Reisebericht Peru, Teil 2
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In Peru werden die Berge seit Jahrtausenden als heilige Stätten verehrt. Auf den Gipfeln entspringen die lebenswichtigen Binnenflüsse und dort kann man, bei einer extremen Klimazonenstaffelung zwischen Küste und Hochtableaus, der „Wetterküche“ zuschauen. Auf den Höhen zwischen 4.000 und 5.000 Metern über dem Meeresspiegel ziehen Alpakaherden ihre Kreise. Mit dem Pick-up geht es von Arequipa über eine Serpentinenpiste in die Berge. Die kaum gesicherte und in der Regel unbeleuchtete Strecke ist rechts und links gesäumt von Müll, den Fahrer achtlos aus dem Fenster ihrer Laster werfen. Gleichzeitig erinnern am Straßenrand Kreuze in großer Zahl an kürzlich verunglückte Reisende. Den Besucher erwartet eine unwirtliche Gegend. Beim Durchqueren des Nationalreservats Salinas y Aguada Blanca sind in der Ferne einige der extrem seltenen Vicunas zu erspähen. Dabei handelt es sich um eine nicht domestizierte Kamelart. Schon in der Zeit der Inkas galt deren Wolle als „Vlies der Götter“ und durfte nur von Herrschern getragen werden.

hessnatur-peru-5Auf 4.000 Metern über Null besuchen wir die Farm Pacomarca, eine der Produktionsstätten, die für hessnatur Alpakas behütet. Die Farm hat sich der nachhaltigen Tierzucht verschrieben. Alle Mitarbeiter achten akribisch auf die fürsorgliche Behandlung der Tiere. Diese Philosophie bewährt sich schon aus eigenem Interesse, denn die hochwertigsten Fasern erzielen die besten Verkaufspreise. Einer der unternehmerischen Ziel der Farmbetreiber ist es, den Anteil der höchsten Alpakaqualität, des Royal Alpaka, weiter zu steigern. Morgens werden die Alpakas vollkommen frei auf die Bergwiesen geführt und abends wieder ins sichere Gehege geleitet.

Die Alpakas sollen sich auf ihrer Weide wohl fühlen und natürlich aufwachsen. Sie ernähren sich von den Sträuchern und Gräsern, die in der kargen Landschaft wachsen und gehen dabei schonend zu Werke. Anders als Schafe, die die Pflanzen mitsamt der Wurzeln aus dem Boden reißen und damit die Vegetation zerstören, halten sich die Alpakas nur an die oberirdisch wachsenden Zweige. Zweimal im Jahr werden die Tiere geschoren. Dieser Prozess wird mit wissenschaftlicher Akribie betrieben. Auf einer weichen Matte werden die Alpakas so in Position gebracht, dass geschickte „Friseure“ es mit dem Elektrorasierer schaffen, die Wolle an einem Stück von der Haut zu lösen. Das hat den Vorteil, dass die verschiedenen Faserqualitäten bei der Weiterverarbeitung sofort erkannt werden und nicht in einem Wollknäuel vermischt werden. Das erspart die aufwendige und arbeitsintensive Sortierung. Die hochwertigste, besonders weiche Alpakaqualität bedeckt den Bauchbereich der Tiere. Allein für die Reinigung der Fasern macht es einen großen Unterschied, ob die Alpakas 24 Stunden in der Ebene herumstreifen, oder im geordneten Umfeld der Farm betreut werden.

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Das über Jahre gewonnene Wissen zur Qualitätssteigerung wollen die Farmbetreiber an die autark wirtschaftenden Hirten weitergeben. Bauern werden geschult, die Tiere nicht nur einfach traditionell per Hand zu schweren und alle Wollqualitäten in einem wilden Knäuel weiterzuverkaufen. Doch obwohl sich etwas mehr Sorgfalt für die Bauern direkt auszahlen würde, lassen diese sich kaum überzeugen, neue Wege zu gehen. Insgesamt lassen sich qualifizierte Kräfte immer weniger bewegen, in der Abgeschiedenheit zu arbeiten. Oft sind es Studentinnen und Studenten, die neben der Universität oder im Rahmen eines Praktikums auf der Farm arbeiten.

Deshalb versuchen die Betreiber der Farm in einem sozialen Projekt die Lebensbedingungen der Hirten zu verbessern. Ein kleines Musterdorf mit festen Unterkünften, inklusive einer Küche, passiv geheizten Wohnräumen, sanitären Einrichtungen und einem angeschlossenen Gewächshaus soll die Attraktivität der Arbeit auf dem Hochplateau verbessern. hessnatur plant das Sozialprojekt im Jubiläumsjahr 2016 besonders zu fördern.

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