Es sind die Frühlingsgefühle, die uns alle nach draußen treiben. Nicht die Lust am Rauchen. Nein, das ist Nebensache, ehrlich. Bei uns gehen die „Frischluft-Fans“ unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in eine Ecke neben dem Versandgebäude, mit einem Dach für die nicht so schönen Tage im Jahr. Mit Blick auf den herrlichen Garten rund um den Laden. Dort lassen sich auch Vögel nieder und lassen sich nicht an der einen oder anderen aufsteigenden grauen Wolke stören. In diesem Jahr brütet ein Amselpaar in einer Ecke unter dem Dach unseres Stehtreffs.

Als ich dort vor zwei Wochen auch mal stand, wollte ichs allerdings kaum glauben, auf welch schmalem Grad das Amselpärchen seine Arbeit aufnahm, um den Nachwuchs heranzuziehen. Die Ecke der T-Träger war einfach zu schmal, das Nest hatte schon so, nur im Eier-Brütstatus, schon gefährliche Schieflage. Ich hatte schon öfters Gelegenheit gehabt, Amselkinder groß werden zu sehen. Amseln sind nicht sehr wählerisch in ihrer Nestplatzsuche und platzieren sich gern auch mal in der Nähe von Fenstern, aus denen heraus sie vortrefflich zu beobachten sind. Bis die kleinen zwei bis drei Nesthocker ihr Nest verlassen, muss es die Fülle der Schreihälse gut aushalten können. Das schien mir mit dieser Nestkonstruktion, die ich da sah, unmöglich zu sein.

Jetzt haben wir ja viele echte Naturfans unter uns, auch eine engagierte Tierschützerin, die sich zwar auf Igel spezialisiert hat, aber sie schien mir jetzt für meine Idee genau die Richtige. Meine Frage ging also an sie: „Regine, wie kriegen wir das Nest abgestützt, ohne die Amseln zu verjagen?“

Mit Leiter, Schraubzwingen und einem zu einem Dreieck zugeschnittenen Layout-Karton ausgerüstet, machten wir uns dann morgens auf den Weg zu unserem Freiluftplätzchen. Die Sorge begleitete uns, was das Amselpärchen wohl zu unserer Idee sagen würde. Würden sie weiterbrüten? Oder die Störung zum Anlass nehmen, die Flucht zu ergreifen?

Wir beeilten uns. Innerhalb von wenigen Minuten war der feste Karton befestigt. Improvisiert, aber praktikabel – und vor allem: ohne viel Aufwand. Die Aktion hat sich bis jetzt gelohnt: Die Amselmutter war mittags schon wieder auf ihren Eiern, man konnte nur noch den Schwanz und den Schnabel in der nun dunklen Ecke erkennen, aber sie war da. Juhuuu. Und was soll ich sagen: Es zwitschert schon mehrstimmig aus dem Nest – die Jungen sind also geschlüpft. Emsig fliegen die Eltern Futter herbei, der Karton dient jetzt als Start- und Landerampe. Wenn Die Jungvögel flügge werden, können sie hier ihre erste Flugstunde gut vorbereiten. Rettung also fürs erste geglückt.

Meine Kollegin und gleichzeitige Jugend- und Auszubildendenvertreterin Katrin Backhaus möchte daraus ein Projekt für die Auszubildenden ableiten. Sie werden sich bis zum nächsten Frühjahr eine sinnvolle und haltbare Konstruktion für alle Ecken des Dachs überlegen und so für viele kommende Vogeleltern schöne Nistplätze bereiten.

Klasse, oder?!