Von Juliaca aus fahren Rolf Heimann, unser Agent Matthias Hess und ich zu einer weiteren Alpaka-Farm, die „nur“ auf 4200 Höhenmetern liegt. Auch die Straße hierher ist ok. Was ich in Sachen Höhenmetern gelernt habe: Man darf sich nicht schnell bewegen. Alles in Zeitlupe und möglichst langsam. Man merkt die Höhe nicht sofort, aber 50 Meter zu schnell gelaufen und man schnauft unglaublich.

Die Alpaka-Farm liegt in einem Tal. Das ist ein großer Unterschied. Das Tal ist fruchtbarer, die Alpakas bekommen bessere Gräser und produzieren somit auch besseres Fell. Grundproblem ist hier folgendes: Das Eigentum an Land ist hier nicht klar definiert. Jeder will das Land im Tal haben. Kauft man es, kommt keine Woche später ein anderer und behauptet, dass alles nichtig sei und dass ihm das Land gehöre. Und somit investiert hier auch keiner. Die Farm, die wir schon besucht haben, hat das insofern gelöst, als dass sie die Alpakas auf den Bergen züchten. Das Land ist nicht so fruchtbar und daher will es auch keiner haben.

Die Farm heute hat das aber auch ganz geschickt gelöst. Die Mitarbeiter bringen nämlich den Menschen in den Dörfern rund um die Farm Techniken des Strickens bei. Oft spenden sie sogar noch die Faser. In einem Workshop beispielsweise haben Frauen Pullover für die Schulkinder gestrickt. Und das nach Maßtabelle. Von so was hatten die Menschen vorher noch keine große Ahnung. Jetzt aber können sie auch Aufträge annehmen und stricken nicht einfach irgendwie drauf los. Spannend! Mit solchen Projekten macht sich die Farm im Umfeld beliebt und wird daher akzeptiert.

Am nächsten Morgen gibt’s ein leckeres Frühstück: Von Rolf Heimann persönlich gebrutzelte Eier, dazu Brot, Schinken, Käse und Honigmelone. Lecker! Ein letztes Mal geht es auf in die Berge. Alpaka-Bauern zeigen uns eine Schur. Das Alpaka bekommt gleich danach eine Art Mantel angezogen. Sieht zwar merkwürdig aus, dafür friert es aber erstmal nicht. Die Mitarbeiter trennen hier sofort die Fasern nach entsprechenden Qualitäten. Jedes Alpaka ist registriert und es werden Faserlänge und Gewicht notiert. Echt unglaublich, was die Farm wissenschaftlich alles erforscht. Das Alpaka hat jämmerlich während der Schur geblöckt. Wesentlich intensiver und lauter als ein anderes Alpaka, dessen Schur ich vorher gesehen habe.  Und was ist der Unterschied? Richtig! Dieses hier ist männlich …

Wir fahren nach Juliaca zurück und fliegen weiter nach Arequipa, das auf 2500 Höhenmetern liegt. Hier wollen wir uns Produktionsbetriebe anschauen – mehr dazu im nächsten Blog-Beitrag von mir!