Das Bild, das Regisseur Andrew Morgan vor drei Jahren auf der Titelseite seiner Zeitung sieht, lässt ihn nicht mehr los: Es zeigt zwei kleine Jungen. Sie stehen vor einer Wand mit Fotos von Arbeiterinnen, die unter den Trümmern einer eingestürzten Textilfabrik begraben liegen. Das Titelbild zeugt von der Tragödie am 24. April 2013 nahe der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka, wo beim Einsturz der maroden Rana Plaza mehr als 1.000 Menschen starben und über 2.000 bis heute an ihren Verletzungen leiden. Andrew Morgan machte aus dem Thema einen Dokumentarfilm. Er heißt The True Cost und erzählt die Geschichte der billigen Fast Fashion. Ein T-Shirt für 5 Euro, eine Hose für 10 Euro? Der Film zeigt, dass dies nur mit Ausbeutung und Umweltzerstörung möglich ist. Am Ende, so erzählt uns Andrew Morgan im Interview, kostet Fast Fashion den Planeten und vielen Menschen weitaus mehr, als auf dem Preisschild steht.

Abgründe der globalen Textilindustrie
Einen hohen Preis zahlen vor allem diejenigen, die die Billigmode herstellen. Andrew Morgan filmt in überhitzten Textilfabriken Asiens, wo Näherinnen teils 20 Stunden am Stück, ohne Arbeitsschutz und Rechte, für weniger als 3 Dollar am Tag schuften. Gleichzeitig blendet der Film Shoppingmeilen, Wühltisch-Konsumenten, riesige Werbedisplays mit Minipreisen und Models auf Laufstegen ein. Eine glänzende Gegenwelt, die uns vorgaukelt, alles sei in Ordnung. Dabei stinkt es bis zum Himmel, im buchstäblichen Sinne: In The True Cost sieht man schäumende Chemikalienabwässer, die Flüsse und Böden verseuchen, Arbeiter und Anwohner vergiften und Fehbildungen bei Neugeborenen verursachen. Morgan geht noch weiter zurück in die Produktionskette und zeigt die ökologischen Schattenseiten des konventionellen Baumwollanbaus. Zu Wort kommen auch kleine Baumwoll-Bauern, die abhängig sind von globalen Saatgutkonzernen und sich dabei so verschuldet haben, dass sie ihre Kinder nicht medizinisch behandeln lassen können und ihnen beim Sterben zusehen müssen. Es sind verstörende Bilder entlang der gesamten Textilkette, die uns von den Schicksalen anderer Menschen erzählen, von denen wir nur gefühlt längst wissen.

Milliarden umsetzen, aber keine Verantwortung tragen
Man fragt sich, weshalb die Mode-Industrie nicht fähig ist, ihre Arbeiter angemessen zu entlohnen. Warum ist sie nicht imstande, deren Sicherheit zu gewährleisten und ein Maß an Umweltschutz? Sie könnte es – wenn sie wollte. Was dagegen spricht ist für Morgan das System der Profitmaximierung. Die Hauptverantwortlichen: Das sind eine kleine Gruppe aus Markenkonzernen und Chefmanagern, Aktionären und Banken, die mit Mode Milliardengewinne machen und dafür alles andere ausblenden, inklusive ihrem Verantwortungsfühl. So weigerten sich zunächst viele der in Rana Plaza produzierenden Firmen vehement dagegen, für die Missstände, die zu dem Unglück führten, Verantwortung zu übernehmen und einen finanziellen Beitrag an die Betroffenen zu leisten.

Change! So geht es auch …
„Mein Gott, wir könnten es doch viel besser lösen, wenn wir wollen“ hört man jemanden im Film sagen. Ja, und wie! Eine Jeans für 10 Euro gibt es bei uns nicht, dafür aber entlang der Produktionskette menschen- und umweltgerechte Bedingungen. Das beginnt bereits auf den Feldern. Unser gesamtes Baumwollsortiment stammt aus kontrolliert biologischer Qualität. Das heißt: Beim Anbau der Baumwolle wird auf Pestizide, chemische Entlaubungsmittel und Monokulturen verzichtet, stattdessen wächst natürliches Saatgut auf gesunden Böden heran. Auch bei der Weiterverarbeitung der Rohfasern vermeiden wir Gifte und haben strenge ökologische Richtlinien, um deren Einhaltung sich eine eigens dafür verantwortliche Abteilung kümmert. Getreu unserem Motto „humanity in fashion“ sorgen wir natürlich auch für die Umsetzung und Einhaltung sozial gerechter Bedingungen im eigenen Unternehmen und in den Zuliefererbetrieben. Alles nur große Worte? Mitnichten! Durch unsere Mitgliedschaften im Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) und in der Fair Wear Foundation (FWF) erhaltet ihr eine von unabhängigen Stellen bestätigte Garantie über ökologische und sozial faire Bedingungen bei der Produktion unserer Textilien.

Fashion Revolution Day
Der Einsturz des Rana Plaza-Fabrikgebäudes, der sich am 24. April zum dritten Mal jährt, war für Fair-Trade Pionierin Carry Sommers der Auslöser, den Fashion Revolution Day ins Leben zu rufen. Er findet jährlich im April im Gedenken an die Katastrophe von Bangladesch statt. Unter dem Motto „Who Made My Clothes?“ beteiligten sich im letzten Jahr Menschen auf der ganzen Welt an dem Aktionstag, um daran zu erinnern, dass hinter jedem Kleidungsstück eine Geschichte, ein Mensch, ein Schicksal steht. Auch wir beteildigen uns in diesem Jahr wieder am Fashion Revolution Day. Am 24. April 2016 starten unter anderen unser  Gewinnspiel, bei dem jeder mitmachen kann.
Sei auch du dabei! Damit die Modewelt zu einer besseren wird.