Eco Warrior Princess Interview hessnatur Geschäftsführer

Eco Warrior Princess

Im Interview mit Vivek Batra

Transparenz und Nachhaltigkeit sind für uns seit vielen Jahren verbindlich. Und im Geschäft mit der Mode gewinnen beide Themen an Zuspruch und Bedeutung. Menschen engagieren sich für den Bewusstseinswandel in der Modeindustrie und setzen sich für soziale und ökologische Standards ein. Eine Vorreiterin, Bloggerin und Unternehmensgründerin ist Jennifer Nini aus Australien. Für ihren Blog Eco Warrior Princess bat sie unseren Geschäftsführer Vivek Batra zum Gespräch.

Wir stellen vor: Jennifer Nini, Gründerin Eco Warrior Princess.

Eco Warrior Princess Interview Jennifer Nini

Jennifer Nini hat ihren nachhaltigen Lifestyle-Blog Eco Warrior Princess 2010 gegründet, somit war sie eine der ersten Bloggerinnen mit diesem Schwerpunkt. Sie lebt und arbeitet auf dem Land in Queensland, Australien. Hier baut sie ihr eigenes Bio-Obst und Gemüse an. Als sie ihren Blog gegründet hat, waren ihre Leser ausschließlich Freunde und Familie. Aber mit der Zeit wuchs ihre Leserschaft. Heute hat sie ein ganzes Team, das ihre Mission: to be the change unterstützt. Sie möchte Menschen inspirieren und zu einem nachhaltigeren Lebensstil ermutigen, um diese Welt zu einem besseren Ort zu verändern. 

Jennifer Nini von Eco Warrior Princess bat Vivek Batra zum Interview.

Seit wann sind Sie Geschäftsführer von hessnatur? Wie kam es zu dieser Tätigkeit?

Parallel zum Einstieg eines neuen Investors bin ich 2012 Mitglied des Beirates von hessnatur geworden. Im März 2016 bin ich dann zum Vorsitzenden Geschäftsführer ernannt worden. Ich bin in Indien geboren und 1988 zum Abschluss meiner Ausbildung nach Europa gekommen. Ich habe in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und Großbritannien gelebt und für Unternehmen der Mode-, Bekleidungs- und Konsumgüterindustrie in mehr als 17 Ländern gearbeitet. Die Modebranche steckt in meinen Genen. Mit 12 Jahren habe ich mein Taschengeld im kleinen T-Shirt-Betrieb meiner Mutter aufgebessert. Die kleine Garagenfirma wuchs zu einem Unternehmen in dem zuletzt 500 Menschen arbeiteten.

Die nachhaltige Modemarke hessnatur existiert inzwischen 40 Jahre. Was denken Sie ist das Geheimnis des Erfolges?

hessnatur wurde 1976 von Heinz Hess gegründet. Er war Händler für Chemikalien und war sich deshalb der toxischen Auswirkungen in der Baumwollverarbeitung sehr bewusst. Er und seine Frau Dorothea wollten nicht, dass ihr neugeborener Sohn Matthias mit toxischen Substanzen in Berührung kommt. Deshalb entwickelten sie Produkte unter Verzicht auf chemische Ausrüstungen. Er war einer von wenigen Pionieren auf der Welt, die Projekte für Bio-Baumwolle aufgebaut haben.

In meiner Sicht liegt das Geheimnis von hessnatur in der visionären Gründungsidee und der absoluten Klarheit über die Frage „Warum“ sie dies taten. Erst danach kamen das “Wie” und das “Was”.

Sich über das “Warum” klar zu werden ist eine unerlässliche Voraussetzung für jedes Geschäft. Ich empfehle jedem, sich den TED Talk von Simon Sinek anzuschauen, der auch ein Buch mit dem Titel ‘Start with why’ geschrieben hat.

Zu den Anfängen von hessnatur.

Eco Warrior Princess Interview Model faire Mode

Warum tun wir das?

Wir wollen die Welt verbessern, mit jedem Kleidungsstück, das wir produzieren. Das ist der Gründungsimpuls für das Unternehmen.

 

Wie tun wir das?

Indem wir Verantwortung tragen, dass unsere Produkte weder der Umwelt, noch den Menschen, die die Kleidung tragen oder die sie herstellen schaden. Und wir tun diese mit moderner Nachhaltigkeit und voller Transparenz bei allem, was wir tun.

hessnatur wurde zu einer Zeit gegründet als Nachhaltigkeit noch nicht in aller Munde war. Wie kam es so früh zu diesem Umweltbewusstsein?

Interessanterweise wurde dieses Unternehmen aus Liebe von Eltern für ihr erstes Kind gegründet und nicht als einfache Geschäftsidee. Es gab einen starken Drang, etwas zu verändern und einen Unterschied zu machen. Der Gründungsimpuls war so stark, sich gegen den Zeitgeist zu stellen.

Ökonomisch betrachtet gab es 1976 die erste Ölkrise und Kunststoffe waren begehrt, weil sie so billig waren. Die Gründer von hessnatur hatten ein anthroposophisches Verständnis von Mensch und Natur und sahen die negativen Auswirkungen von Kunststoffen. Dagegen wollten sie etwas tun und wollten deshalb nur Naturfasern anbieten. Daher auch der Name hessnatur. Die ersten Produkte waren aus Schurwolle und Seide. Diese Materialien wurden so wenig wie möglich behandelt, gebleicht oder mit Chemikalien behandelt. In Pionierleistung hat hessnatur Bio-Baumwolle in Afrika angebaut. Dabei müssen die Anbaufelder mindestens seit drei Jahren frei von Pflanzenschutzmitteln oder chemischer Düngung sein. Starke Wurzeln dieses Engagements verweisen auf die Gedanken Rudolf Steiners, der als Anthroposoph für ein mitmenschliches Leben im Einklang mit Natur und Kosmos eingetreten ist. Alles in allem war dieser Einfluss einer der wesentlichen Gründe für das frühe Umweltengagement.

Die Verbindung von Ethik und Ästhetik.

Eco Warrior Princess Interview Model faire Mode
"Wir überwinden den scheinbaren Gegensatz von Ethik und Ästhetik und zeigen, dass sich Mode und Nachhaltigkeit sehr wohl miteinander verbinden lassen." Vivek Batra

Als Vorsitzender Geschäftsführer formen Sie die Ausrichtung des Unternehmens. Mit welchen Zielen und Schwerpunkten wollen Sie das Unternehmen in die Zukunft führen?

Mein Anspruch ist, den scheinbaren Gegensatz von Ethik und Ästhetik zu überwinden und zu zeigen, dass sich Mode und Nachhaltigkeit sehr wohl miteinander verbinden lassen. 

Moderne Nachhaltigkeit bedeutet für uns keinen Verlust, sondern einen Gewinn neuer Möglichkeiten. Neben reinen Naturfasern bietet wir auch Lenzing Modal Edelweiß an, welches durch eine positive Umweltbilanz besticht. Das Lenzing Modal Edelweiß entsteht in einem geschlossenen Produktionsverfahren aus nachwachsendem Buchenholz aus Österreich. 

Wie schwer ist es für ein großes Modehaus, ethische Prinzipien in der Wertschöpfungskette zu verankern?

Vor dem Hintergrund der angesprochenen Philosophie war ethisches Handeln von Beginn an fester Bestandteil des unternehmerischen Handelns und bildet die Kernkompetenz.

Auch wenn sich sechs Spezialisten in unserer Nachhaltigkeitsabteilung vor allem mit nachhaltigem Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette beschäftigen, ist der ethische Anspruch ein Anliegen aller 370 Beschäftigten.

Wir sind vor zehn Jahren als erstes deutsches Unternehmen der Fair Wear Foundation beigetreten. Das war für uns kein großer Einschnitt, da wir immer schon nach ethischen Prinzipien gehandelt haben. Dennoch fanden wir es nützlich, unser Handeln auch von einer neutralen Instanz mit dem Blick von außen bestätigen zu lassen. Gleichzeitig wollten wir eine institutionelle Verankerung schaffen, um Standards kontinuierlich zu verbessern.

Ich arbeite seit mehr 30 Jahren in der Modebranche und ehrlich gesagt hatte ich nicht erwartet, dass es möglich ist, Verantwortung für alle Schritte der textilen Wertschöpfungskette zu übernehmen. Ich wurde eines Besseren belehrt. hessnatur belegt seit 40 Jahren, dass dies auch für ein mittelständisches Unternehmen mit begrenzten Ressourcen möglich ist.

Modedesigner, die für einen nachhaltigen Ansatz eintreten, berichten immer wieder von der Schwierigkeit ihre Mode zu verkaufen, vor allem online. Die Erwartungen an eine Demokratisierung durch das Internet haben sich bisher nicht erfüllt. Vielen kleinen nachhaltigen Anbietern fällt es nach wie vor schwer, ihre Mode zu verkaufen. Warum ist das so und was lässt sich dagegen tun?

In Deutschland gibt es das Sprichwort: „Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten“. Dieser Satz gilt auch für das Internet. Zweifellos eröffnet das Internet gigantische Chancen und ermöglicht es Jedermann, zu äußerst geringen Kosten ein Unternehmen aufzubauen. Die Eintrittshürden sind inzwischen so gering, dass heute eine unüberschaubare Menge von Anbietern auf diesem Markt unterwegs sind. Deshalb ist die Herausforderung jetzt, diese Anbieter überhaupt zu finden. Instrumente, die dabei helfen sind die Google Angebote Search Engine Advertising (SEA) oder Search Optimisation (SEO). Um Besucher auf eine Seite zu lenken und diese zu Käufern zu machen ist es nötig, große Summen in SEA und SEO zu investieren. Anders fällt es schwer, überhaupt gefunden zu werden.

Ich denke, die Sozialen Medien ermöglichen es Gründern, die ihr „Why“ definiert haben, Netzwerke aufzubauen und Kunden anzusprechen. Darauf aufbauend fällt es leichter, Multiplikatoren zu finden und so eine Kettenreaktion in Gang zu setzen. 

Was war bisher die größte Herausforderung mit der Sie als Vorsitzender Geschäftsführer von hessnatur konfrontiert waren?

Die größte strukturelle Herausforderung sind die rund 25 bis 30 Prozent höheren Produktionskosten im Vergleich zu konventionellen Produkten, die sich durch unsere hohen Nachhaltigkeitsstandards ergeben. Obwohl die Kunden unsere Mode lieben und den Tragekomfort schätzen, wollen sie nicht mehr dafür bezahlen. Die Preisvorstellungen werden vorwiegend von den konventionellen Produkten bestimmt. Viele Kunden verstehen nicht, worauf die Unterschiede der beiden Ansätze beruhen.

Kritische Bücher und Filme wie “The True Cost” haben die Aufmerksamkeit auf die fatalen Folgen von Fast Fashion gelenkt, aber an vielen Verbrauchern ist diese Entwicklung komplett vorbei gegangen. Wie kann es gelingen, nachhaltige Mode in den Mittelpunkt zu rücken und zur Norm zu machen?

Für uns bedeutet das, da anzuknüpfen, wo wir vor 40 Jahren angefangen haben.

Generell denke ich, Rana Plaza hat vielen Menschen die Augen geöffnet, dass etwas fundamental aus dem Ruder gelaufen ist mit der immer schneller verfügbaren Mode. Ethik, Verantwortung und nachhaltige Mode sind nicht nur etwas für Esoteriker oder Hippies. Trotzdem wird das Problem zum Teil immer noch geleugnet und das ist ein Teil des Problems. Eine Lösung wird es nur geben, wenn wir den Rausch stoppen und einen bewussteren Konsum bevorzugen. Emotional haben wir das längst verstanden. Unser Verstand orientiert sich aber weiter an dem Preisgefüge des konventionellen Marktes. Deshalb fällt es schwer, einen höheren Preis für eine nachhaltige Kaufentscheidung zu akzeptieren. Während das Herz für die richtige Lösung schlägt, stellt der Kopf sich quer, weil er es sich nicht leisten will.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Sozialen Medien den Weg für diese Moderevolution ebnen und auch für den Konsum den entscheidenden Durchbruch zu bringen.

Gerade Ihnen, Jennifer Nini, fällt dabei eine entscheidende Rolle zu. Sie erreichen Menschen in der Sprache, die sie verstehen und fördern so eine Bewusstseinsänderung. Gut so, sie leisten mit Ihrem Blog Eco Warrior Princess Ihren Beitrag zu dieser Moderevolution.

Eco Warrior Princess Interview Vivek Batra
"Eine Lösung wird es nur geben, wenn wir den Rausch stoppen und einen bewussteren Konsum bevorzugen." Vivek Batra

Wie lautet Ihre Empfehlung für Modedesigner und Gründer, die ein nachhaltiges Modeunternehmen aufbauen wollen?

Mit der Gefahr mich zu wiederholen: Beantworten Sie zuerst die Frage nach dem Warum? Werden Sie sich dann klar über das Wie und das Was. Es gibt auf dem Markt viel zu viele austauschbare Produkte. Legen Sie großen Wert auf Ihr Alleinstellungsmerkmal oder mit anderen Worten: Arbeiten Sie heraus, worin Ihr Produkt den Unterschied macht. Je besser Ihre Geschichte diese Besonderheiten vermittelt, desto größer sind die Chancen im Dschungel des Internets. Viel Glück Ich drücke Ihnen die Daumen.

Ganz herzlichen Dank an Sie, Vivek, dass Sie sich die kostbare Zeit genommen haben und trotz des vollen Terminkalenders meine Fragen beantwortet haben. Sie haben einen neuen Fan und ich drücke hessnatur die Daumen für weitere erfolgreiche 40 Jahre! – Jennifer Nini von Eco Warrior Princess

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Jennifer Nini 
ecowarriorprincess.net

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