Jeder kennt wahrscheinlich aus seiner Familie Rituale und Traditionen. Die ja mehr oder weniger beliebt sind.

Ich habe Rituale und Traditionen früher für mich immer als eine Art „Freiheitsberaubung“ betrachtet. Damals habe ich in einem Kindergarten ein Praktikum gemacht und mich immer sehr gewundert, warum die Erzieherinnen jedes Jahr das gleiche mit den Kindern machen. Die Jahreszeiten und die Feste. Das war`s. Ich- ganz neu im Geschäft mit vielen neuen Ideen, revolutionären Vorstellungen und Visionen – ich wollte andere Dinge bewegen. Mein Lieblingsthema war zum Beispiel „kompensatorische Spracherziehung“.

Was Rituale und Traditionen wirklich bedeuten, gerade im Bereich der Kindererziehung – habe ich eigentlich erst durch hessnatur und durch Heinz Hess erfahren. Hier bin ich mit der Anthroposophie in Berührung gekommen und habe dann verstanden, wie wichtig Rituale und Traditionen für Menschen sind und vor allem für Kinder oder auch für behinderte Menschen.

Eine schöne Tradition bei hessnatur ist unsere Weihnachtsfeier, die traditionell am Freitag vor der Weihnachtswoche stattfindet. Hier sind alle festangestellten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eingeladen. Normalerweise feiern wir dann mit  ca 180 bis 200 Personen ein schönes Fest bei dem es eine Reihe liebenswerter Traditionen gibt.

Wir treffen uns auf unserem Dorfplatz, das ist eigentlich ein Flur, von dem aus vier Gänge zu den Büros führen und wo man sich normalerweise immer trifft, wenn man im Haus unterwegs ist. Hier auf dem Dorfplatz geht dann das Geschnatter los, wir werden empfangen mit einem Aperitif und Gebäck. Die Tür zu unserer Cafeteria ist verhangen, niemand darf in den Raum, bevor nicht unsere Geschäftsführung ihn öffnet.

In unserer wunderschön weihnachtlich geschmückten Cafeteria gibt es dann ein 3-Gänge-Menü unterbrochen von einem kleinen ritualisierten Rahmenprogramm. Nach der meist kurzen Rede unserer Geschäftsführung und nach der Vorspeise singen wir gemeinsam ein paar Weihnachtslieder – begleitet von Rolf Heimann (Leiter Innovation und Ökologie) auf der Gitarre. Wir sind schon ganz schön stimmgewaltig geworden. Nach dem Hauptgang werden alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geehrt, die in diesem Jahr Jubiläen hatten: 50 Jubilare hatten wir in diesem Jahr. Geehrt wurden 5-, 10  und 15 Jahre Betriebszugehörigkeit. Wir lassen die Jubilare immer ziemlich hochleben.

Und nach dem Dessert gibt es seit einigen Jahren dann noch eine richtige Party bis zum Morgengrauen. So ist unsere Weihnachtsfeier eigentlich ein wenig zweigeteilt, in den ersten, eher besinnlichen Teil und danach das Feiern mit Musik und Tanz.

Um noch einmal auf die Traditionen zurückzukommen, alle Versuche den Ablauf komplett zu verändern, an einem anderen Ort zu feiern oder Entertainer zu buchen, sind bisher gescheitert.
Unsere Mitarbeiter wollen die Tradition beibehalten – aus welchen Gründen auch immer.