Als mein Mann und ich jung verheiratet waren, bekamen wir Korbmöbel aus Weide geschenkt. Made in China. Letzteres spielte für uns damals keine Rolle. Nur eines Tages hörte ich es in der Korbbank verdächtig knuspern. Das ging immer so weiter, und nach einigen Wochen war nicht nur der  mittlere Fuß der Bank zerbröselt. Auch der schöne alte Schrank aus Birnbaumholz, der hinter der Bank an der Wand stand, war übersät mit kleinen Löchern: Holzwurm, eingeschleppt aus China eingeschleppt.

Das ist nur ein harmloses Beispiel – verglichen mit dem Schaden, der entstehen kann, wenn fremde Schädlinge aus Übersee eingeschleppt werden und lebendige Holzorganismen, sprich Bäume, befallen. Im Jahr 2000 etwa wurde der Asiatische Laubholzbockkäfer nach Europa eingeschleppt. Dieser Käfer befällt alle möglichen Baumarten von Birke, Pappel, Platane, Rosskastanie, Weide bis hin zu Rosenstöcken. Auch Bäume mit einem ansonsten gesunden Immunsystem sind vor diesem Schädling nicht sicher. Eingeschleppt wird der Laubholzbockkäfer mit Verpackungen, Kisten und Paletten aus Holz.

Hafenarbeiter werden regelmäßig vergiftet

Es gibt zahllose Beispiele für eingeschleppte Holzschädlinge, die verheerende Schäden anrichten. Um der Sache Herr zu werden, ist man dazu übergegangen, die riesigen Frachtcontainer zu begasen. Giftige Gase werden in den beladenen Raum eingeleitet, um mögliche Schädlinge abzutöten. Zum Einsatz kommen vor allem Brommethan (bis Ende 2014), Phosphorwasserstoff und Sulfuryldiflorid. Alle drei Stoffe sind hochgiftig und schädigen das Zentralnervensystem. Brommethan zerstört die Ozonschicht in der Athmosphäre, und Sulfuryldiflorid ist besonders toxisch für Fische und alle Wasserorganismen. Ein großes Problem ist zudem, dass Hafenarbeiter, die regelmäßig Container öffnen müssen, diesen Giften ausgesetzt sind.

Immer wieder gehen Fälle durch die Medien, aus denen bekannt wird, dass Hafenarbeiter vergiftet wurden. Wie Studien und Berichte ergeben, sind korrekte Kennzeichnungen der begasten Container eher die Ausnahme als die Regel. Das geht auch aus einem Merkblatt des Zentralinstituts für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin in Hamburg hervor. Das Institut EU Di Co, das sich mit der Einhaltung von EU-Regularien im Umgang mit Chemikalien befasst, weist darauf hin, dass aus einer vorausgegangenen Begasung nicht zuverlässig vorhergesagt werden kann, wie hoch die Gaskonzentration in einem Container ist.

Hinzu kommt ein Rattenschwanz an Folgen, deren Spitze ist, dass selbstverständlich Gasrückstände in den transportierten Waren, Textilien, Lebensmittel etc. zurückbleiben können, die bei uns, den Konsumenten, Schaden anrichten können.

Hitzebehandlung als Alternative

Alternative Methoden zur Schädlingsbekämpfung gibt es längst. Ich erinnere nochmals an meinen Schrank aus Birnbaumholz. Als ich den Holzwurm entdeckt hatte, habe ich den Antiquitätenhändler um die Ecke gefragt, was ich tun sollte. Ich wollte wegen meiner kleinen Tochter nichts Giftiges einsetzen. „Stellen Sie Ihren Schrank für eine halbe Stunde in die Sauna!“ war die Antwort. Auch im Transportwesen ist die thermische Variante längst bekannt. Durch heiße Luft lassen sich Schädlinge wirkungsvoll bekämpfen, ohne schädliche Folgen für Mensch und Umwelt.

Dass die thermische Behandlung von Transportholz als teurer gilt als die Begasung, lässt einen staunen. Aus Sicht der Nachhaltigkeit wiegen die schrecklichen Folgen der Begasung viel schwerer. Sie kommen Menschen und Umwelt viel teurer zu stehen als die Hitzebehandlung. Da ist dringend ein Umdenken notwendig! Übrigens, wenn wir bei hessnatur unsere Waren transportieren, gibt es keine Begasung, zum Einsatz kommen ausschließlich Kunststoffpaletten. Auch eine Möglichkeit.

Meinen Schrank habe ich übrigens gerettet, in dem ich in mühevoller Kleinarbeit ungiftiges Möbelwachs in die kleinen Löcher geschmiert habe. Eine geeignete Sauna hatte ich auf die Schnelle nicht finden können. Und so ist der Holzwurm unter der Bienenwachsschicht erstickt. Es gibt immer eine Möglichkeit, Umweltgifte zu vermeiden. Man muss sie nur finden wollen.