Jetzt ist es leider amtlich: Friedensnobelpreisträger und Grameen Bank-Gründer Professor Muhammad Yunus hat den seit Wochen anhaltenden juristischen Kampf gegen seine Abberufung als Managing Director der Grameen Bank verloren.

Nachdem der Oberste Gerichtshof von Bangladesch Anhörungen in dem Fall mehrfach verschoben hatte, wurde nun der Einspruch Yunus’ gegen seine Abberufung zurückgewiesen. Die Begründung des Gerichts: Bei der Grameen Bank handle es sich um eine staatliche Institution, nicht um eine Privatbank. Deswegen gelte für die Mitarbeiter das staatliche Rentenalter von 60 Jahren. Yunus ist bereits 70 Jahre alt. Der Mikrokredit-Pionier war Anfang März durch die Zentralbank des Landes, die „Bangladesh Bank“, entlassen worden, hatte sich jedoch gegen den Schritt gewehrt und einen Rechtsstreit begonnen. Seine Anhänger vermuten hinter seiner Absetzung als Bankchef eine politische Entscheidung der bengalischen Regierungschefin Sheikh Hasina Wajed, mit der sich Yunus überworfen hatte.

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs hat einen mehr als fahlen Geschmack. Denn im Umkehrschluss könnte das bedeuten, dass Yunus bereits mehr als zehn Jahre illegal im Amt war und dies erst jetzt bemerkt wurde – was ja wohl kaum anzunehmen ist! Nein, die Entscheidung, ihn vom wichtigen Posten des Managing Director der Grameen Bank zu entlassen, ist meiner Meinung nach höchstgradig politisch motiviert. Aufrufe der Board-Mitglieder der Grameen Bank, die sich für Yunus eingesetzt hatten, sind offenbar ebenso wenig bei der Regierung in Dhaka angekommen wie die Protestschreiben von anderen Staatschefs, Politikern und bekannten Persönlichkeiten.

Die Feststellung des Gerichts, dass die Grameen Bank eine staatliche Bank sei, bringt zudem die Gefahr mit sich, dass mit dieser Rechtssprechung der staatliche Einfluss mehr und mehr zunehmen wird. Und dass die rund 8 Millionen Mitglieder der Grameen Bank – vorrangig Frauen, die Kreditnehmerinnen sind – weniger bei „ihrer“ Bank zu sagen haben werden. Das lässt die Zukunft der Vision von Grameen, nämlich die Bekämpfung der Armut in einem der ärmsten Länder der Welt, nicht gerade rosig erscheinen. Yunus selbst hat eine Stellungnahme zu seiner nun rechtskräftigen Abberufung veröffentlicht, die Ihr hier lesen könnt – ein bemerkenswerter Aufruf, sich dafür einzusetzen, dass die vergangenen 40 Jahre der Mikrokredit- und Grameen-Bewegung eines Tages nicht umsonst gewesen sind.