Dienstag Morgen, 9.30 Uhr im Frankfurter Römer. Ich als eine von vier Familienbeauftragten bei hessnatur checke ein zu einem Kongress, bei dem es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht. Wir beschäftigen uns an diesem Tag hauptsächlich mit dem Thema Familienunterstützende Dienstleistungen.

Es ist ein Thema, dem ich bisher noch nicht so viel Aufmerksamkeit gewidmet habe. Aber es ist ja nicht mehr zu übersehen, dass der Wettbewerb um gut qualifizierte Fachkräfte aufgrund der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahren alle Branchen und Regionen betreffen wird. Viele Arbeitgeber sind sich dieser Herausforderung bewusst und beginnen sich darüber Gedanken zu machen, welche Maßnahmen ihr Unternehmen attraktiv machen. Dazu gehören familienfreundliche Arbeitsbedingungen, die die Interessen des Unternehmens und die Lebenswünsche der Beschäftigten berücksichtigt. Das sind wichtige Voraussetzungen, um sich als interessanter Arbeitgeber am Markt zu positionieren und qualifizierte Fachkräfte an das Unternehmen zu binden.

Das Hauptproblem liegt in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wer die Verantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige trägt, kann sich ohne verlässliches Betreuungsangebot nicht ganz auf seine Arbeit konzentrieren. Untersuchungen haben ergeben, dass sich Arbeitnehmer mit dieser Verantwortung im Schnitt 26 Minuten pro Tag am Arbeitsplatz nur um die Organisation familieninterner Belange kümmern. Zusatzleistungen in diesen Bereichen spielen deshalb zunehmend eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für oder gegen einen zukünftigen Arbeitgeber.

Bisher werden Familienunterstützende Dienstleistungen als Luxus wahrgenommen. Es gibt sie zwar, aber entweder sie sind für Familien zu teuer oder sie werden in Schwarzarbeit erbracht. Dazu gehören nicht nur Betreuungsangebote, sondern auch Dienstleistungen aller Art wie Haushaltspflege oder auch Renovierungen.

Schaut man über unsere Grenzen hinweg, kann man erkennen, dass bereits einige unserer Nachbarn, wie Skandinavien, Belgien oder auch Frankreich, aktiv geworden sind. Werden Dienstleistungen in Deutschland zu 90 – 95% in Schwarzarbeit erbracht, sind es in Frankreich nur ca. 30%.

In diesen Ländern hat der Staat auf das anstehende Problem reagiert. Es gibt z.B. attraktive Steuersätze für die Inanspruchnahme von Familienunterstützenden Dienstleistungen. Aber auch Unternehmen können von ihnen erbrachte Zusatzleistungen in diesem Bereich steuerlich geltend machen.

Es gibt sicherlich noch eine Vielfalt von unerschlossenen Möglichkeiten, dass sich nicht nur die Bezieher von hohen Gehältern auf legalem Weg Unterstützung in allen Bereichen des täglichen Lebens leisten können. Wenn dann die Angebote für viele Menschen bezahlbar sind und es sich für die Dienstleister lohnt ihre Arbeit in ein sozialversicherungspflichtiges Verhältnis umzuwandeln, wird der Nutzen für unsere Volkswirtschaft immens sein.