Weltwirtschaftskrise und Fischmarkt

Quelle: heipri-Blog

 

Heute morgen habe ich die Zeitung verweigert. Ich habe sie einfach nicht aus dem Briefkasten geholt, ich ignoriere sie. Immerfort diese schlechten Nachrichten und die Gedanken, die ich danach in mir mit herumschleppe. Ist es nicht schlimm, wie die Opelmitarbeiter um den Erhalt ihres Unternehmens kämpfen? Es sind die Leute an der Basis, die ihre Ärmel hochkrempeln und auf die Straße gehen. Für ihre Zukunft, für ihre Familien. – Aber ist es ok, wenn der Staat da mit viel Geld hilft? Wieder ein Loch zu flicken? In mir rühren sich da mehr und mehr Zweifel, ob da nicht künstlich und mit letzter Kraft das Ende eines maroden Systems hinausgezögert wird.

Gestern abend fiel mir ein Buch in die Hände, das ich vor Jahren schon gelesen hatte. „Fish – ein ungewöhnliches Motivationsbuch“. Darin versucht eine Abteilungsleiterin ihrer verstaubten und in der Routine des Alltags erschlafften Abteilung neues Leben einzuhauchen. Und geht mit ihrem Team zum Fischmarkt! Vielleicht sollten wir mal die Manager dieser Welt auf den Fischmarkt schicken? Hier liegt es auf der Hand: die Fischverkäufer sind präsent und mit Spaß bei der Sache. Diese Energie ist spürbar. Ist die in den Augen der Menschen in unserem Alltag noch erkennbar? Wo ist die Motivation, der Antrieb, der Menschen zu Großem antreibt? Ist heute in unserer Wirtschaft eigentlich noch Motivation der Motor – oder ist es Gier?

Ich denke, ein Nachdenken und genaues Hinsehen und ein In-sich-selbst-hineinhören würde uns allen gut tun. Es ist nicht ein Obama allein, der die Welt retten kann. Nur, darin sind wir uns sicher alle einig, er hat es: er bringt Begeisterung mit, für seine Überzeugung zu kämpfen. Und diese positive Energie reicht für ein ganzes Volk! Er hat einen Funken entzündet in den Herzen der Menschen – damit ist Großes zu bewegen.

In einem Lied von den Söhnen Mannheims heißt es:
vielleicht hören sie nicht hin?
Vielleicht sehen sie nicht gut?
Vielleicht fehlt ihnen der Sinn?
vielleicht fehlt ihnen Mut.

Mut braucht es in der Tat, wenn sich eine Weggabelung auftut und eine Entscheidung für einen neuen Wege getroffen werden muss. Gleichzeitig braucht es aber auch den Willen,  Widerstand zu leisten gegen Konformität und Langeweile. Es sollte einfach einen Sinn haben, was wir tun. Heinz Hess, zum Beispiel, fand einen Sinn in seinem Tun, folgte sozusagen einer Berufung. – Gestern las ich in unserer Zeitung die Überschrift: “Es ist egal, was ich mache. Es ist wichtig, wie ich es mache.“ Egal ob Kassiererin, Fischverkäufer oder Manager! Vielleicht ist das der Schlüssel zu der Tür, die uns aus der Krise führt?!

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Kommentare
  • Nina Gronau ,

    Endlich hat mal jemand das ausgesprochen, was ich fat jeden Tag denke!
    Vielen herzlichen Dank dafür!!!
    Also, packen wir es an…
    LG, Nina

    PS: Da wir in Hamburg ja einen ziemlich bekannten Fischmarkt haben, nehme ich gerne Voranmeldungen an ;0)!

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  • Dagmar Reichardt (hessnatur) ,

    Hallo Nina,

    gute Idee, schick uns doch ein paar Fotos von den Fischverkäufern, das motiviert auch schon! Es ist die innere Haltung, die Veränderung auslöst.

    Antworten
  • Bettina Fornoff ,

    Hallo Dagmar,

    Du sprichst mir aus der Seele und hast das Problem dieser Megakrise auf den Punkt getroffen.
    Leider überwiegen immer noch Gier, Egoismus und abgebrühte Rücksichtslosigkeit in den meisten Manager-Etagen. Es fehlt an MUT, EINSATZ und VISIONEN!

    LG, Bettina

    Antworten
  • Tina Otte (hessnatur) ,

    Ein wirklich guter Beitrag, und ich möchte noch etwas hinzufügen:

    Denn was uns diese Krise, wegen ihrer globalen Auswirkungen, vor allem bewusst macht ist, dass wir alle nur ein kleiner Teil von einem großen Ganzen sind. Das bedeutet, wenn der Einzelne etwas bewegt, hat es Auswirkung auf das ganze System, dies im negativen Bereich aber glücklicherweise auch im Positiven.
    Ich verstehe diese Krise als einen Reinigungsprozess des gesamten Organismus: Entgiftung, Besinnung auf das Wesentliche, Regeneration und danach kommt der Wiederaufbau.
    Jeder einzelne Schritt ist für die Gesundung wichtig. Und wir sind Alle betroffen, haben aber auch Alle die große Chance zum Erfolg beizutragen. Denn wir erkennen, dass wir selbst die Verantwortung übernehmen müssen und sie nicht mehr nur Denen überlassen dürfen, die es zu diesem Kollaps gebracht haben.

    So schließe ich mich an: Nur Mut!!!

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  • Volkmar ,

    Hallo, Ihr Lieben,
    das, was ich über hessnatur und so manchen Mitarbeiter lese, macht mich richtig happy. Ich wollte es kaum glauben, dass man heute, in der heutigen Zeit, im heutigen Kapitalismus, noch solche Firma finden kann. Die Firma hessnatur zeigt mir, dass es noch verantwortungsvolle Persönlichkeiten gibt. (Fast hätte ich schon aufgehört, daran zu glauben.)
    Die Hoffnung begann wieder zu „keimen“, als Barac Obama zum Präsidenten der USA wurde. Er kann es, er will es und es geht! Die „Reinigung des Organismus“, wie Tina Otte schrieb, muss auch Auswirkungen auf unsere Gesellschafts-Strukturen haben. In einem Forum auf meiner Seite, (das leider kaum besucht wird und schon gar niemand etwas schreibt), hab ich einmal den Begriff der „Menschen-Gesellschaft“ gewählt.
    Es muss, es kann doch gar nicht anders sein, wir müssen uns überlegen, gemeinsam diskutieren und streiten, wie wir / unsere Kinder in einer künftigen Gesellschaft miteinander leben wollen. Den sozialen Aspekt in der Marktwirtschaft finde ich schon lange nicht mehr. Auch in den Medien wird die Finanzkrise als „Bankrott-Erklärung der Marktwirtschaft“ beschrieben. Es wird Zeit, dass wir uns Gedanken über eine neue, eine bessere Gesellschaftsform Gedanken machen.

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  • samuel ,

    Hallo,
    ja hessnatur ist echt etwas besonderes! – aber durch die Zugehörigkeit zu einem Konzern (ehemals Neckermann?) ist hessnatur ja doch leider sehr mit dem „klassischen“ Kapitalismus verbunden. Mich würde interessieren, wie die Mitarbeiter intern damit umgehen? Und was die Auswirkungen der Beteiligung sind?

    Antworten
  • Wolf Lüdge ,

    Hallo Samuel,

    Du hast Recht. Heinz Hess hat in 2000 das Unternehmen an Neckermann verkauft. Seit dem gehört hessnatur zu Arcandor, vormals KarstadtQuelle.

    Ich bin quasi mit dem Unternehmen eingekauft worden und seitdem als Geschäftsführer verantwortlich für hessnatur. Als Weggefährte von Heinz Hess kann ich nur sagen, dass in seinem Sinne die ökologische Optimierung der Produkte konsequent weiterverfolgt wird und auch mit dem Pilotprpjekt zur Zertifizierung der sozialen Produktionsgedingungen der hessnatur-Artikel ein neuer Meilenstein in der Textilindustrie gesetzt wurde (2004). D.h. die Wurzeln von hessnatur Ökologie und gesellschaftliche Verantwortung sind weiterhin vollstens intakt und tragen das Unternehmen.

    Für meine KollegInnen hat sich meines Erachtens durch die Zugehörigkeit zu einer größeren Gruppe weniger geändert als durch den Wechsel in der Geschäftsführung. Heinz Hess war ein sehr patriachaler Typ, der zugleich auch Eigentümer war. Seine Wurzeln waren in der Anthroposophie. Mein Zugang zur Marke hessnatur kommt über meine Naturverbundenheit und einer grundsätzlichen Haltung zur gesellschaftlicher Verantwortung.

    Zum Punkt „klassischer Kapitalismus“ ist zu sagen, dass die Verwendung der Gewinne abgestimmt werden muss mit dem Mutterunternehmen. So kann nicht alles komplett wieder einfließen in die Weiterentwicklung von hessntur und dem Initiieren neuer Ideen.

    Gruß und frohe Ostern Wolf Lüdge

    Antworten
  • Dagmar(hessnatur) ,

    Hallo Samuel,

    ich kenne hessnatur erst seit vier Jahren als Mitarbeiterin, kann mich aber meinem Chef nur anschließen. Ich könnte unter anderen Bedingungen kaum arbeiten und vor allem nicht überzeugt darüber schreiben.
    Es hat ja auch etwas Gutes, im bestehenden System neue Wege zu gehen und vielleicht auch mal den anderen aufzuzeigen, wie es auch gehen könnte. Ohne Ausbeutung und ohne menschliche Not zu fördern. Siehe Deutscher Nachhaltigkeitspreis: Da war hessnatur ein sehr kleines Unternehmen in der Liste der Ausgezeichneten. Das macht Mut, neue Wege zu finden und auch zu gehen.

    Antworten

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