Qualtitätsanforderungen Leder

Der Anspruch von hessnatur

Mode von hessnatur definiert moderne Nachhaltigkeit. Auf dem Fundament einer beständig nachhaltigen Ökologie und einer sozial fairen Produktion gibt sie richtungweisende Impulse.

So auch mit den hessnatur Qualitätsanforderungen für Leder: Seit mittlerweile mehr als zwanzig Jahren setzen sich die Fachleute von hessnatur stetig mit den Herausforderungen der Lederherstellung auseinander, um die Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Produktionsweisen voranzutreiben. Ein wichtiger Prozess, denn noch ist der Stand der Technik hinsichtlich Ökologie in der Lederherstellung nicht mit den Möglichkeiten der Textilherstellung zu vergleichen. Das Ergebnis setzt Maßstäbe: die sehr anspruchsvollen hessnatur Richtlinien für die Produktion von Leder und Lederartikeln. Diese Richtlinien setzt hessnatur in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnergerbereien und Lieferanten um. Gemeinsam mit ihnen und Fachleuten aus Instituten und Wirtschaft werden die Standards kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Richtlinien basieren auf den folgenden Grundanforderungen:

  • Die hessnatur Qualitätsrichtlinie Leder findet Anwendung in allen Prozessschritten der Produktionskette – von der Auswahl der Rohhäute bis zur Fertigung der Schuhe.
  • Es wird nach ökologisch optimierten Verfahren produziert: die beste verfügbare Technik, kombiniert mit Anforderungen an Verfahren, Hilfsmittel und Ressourceneffizienz, ist die Grundlage für eine nachhaltige Produktion.
  • Das fertige Produkt muss immer humantoxikologisch unbedenklich sein, basierend auf §30 des Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuchs. Die hessnatur Produktionsvorgaben gehen deutlich über diese gesetzlichen Anforderungen hinaus und werden im Detail für die gesamte Produktionskette in den Richtlinien ausdefiniert.
  • Transparenz ist unabdingbar – der Weg des Leders muss in der gesamten Lieferkette klar rückverfolgbar sein.

Darauf aufbauend wurden die hessnatur Lederrichtlinien konzipiert und über Jahre weiter ausgearbeitet. Eine wegweisende Eigenentwicklung, die das Thema der Ökologie in der Lederherstellung einen großen Schritt vorangebracht hat. Die Richtlinien legen detaillierte ökologische Anforderungen an die einzelnen Schritte der Herstellung von Leder fest. Aber auch Vorgaben hinsichtlich Arbeitsbedingungen und Warenqualität sind im Leitfaden für Hersteller und Lieferanten enthalten. Ihre Umsetzung ist Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit mit hessnatur. Das Ergebnis ist ein hochwertiges Naturprodukt, hautfreundlich, atmungsaktiv und angenehm zu tragen.

Im Folgenden sind die hessnatur Kernanforderungen für die Lederherstellung zusammengefasst.

Anforderungen an die Materialauswahl

Hochwertiges Rohmaterial ist die Basis für gutes Leder und hohe Materialqualität. Dabei gilt:

  • Es werden ausschließlich Häute europäischen Ursprungs verwendet.
  • Es wird sichergestellt, dass keine Häute geschützter oder bedrohter Tierarten verwendet werden.
  • Es werden keine Häute von Tieren verwendet, die ausschließlich zur Gewinnung von Häuten oder Fellen gehalten werden.

hessnatur verarbeitet in erster Linie Rindsleder. Eine Kennzeichnung von Häuten aus kontrolliert biologischer Tierhaltung ist dabei allerdings noch nicht durchgehend umsetzbar, da die notwendigen Systeme für eine sichere Rückverfolgung des Materials bis zum Bauernhof noch im Aufbau sind.

Anforderungen an Hilfsmittel / Stoffe

Ausgeschlossen von der Verwendung in der Produktion sind grundsätzlich alle human- und umwelttoxikologisch kritischen Verbindungen. hessnatur arbeitet dabei mit der Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien gemäß GHS (Globally Harmonised System). Zusätzlich werden Experteneinstufungen mit einbezogen, u.a. von unabhängigen Instituten, dem Bundesinstitut für Risikobewertung und der Ständigen Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (MAK-Kommission). Ba­sie­rend auf jahrelanger Erfahrung und enger Zusammenarbeit mit Fachleuten in Herstellungsbetrieben und Instituten hat hessnatur hier ein umfas­sen­des Expertenwissen aufgebaut. Dementsprechend beinhaltet die hessnatur Lederrichtlinie auch eine Ausschlussliste, die konkrete Substanzen wie Chromsalze, zinnorganische Verbindungen oder PVC (Polyvinylchlorid) sowie Stoffe mit bestimmten Toxizitätseinstufungen ausregelt.

Zu den von der Verwendung ausgeschlossenen Verbindungen zählen u.a.:

  • generell alle krebserregenden, fortpflanzungsgefährdenden und erbgutverändernden Stoffe
  • Verbindungen, die als besonders gefährlich für die Umwelt eingestuft sind
  • endokrine, d.h. hormonell wirksame Substanzen

Anforderungen an Herstellungsverfahren

Das Ziel von hessnatur ist ein Herstellungsprozess ohne Nachteil für Mensch und Umwelt. Daher sind bestimmte Herstellungsverfahren für Artikel von hessnatur ausgeschlossen, weil sie die Umwelt belasten, aufgrund ihrer Eigenschaften kritisch im Handling in den Produktionsbetrieben sind oder zu Schadstoffrückständen am fertigen Artikel führen. Diese Ausschlussliste wird, basierend auf technischer Erprobung und jahrelanger Erfahrung, beständig überprüft und fortgeschrieben. Stattdessen erarbeitet hessnatur mit Lieferanten und Herstellern innovative Alternativverfahren, die stetig weiterentwickelt werden. Auch wenn bei einigen Punkten noch manches zu tun bleibt: hessnatur ist auf dem Weg und geht immer so weit wie irgend möglich.

 

Geregelt sind: Weil: hessnatur-Verfahren
Konservierung von Rohhäuten und Zwischenprodukten
100% Ausschluss der Konservierung von Rohhäuten mit chemisch-synthe­tischen Konservierungsmitteln Produktbelastung, Arbeitssicherheit Verarbeitung frischer Häute; Konservierung durch Kühlung oder den Einsatz von Kochsalz
Regelung und weitmöglichste Reduzierung der Konservierung von Zwischenprodukten mit chemisch-synthetischen Konservierungsmitteln Produktbelastung, Arbeitssicherheit Vermeidung von Unterbrechungen in der Produktion à keine Notwendigkeit der Konservierung; Minimierung der Konservierung mit von hessnatur festgelegten, zugelassenen Mitteln
Vorbehandlung der ungegerbten Häute („Wasserwerkstatt“)
Regelung von Sulfidäschern zur Haarentfernung Umweltbelastung sulfidfreier oder sulfidarmer Äscher
Gerben
100% Ausschluss der Gerbung mit Chrom Umwelt- & Produktbelastung, Arbeitssicherheit Verwendung von pflanzlichen Gerbstoffen sowie nach hessnatur-Anforderungen geprüften synthetischen und mineralischen Gerbstoffen für die Vorgerbung
100% Ausschluss der Verwendung von formaldehyd-basierten Gerbstoffen Produktbelastung, Arbeitssicherheit Verwendung von nach hessnatur-Anforderungen geprüften synthetischen Gerbstoffen für die Vorgerbung
Färben und Drucken
100% Ausschluss von toxikolo­gisch kritischen Schwer­metallen in Farbstoffen (gemäß GHS-Einstufung) Umwelt- & Produktbelastung Verwendung hochwertiger schwermetallfreier und schadstoffgeprüfter Farbstoffe nach hessnatur-Anforderungen
Zurichten
100% Ausschluss von Be­schichtungen und Zurich­tungen basierend auf:

  • Polyurethan (PU)
  • Polyacrylaten (PA)
  • Polyvinylchlorid (PVC)
Umwelt- & Produktbelastung  

  • mechanische Ausrüstungen mit Hitze, Druck oder Dampf
  • Wachsen und pigmentiertes Wachsen mit Mitteln auf Basis natürlicher, nachwachsender Rohstoffe

Anforderungen an Zutaten & Accessoires

Ökologische Konsequenz bis ins Detail: Auch die Zutaten für die Schuhherstellung sind geregelt, vom Schnürsenkel bis zum Klebstoff. Dabei gilt vor allem:

  • Es werden natürliche Materialien eingesetzt, wenn die Funktionalität des Artikels es erlaubt.
  • Es werden wasserbasierte oder lösemittelreduzierte Klebstoffe verwendet.
  • Der Einsatz von PVC und anderen halogenierten Kunststoffen ist laut der hessnatur Richtlinien ausgeschlossen.
  • Metalle müssen frei von Chrom und Nickel sowie chrom- und nickelfrei galvanisiert sein.

Anforderungen an Lagerung und Transport

In Hinblick auf Lagerung und Transport sind Transparenz und Rückverfolgbarkeit vom Schuhhersteller bis zur Ankunft der Häute in der Gerberei die wichtigste Anforderung von hessnatur: Der Weg des Leders muss klar und nachvollziehbar sein. Darüber hinaus gilt:

  • Während Lagerung und Transport dürfen keine Pestizide eingesetzt werden. Die Lagerung darf nicht in mit Pestiziden kontaminierten Lagerräumen erfolgen.
  • Generell müssen die Produkte eindeutig gekennzeichnet sein und so gelagert und transportiert werden, dass eine Kontamination mit unzulässigen Substanzen oder ein Vertauschen mit konventionellen Produkten ausgeschlossen wird.

Anforderungen an das fertige Produkt & Kontrolle

Der genaue Blick auf Herstellung und Produktionskette ist die  wichtigste Arbeit der hessnatur Qualitätssicherung. Bei jedem Artikel und jedem verwendeten Material wird anhand von ausführlichen Dokumentationen überprüft, ob die Herstellung den hohen Standards entspricht. Die Daten werden dokumentiert, geprüft und bewertet und ggf. vor Ort kontrolliert.

Daneben steht die Überprüfung der fertigen Leder. Grundsätzlich wird jedes neue Material im Labor kontrolliert. Zusätzlich folgen weitere, regelmäßige Schadstoffkontrollen in unabhängigen Prüfinstituten zur Sicherung der hessnatur Produktionsanforderungen, basierend auf den strengen Richtwertanforderungen der Lederrichtlinie. Diese werden sowohl an der Produktionsware als auch im laufenden Produktionsprozess durchgeführt.

Darüber hinaus definiert die hessnatur Lederrichtlinie auch umfassende Anforderungen an die Warenqualität. So erhält zum Beispiel der Verzicht auf synthetische Beschichtungen des Leders seine volle Atmungsaktivität (Wasserdampfdurchlässigkeit). Und auch das natürliche Warenbild bleibt so erhalten; Spuren wie Insektenbisse bleiben unverdeckt und erzählen vom Leben des Tieres, als Qualitätsmerkmal für naturbelassenes Leder.

Nachhaltige Produktion

Zu einer wirklich nachhaltigen Herstellung gehören neben den Kriterien für Material, Chemikalien und Herstellungsverfahren auch Anforderungen an Arbeitsbedingungen und Umweltstandards. Die hessnatur Lederrichtlinie regelt daher auch Punkte wie die Arbeit mit einem Umweltmanage­ment­system, den Ressourcenverbrauch und den Umgang mit Abwasser. Hinzu kommen die hohen hessnatur Sozialstandards. hessnatur arbeitet zudem ausschließlich mit europäischen Gerbereien zusammen, die bereits den hohen gesetzlichen Auflagen der EU unterliegen.

  • Für die jeweiligen durchgeführten Verarbeitungsschritte müssen die gültigen nationalen und lokalen gesetzlichen Umweltanforderungen erfüllt sein (einschließlich derjenigen Vorgaben, die sich auf Abluft, Abwasseremissionen sowie auf Abfall und den Umgang mit Klärschlamm beziehen).
  • Das Abwasser der Gerbereien muss in einer funktionellen internen oder externen Abwasserkläranlage gereinigt werden, bevor es in die Umwelt eingeleitet wird.
  • Die Gerbereien sollen ein Umweltmanagementsystem einrichten.
  • Leitbild Ressourceneffizienz: Prinzipiell soll stets mit einem möglichst geringen Einsatz von Wasser, Energie und Chemikalien gearbeitet werden. Eine kontinuierliche Senkung des Verbrauchs ist anzustreben.
  • Die Arbeitssicherheit gemäß der hessnatur Sozialstandards soll geprüft und gesichert sein.

Umsetzung

Die strengen Anforderungen von hessnatur umzusetzen ist für die Hersteller nicht immer leicht. Deshalb arbeiten die Experten aus dem Bereich Corporate Responsibility eng mit den Lieferanten zusammen, unterstützen und helfen bei der praktischen Anwendung und bei Fragen. Transparenz und eine enge, kontinuierliche Kooperation machen die nachhaltige Produktion möglich, zusammen mit Lieferanten, die mit hessnatur gemeinsam an Ökologie, Arbeitsbedingungen und Umweltthemen arbeiten.