Und ich dachte, meine Augen wären grün

Am Wochenende habe ich einen Artikel gelesen, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht: „Zum Beispiel Konsum: Lohas werden die Welt nicht retten“. Wirklich lesenswert.

Blauäugig nannte Autor Klaus Werner-Lobo diejenigen Menschen, die glauben, dass sie über ihren Konsum die Ökonomie in Richtung ökologisch-korrekt steuern könnten. Dachte ich doch bis jetzt auch. Und mache schon den ein oder anderen Umweg, um an verlässlich bio-korrekte Lebensmittel zu kommen. Und was ich da ständig auch lese und mir meine Meinung bilde! Das ist schon ein Aufwand, ich gebe es ja zu. Der ist es aber auch wert, denn es geht nicht mehr so weiter! Die Natur braucht uns und die Bremse, die wir im konventionellen Konsumsumpf ziehen.

Herr Lobo, ich bin nicht Ihrer Meinung! Auch, wenn ich noch kein Hybridauto fahre und damit glauben könnte, ich sei ein Öko. Aber ich überlege ernsthaft, ob es noch mit meiner Einstellung vereinbar ist, einen Diesel zu fahren. Den habe ich erst vor zwei Jahren gekauft, da schien mir das noch korrekt. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Auto-Gas wäre sicher besser gewesen.

Ja, mein Motorrad hat sogar einen Katalysator und ansonsten moderne Technik. Also eigentlich ein guter Schlechtes-Gewissen-Beruhiger. Aber in der Freizeit mit einem Sprit verzehrenden Gefährt durch die Landschaft zu cruisen hat heute sicher auf keinen Fall mehr etwas von Öko 2.0. Was sagen denn da die Utopisten und LOHAS dazu? Im Grunde sind das super Bewegungen. So wie hessnatur. Den Weg
gehen, den das Gewissen vorgibt und nicht nur reiner Marketingstrategie folgen. Das ist es doch.

Zurück zur Fortbewegung – es gäbe ja auch super-tolle Fahrräder. Die keinen Sprit verbrauchen. Aber ob sie ökologisch unbedenklich und ohne Kinderarbeit hergestellt wurden? Hat sich die Fahrradindustrie darüber überhaupt schon einmal Gedanken gemacht? Gibt es das Öko-fair-gehandelte Fahrrad? Ich glaube, diesen Hightech-Markt hat die Ökowelle noch nicht erwischt. Da reicht es ja, dass mann/frau im Hightech-Faserdress dem Öko-Gedanken über die Mountains folgt.

Dabei werden dann meine Augen wieder ziemlich grün (und sie sind es wirklich), denn da wird deutlich: Es geht um Konsum. Egal, ob wir mit den neuesten Profilreifen die Wald-, Wiesen- und Feldflora und -Fauna durcheinander bringen auf unseren neuen Bikes – Hauptsache: wir machen Umsatz.

Und hier sieht Lobo den Konflikt: Es ist eben ein Privileg der Besserverdiener, sich Öko leisten zu können. Hybridantrieb ist keine Sache für die Kleinverdiener im Lande. Gebe ich zu. Es ist ja auch wirklich nur eine Möglichkeit, aber sicher nicht die Lösung des Transportproblems, oder?!

Wenn wir für unsere Handlungen wirklich Verantwortung übernehmen wollen, dann dürfen wir uns nicht nur, wie das die Werbeindustrie gerne hätte, als KonsumentInnen sehen. Wir müssen wieder Menschen – und aktive Mitglieder der Gesellschaft – werden.“, schreibt Lobo in seinem Artikel. Gut gesprochen! Und das ist, was wir auch bei hessnatur wollen: Aktive Menschen, die handeln. Sinnvoll, nachhaltig und rücksichtsvoll. Und vor allem selbstbestimmt.

Ps: Zu Fuß ist es übrigens im Wald am schönsten. Finde ich. Und das ist vor allem auch noch eins: einkommensunabhängig.

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Kommentare
  • satyasingh ,

    öko oder lohas sind nicht nur hybrid-autos. das ist ein wenig kurzgegriffen.

    ein gesamt-ökologischer lebensstil ist nicht wirklich teuerer als ein nicht-ökologischer. er ist anders. das beginnt im supermarkt-einkauf, wo halt mehr roh-nahrungsmittel statt fertigprodukte gekauft werden. zigaretten, alkohol und süsskram fallen weg. die schuhe und textilien sind hochwertiger und werden nicht jede saison nachgekauft. ich kenne zahlreiche leute, die wirklich unter dem bundesdeutschen durchschnitt verdienen und trotzdem ökologisch und nachhaltig leben.

    du hast es sehr schön beschrieben: dieser lebensstil kostet mehr: zeit. diese ressource zur ständigen infomation wird mehr beansprucht, als der geldbeutel. der stets so schnelle griff ins regal geht da schon schneller.

    Antworten
  • dagmar(hessnatur) ,

    Ja, da hast du recht, Öko ist mehr als Hybrid. das Thema ist ja auch so umfangreich, dass man immer nur durch ein kleines Fenster draufschauen kann. Dieses Bedürfnis nach mehr Hintergrundwissen und Zusammenhängen ist ja mehr als nur Konsumentscheidungshilfe. Es it persönliches Interesse. Der schnelle Griff ins Regal geht halt dann auch erst wieder, wenn ich meine Marken kenne und weiß, wie sie wirtschaften. Dann kann ich vertrauensvoll zugreifen. Das spielt sich alles ein.

    Aber klar wird dadurch schon: der ökologische Anspruch bringt einen neuen Informations- und Wissensdrang mit sich. Das unterscheidet dann auch Unternehmen, die den nachhaltigen Markt nicht erst seit es Mode geworden ist, bedienen von denen, die da noch schnell eine zusätzliche Zielgruppe „abgreifen“ wollen.

    Und was mich angeht: auf Süßes kann ich nicht wirklich verzichten, und Ökoweine schmecken richtig gut. 🙂

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  • Klaus Werner-Lobo ,

    ich hab mich auch mit keinem wort dagegen ausgesprochen, ökologisch und fair zu konsumieren. allerdings ist dein blogbeitrag (und auch der kommentar darunter) tatsächlich ein weiteres zeichen für die blauäugigkeit vieler lohas:
    – hast du allen ernstes vor 2 jahren noch geglaubt, diesel sei „korrekt“?
    – hast du schonmal die umweltbilanz deines autos/motorrades mit einem noch so „unfair“ gehandelten fahrrad verglichen (und ja, die fahrradindustrie hat sich darüber gedanken gemacht)
    – hast du schon mal gelesen, was über den hess-natur-eigentümer karstadt im „schwarzbuch markenfirmen“ steht, wohin also das geld geht, das eure konsumentInnen zahlen?
    und zum kommentar darunter: keine sorge, je weniger leute verdienen desto kleiner ist im schnitt auch ihr ökologischer fußabdruck, seien sie nun „lohas“ oder nicht.
    es geht nicht um euren lifestyle, es geht ganz pragmatisch ums ergebnis. und dafür brauchts ein bisschen weniger blauäugigkeit und selbstgefälligkeit.
    lg klaus

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  • Dagmar(hessnatur) ,

    Grundsätzlich ist es wohl eine Frage des Blickwinkels. Wenn ich meine Vorgängerfahrzeuge anschaue, ist mein Diesel jetzt schon ökologisch-politisch-korrekter. Natürlich noch nicht das non-plus-ultra, das habe ich hier ja auch zum Nachdenken gegeben. ich denke, jeder von uns Über-sein-konsumverhalten-nachdenkender geht den Weg step by step. Ich entscheide mich gerade schwer bei meinem Umzug, zu welchem Stromanbieter könnte ich nochmal wechseln, zu welchem Gasanbieter hege ich mehr Vertrauen. In Sachen öko UND auch in Sachen Machbarkeit. Denn wir müssen doch realistisch bleiben, es muss eben alles auch finanzierbar sein. Und greenpeace-Strom kostet mich fast doppelt so viel. Ist aber auch für mich der Vertrauenswerteste. Unbestritten.
    Also, worauf verzichte ich, wenn es mir greenpeace-Strom wert ist? Wahrscheinlich auf das Motorrad?! Das sind doch Gedanken, die ich mir sicher nicht alleine mache. Bin ich deshalb ein blauäugiger Lohas, wenn ich nicht jede dieser Entscheidungen klar und eindeutig treffen kann? Oder bin ich ein bewusst handelnder Mensch, der versucht, mit mehr und mehr Hintergrundinformationen sich durch den Dschungel an bio- und ökoLabels hindurchzufinden, um im Zweifel so konsequent wie möglich entscheiden zu können? Und dennoch auch immer gefangen in den eigenen Engpässen, Bedürfnissen und Vorlieben.

    Ich hatte Deinen Artikel auch so verstanden, dass Du diese Entscheidungsfinderei ein wenig belächelst. Natürlich ist es auch Marketing und Werbetext, der blendet. Auch diejenigen, die sich Lohas nennen, können mir doch nicht wirklich versichern, dass sie sich nicht auch durch schön getextete Nachhaltigkeit blenden lassen. Dafür sind wir doch Mensch – durch und durch.

    Zum Thema „Mutter“ von hessnatur: unsere KundInnen (da lege ich Wert drauf) unterstützen mit ihrem Kauf besonders den Erhalt eines mehr als 30jährigen Naturtextilienherstellers und -Versandes und zeigen mit ihrem Kauf, dass sie Wert legen auf reine giftfreie Kleidung und transparente Produktion. Wertschöpfung findet bei uns auch in Projektarbeit statt. In Nepal, Burkina Faso, in Bangladesh. Es sind sicher nur Tropfen auf den heißen Stein, aber war es nicht ein einziger Tropfen, der ein Fass zum Überlaufen brachte? Vielleicht ist es dieser eine Tropfen, der irgendwann das Fass voll Kinderarbeit, Giftzusätze in Textileinverarbeitung, der ungerechten Arbeitsbedingungen und des Lohn-Dumping zum überlaufen bringen könnte? Denn es heißt ja auch: Steter Tropfen höhlt den Stein.
    Und da sind wir uns sicher einig: weitermachen. Nicht aufhören. Jeden Tag ein bisschen besser (welcher Konzern war das noch? sicher auch einer von der schwarzbuchliste…)

    seuffz dagmar – immer noch grünäugig

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