasser abgepumpt, da bleibt immer ein Rest drin. In diesem Rest können sich natürlich Keime bilden.“ Deshalb sei es wichtig – gerade wenn die Maschine nicht ständig in Betrieb genommen werde – die Trommel ab und an zu reinigen. „Einfach eine Portion Waschmittel mit rein und Zitronensäure zum Entkalken und einmal leer laufen lassen.“ Zitronensäure ist zum umweltfreundlichen Entkalken günstiger als Essigsäure, weil sie Gummiteile wie Dichtungen nicht oder kaum angreift. Zwischen den Waschgängen könne man die Maschine zum Lüften offen stehen lassen und die Dichtung trocken wischen.

Ansonsten empfiehlt Klaus Röhrle umweltverträgliche Waschmittel aus nachwachsenden Rohstoffen, ohne giftige Phosphate, Aufheller und Duftstoffe. Und auch zu heiß sollte man seine Wäsche nicht waschen: „Das mit dem Wäsche kochen ist nicht mehr zeitgemäß. Bei 60 Grad werden alle Krankheitserreger bereits zerstört. Ich empfehle diese Temperatur für Unterwäsche und wenn im Haushalt Krankheiten grassieren.“ Ansonsten könne man Handtücher, Bettwäsche etc. getrost bei 40 Grad waschen und Oberbekleidung ausschließlich bei 30 Grad. Ach ja, und immer schön die Waschmaschine voll machen. Auch das spart Wasser und Energie.

Gallseife und Einweichen

Zur Fleckenlösung empfiehlt Herr Röhrle die Wäsche einfach einweichen zu lassen: „Nimmt man einen Fleckenlöser, der normalerweise die Wäsche bei 60 Grad in zwei Stunden reinigt, dann kann man alternativ auch die Waschtemperatur senken und dafür die Dauer der Wäsche verlängern.“ Sprich, man nehme ein Bio-Fleckensalz, gebe es am Abend zur Wäsche plus Waschmittel und lasse das Waschprogramm anlaufen. Wenn die Wäschetrommel vollgelaufen sei und einige Umdrehungen hinter sich habe, könne man die Maschine einfach abstellen, die Wäsche über Nacht einweichen lassen und am nächsten Morgen die Waschmaschine wieder anstellen.

Gut sei auch die Vorbehandlung der Wäsche mit Gallseife. Die ist besonders bei Obst-, Stärke-, Blut-, Eiweiß- und Fettflecken wirksam. Am besten, man behandelt die Flecken noch bevor sie eingetrocknet sind.

Was Klaus Röhrle aber ärgert, ist folgende Inkonsequenz: „Da sagt beispielsweise eine Mutter, ja, die Kleider von unserem Baby, die wasche ich nur mit Bio-Waschmittel, aber die Hemden meines Mannes, die will er mit herkömmlichen Waschmittel gewaschen haben.“ Das sei aber Humbug, so Röhrle, denn dadurch, dass wie gesagt immer Wasser vom Vorwaschgang in der Trommel bleibe, werde die „Bio-Wäsche“ mit dem herkömmlichen Waschmittel kontaminiert. Das mit der Bio-Wäsche ist dann für die Katz.

Auf Chemie verzichten

Und auf Weichspüler ist Klaus Röhrle auch nicht gut zu sprechen: „Das ist die pure Chemie, es reicht, wenn man einen Schuss Essig in den Waschgang gibt, dann wird die Wäsche auch weich.“ Wer also biologisch reine Kleidung wählt, für den wäre es schade, wenn er sie im Namen einer falsch verstandenen Sauberkeit nachträglich mit Chemikalien behandelt – und die Umwelt gleich mit. Denn jährlich verbrauchen deutsche Haushalte laut dem Bundesumweltamt 630.000 Tonnen Waschmittel und 220.000 Tonnen Weichspüler. Das sind schon mal 220.000 Tonnen Chemikalien, die wirklich überflüssig sind. Wir machen da nicht mit – und Sie?