Die Stanford-Studie über Bio-Essen hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt: Angeblich seien biologisch erzeugte Lebensmittel kaum „besser“ als solche aus konventioneller Herstellung. Wir haben uns mit den letzten beiden Blogbeiträgen zum Thema angeschaut, was daran nicht stimmt. Und wie die industriellen Agrarriesen vorgehen, um sich ihre wirtschaftlichen Vorteile zu sichern, indem sie Misstrauen säen und Verunsicherung.

Heute soll es darum gehen, wie Verbraucher erkennen können, was Bio-Qualität bei Lebensmitteln ist. Denn wie in der Textilbranche gibt es auch im Lebensmittelsektor Siegel, die bestimmte Herstellungsstandards garantieren. Bei Textilien geht es um biologischen Anbau von Fasern, fair gehandelte Rohstoffe (Fair Trade Siegel), umwelt- und gesundheitsunbedenkliche Produktion (GOTS-Siegel) und faire Arbeitsbedingungen in der Konfektion (GOTS-Siegel, Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation). Doch wobei muss man achten, wenn man gute Milch, ungespritztes Obst und Gemüse und echtes Bio-Vollkornbrot kaufen will? Wie heißen die Siegel und wie verlässlich sind sie?

Zunächst einmal eine kleine Ernüchterung: Fair Trade ist nicht gleich Bio und Bio ist nicht gleich Fair Trade, das gilt vor allem bei Produkten aus Kakao, wie unsere heißgeliebte Schokolade. Auch Bio-Anbieter können nicht immer garantieren, dass der Rohstoff auch  fair gehandelt ist, was schmerzt, weil wir wissen, dass 97 Prozent des in Deutschland verbrauchten Kakaos aus Westafrika (Ghana, Burkina Faso, Elfenbeiküste etc.) kommt, wo auf den Kakaoplantagen schlechte Arbeitsbedingungen und auch Kinderarbeit keine Ausnahme sind.

Dann gibt es auch wieder ganzheitlich orientierte Bio-Hersteller, für die Fair Trade mit dazu gehört, weil – ähnlich wie bei hessnatur – ihr Anspruch ein ganzheitlicher ist. Das gilt für ganz „alte“ Bio-Lebensmittel-Produzenten wie Lebensbaum, Naturata oder Rapunzel, die teilweise – auch hier eine Parallele zu hessnatur – ihre eigenen Richtlinien und Zertifikate haben.

Nun zu den Siegeln:

Trans Fair: Dieses Siegel weist fairen Handel aus, beim BanaFair-Logo bezieht sich das ausschließlich auf Bananen.

Neuform: Dieses Logo findet sich auf Produkten aus Reformhäusern. Es garantiert ökologische Produkte, die frei von Gentechnik, radioaktiver Bestrahlung, synthetischen Zusatzstoffen und gehärteten Fetten sind.

Bioland: Das Logo des größten Anbauverbands in Deutschland gibt es seit 1971. 5220 Biobauern, Metzger, Milchverarbeiter, Bäcker und Mühlen haben sich hier zusammengeschlossen. Sie garantieren 100%ige Bio-Qualität durch Saatgut aus ökologischem Anbau. Tiere werden vom eigenen Hof gefüttert und ausschließlich naturheilkundlich behandelt. Der gesamte Betrieb muss den Richtlinien entsprechen. Der regionale Ansatz besagt unter anderem, dass Schlachthöfe in der Nähe genutzt werden. Verboten sind chemische Hilfsmittel und Nitritpökelsalz. Kontrolliert wird staatlich unabhängig.

Naturland: arbeitet seit 1982 international nach den Bioland-Richtlinien. Zu den über 46.000 Mitgliedern weltweit zählen auch Fischfarmen, Forstbetriebe, Imker, Brauer und sogar Textilhersteller. Seit 2005 werden auch soziale Kriterien und faire Handelspartnerschaften (Fairtrade) gepflegt. Das Institut für Marktökologie (IMO) mit Hauptsitz in der Schweiz kontrolliert die Qualität global.

Demeter: Den Demeter-Bund e. V. gibt es schon seit 1924. Das Siegel garantiert die Produktion von Nahrungsmitteln und die Haltung von Tieren nach den strengen Richtlinien nach Rudolf Steiner. Ihm gehören weltweit an die  3.500 Betriebe an. Alles, was beim Anbau verwendet wird, auch die Saat, muss dem eigenen Hof entspringen, der ausnahmslos anthroposophisch bearbeitet werden darf. Als Hilfsmittel sind ausschließlich Naturpräparate biologisch-dynamischer Herkunft erlaubt. Alle  künstlichen Hilfmittel, auch in der Weiterverarbeitung, sind verboten.

EU-Bio: Seit 2010 gibt es das Siegel der Europäischen Union. Das Siegel ist eine staatliche Garantie dafür, dass mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe der ausgezeichneten Produkte aus biologischem Anbau kommen. Sie dürfen zu höchstens 0,9 Prozent aus gentechnisch veränderten Stoffen bestehen.

Die Verbraucher-Lobby Foodwatch begrüßt zwar die Einführung eines staatlich garantierten Siegels für Bio-Qualität, kritisiert aber seine Intransparenz: „Worüber sich viele Verbraucher vielleicht nicht im Klaren sind, ist dass das EU-Bio-Siegel einige Aspekte außer Acht lässt. Bei einer Bio-Tomate aus Südspanien etwa: Weder spielt der Wasserbrauch noch der CO2-Ausstoß durch den Transportweg bei der Siegelvergabe eine Rolle“, sagt Andreas Winkler von Foodwatch.

Doch die Organisation mit Sitz in Berlin will sich sowieso nicht so sehr darauf festnageln lassen, die Qualität von Bio-Lebensmitteln zu bewachen, da sie da nicht ihren Hauptauftrag sieht: „Bio-Essen ist eine Nische mit nicht einmal fünf Prozent Marktanteil. Wir fragen uns, was mit den restlichen 95 Prozent ist. Wie können wir im Sinne der Verbraucher ehrliche und qualitativ hochwertige Lebensmittel erreichen – nicht nur bei den Bio-Produzenten sondern gerade bei den konventionellen Herstellern, die den viel größeren Marktanteil ausmachen. Das ist das entscheidende Problem“, so Winkler.

Was es mit der Gefahr von gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren in der Agrarindustrie auf sich hat, und wo die Parallelen zur Textilindustrie sind, erfahren Sie im nächsten Blogbeitrag.