Zum Weltwassertag 2013: Die größte Gefahr für die Qualität unseres Trinkwassers geht von einem unsichtbaren Übel aus. Das sind Chemikalien aus Industrie, Landwirtschaft und Medizin. Sie sind auch in geringen Konzentrationen wirksam und richten im Tierreich verheerende Schäden an.

Direkt neben meinem Haus fließt der Dorfbach vorbei. Mit diesem sind viele große und kleine Geschichten verbunden. Zum Beispiel ging von ihm im letzten Spätsommer ab und an ein Höllenlärm aus. Das hörte sich an, als würde eine ganze Horde kleiner Kinder mit Bobby Cars die Straße hinunter brettern. Nur dass dieses Geräusch vom Wasser her kam, unerklärlich. Bis ich eines Abends gerade über die Mauer hinunter auf den Bachlauf spähte und sah, wie ein Rehbock mit seiner Ricke im Affenzahn das Bachbett hochgaloppiert ist. Da hatten doch tatsächlich Herr und Frau Reh den Bach als Abkürzung durch das Dorf genommen.

Eine andere Geschichte, die weniger schön ist, war, dass wenige Wochen danach auf der Brücke ein Feuerwehrauto stand. Im Bach schwammen die Forellen bäuchlings an der Wasseroberfläche. Aus der Papierfabrik einige Orte den Bachlauf weiter hinauf gelegen, waren giftige Abwässer in unseren Bach gelaufen. Das war ein herber Schlag, denn der Ort ist stolz darauf, dass dieses Gewässer seit etwa 15 Jahren wieder Fische führt.

Schaumberge und Kloaken gibt es kaum noch

Doch das ist leider überhaupt keine Garantie mehr dafür, dass das Wasser unseres Baches auch wirklich sauber ist. Schaumberge auf Naturgewässern und stinkende Kloaken gehören längst der Vergangenheit an. So lernt man aus der Dokumentation „Risiko Trinkwasser“ in der Sendereihe planet e im ZDF. Die wahre Gefahr für die Gewässer geht längst von unsichtbaren Stoffen aus. Das sind Tonnen von Chemikalien, die wir in unserem Alltag bedenkenlos einsetzen. Ins Wasser gelangen sie durch Industrieabwässer, durch die Landwirtschaft und nicht zuletzt durch Medikamente, die wir einnehmen und auch wieder ausscheiden, oder einfach ohne nachzudenken im Klo entsorgen, wenn wir keine Verwendung mehr dafür haben.

Und von diesen Schadstoffen im Wasser sind es besonders die hormonaktiven Stoffe, von der Gefahren für Mensch und Tier ausgehen. Sie finden sich in PET-Flaschen, Pestiziden, Der BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hat bereits vor 13 Jahren eine vielbeachtete Studie zum Thema herausgegeben. Damals hieß es: „Obwohl nach Stoffen mit endokriner Wirkung noch nicht intensiv gesucht worden ist, sind bisher über 200 identifiziert worden. Wahrscheinlich wird sich die Anzahl erhöhen.“

Die Chemikalien führen auch schon in geringer Konzentration zu erheblichen Schäden bei Tieren in den Gewässern. Vor allem die unabsehbaren Wechselwirkungen der unterschiedlichen Schadstoffe sind gefährlich. Deformationen, Krankheiten, Sterblichkeit sind die Konsequenz. Hormonaktive Stoffe verändern die Geschlechterzusammensetzung und das Fruchtbarkeitsverhalten wilder Tierpopulationen – mir schaudert beim Gedanken an die armen Forellen im Bach vor meiner Haustür – . Und selbstverständlich machen diese Stoffe auch vor dem menschlichen Organismus nicht halt.

25 Prozent der Insektizide

Zu den beliebten Kleidungsfasern gehört die Baumwolle, 26 Millionen Tonnen werden davon jährlich angebaut. Doch leider gehört sie in der konventionellen Landwirtschaft zu den spritzintensivsten Pflanzen. 11 Prozent aller weltweit jährlich eingesetzten Pestizide und sogar ein Viertel aller Insektizide finden auf Baumwollfeldern ihren Einsatz. Von dort finden diese unerhörten Mengen an Gift leicht den Weg ins Grundwasser.

Diese Reportage im ZDF ist im Grunde so schrecklich, dass man sie kaum ertragen kann. Aber anschauen, sollten Sie sie trotzdem mal, zum Wachrütteln. Und danach schauen Sie sich doch einmal das etwas ältere Video an über das Bio-Baumwollprojekt von hessnatur und der Schweizer NGO Helvetas in Burkina Faso an. Die dort angebaute Baumwolle wird völlig natürlich gezogen, geerntet und verarbeitet. Am besten Sie gucken sich das noch heute an. Heute ist nämlich Weltwassertag. So ein T-Shirt aus reiner Bio-Baumwolle, das ist aktiver Trinkwasserschutz. Wir sind stolz darauf.