Für den Leader Status, die höchste Auszeichnung der Fair Wear Foundation, haben wir sehr engagiert gearbeitet. Was genau hinter dem Begriff steckt, haben wir für Euch bei unseren Kolleginnen Kristin Heckmann und Elisabeth Schmidt erfragt. Die Beiden sind bei hessnatur für das Monitoring von Sozialstandards und die Betreuung der Lieferanten zuständig. Als Teamleiterin verantwortet Kristin Heckmann die sozialen und ökologischen Standards.

Warum ist der Leader Status für hessnatur wichtig?

Wir wollen Dinge bewegen. Mit dem Multi-Stakeholder-Ansatz, also der Beteiligung von Gewerkschaften, Arbeitgebern, Nichtregierungsorganisationen, Frauengruppen und Vertretern der niederländischen Regierung genießt die FWF höchste Glaubwürdigkeit. Die Spitzenbewertung durch ein so breit aufgestelltes Bündnis ist uns Anspruch und Ansporn zugleich, um konkrete Verbesserungen in den Produktionsstätten zu erzielen.

Was kann man sich unter dem Leader Status vorstellen? Wie lässt sich die Auszeichnung einordnen?

Schon die bloße Mitgliedschaft in der FWF steht für ein hohes Niveau, das sich nur durch eine enge Zusammenarbeit mit unseren Partnern erreichen lässt. Den Leader Status erreichen nur etwa zehn Prozent der Mitglieder in der Fair Wear Foundation. Für die Bewertung sind die konkreten Verbesserungen der sozialen Standards in der Lieferkette maßgeblich. In das Gesamtergebnis fließen sowohl unsere eigenen Prozesse und Einkaufspraktiken ein, als auch die Arbeit mit unseren Partnern vor Ort.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit der FWF ganz praktisch vorstellen? Fliegt Ihr von einem Produktionsstandort zum nächsten?

Das eine ist der tägliche Austausch mit der Fair Wear Foundation, das andere sind die persönlichen Kontakte zu unseren Partnern. Wissen und Expertise der lokalen Teams der Fear Wear Foundation in den Produktionsländern der Textilindustrie sind eine wichtige Grundlage unserer Arbeit. In enger Abstimmung ermitteln wir den Status Quo in den Betrieben und entwickeln Lösungsansätze, die auf die kultur- und länderspezifischen Gegebenheiten zugeschnitten sind. Hinzu kommen die persönlichen Kontakte zu unseren Partnern, die wir regelmäßig besuchen. Mit der Mehrzahl unserer Lieferanten arbeiten wir fünf Jahre oder länger zusammen. Dabei ist uns die Zusammenarbeit auf Augenhöhe und die klare Kommunikation über alle Anforderungen einer transparenten Lieferkette ganz wichtig.

Was sind die wichtigsten Stellschrauben bei der Durchsetzung von Sozialstandards?

Alle Partner müssen wirklich von dem überzeugt sein, was wir erreichen wollen. Unsere jahrelange Erfahrung zeigt, dass gegenseitiger Respekt und ein offener Dialog die wirksamsten Instrumente zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen sind. Am Anfang stehen immer das Bewusstsein und die Sensibilität für die Herausforderungen jedes einzelnen Betriebes. Kurzfristig orientierte Maßnahmen verpuffen leicht.

Was bringt Euch bei der täglichen Arbeit zum Verzweifeln?

Die Verbesserung der Sozialstandards kann nur unter Berücksichtigung der besonderen Bedingungen einzelner Länder oder Kulturen gelingen. Systemische Fragen bedürfen einer anderen Herangehensweise, als die Arbeit auf Betriebsebene. So müssen etwa in einem Land mit einer staatlichen Einheitsgewerkschaft alternative Wege gefunden werden, den Beschäftigten eine Stimme zu geben. Dafür ist sehr viel Überzeugungsarbeit erforderlich. Mit einem langen Atem und einer gewissen Hartnäckigkeit sind wir bisher immer gut gefahren.

Im Verhältnis zu den Unternehmen im Textileinzelhandel ist der Anteil der Unternehmen, die sich in der FWF engagieren und den Leader Status erreichen, verschwindend gering. Was sind aus Eurer Sicht die Gründe?

Die Mitgliedschaft setzt ein hohes Engagement in der Lieferkette und in den Unternehmen voraus, also die Bereitschaft viel Arbeit zu investieren. Und gleichzeitig ist ein starkes finanzielles und personelles Engagement noch keine Garantie für den Erfolg. Die Bewertung in der Fear Wear Foundation muss in jedem Geschäftsjahr erneut unter Beweis gestellt werden.

Ist das Ranking in der FWF für unsere Kunden transparent? Wie können sich unsere Kunden über die Kriterien informieren?

Die Bewertungsergebnisse sind mit dem Brand Performance Check sowohl auf der hessnatur Unternehmensseite als auch auf den Seiten der FWF transparent dokumentiert. Zu jedem Geschäftsjahr veröffentlichen wir außerdem einen detaillierten Sozialbericht zu unserer Arbeit.

Es gibt eine Fülle von Sigeln und Zertifizierungen. Warum hat sich hessnatur für die FWF entschieden?

Wir teilen die anspruchsvollen Ziele. Wir haben uns vor zehn Jahren intensiv mit dem Thema der Sozialstandards beschäftigt und viele Gespräche geführt, bevor wir uns für die Fear Wear Foundation entschieden haben. Diese Entscheidung hat sich aus heutiger Sicht bewährt. Natürlich haben sich mit den Jahren immer neue Herausforderungen ergeben, die Komplexität des Themas ist gewachsen. Zurzeit sehen wir keine glaubwürdige Alternative.