Im Laufe unseres Aufenthaltes in Indien haben wir mehrere Konfektionsbetriebe, Färbereien und Webereien besuchen dürfen. In Neu Delhi selbst waren das Firmen, die unter anderem für US-amerikanische Marken produziert haben. In einigen dieser Betriebe mussten unzählige Näherinnen, zumindest nach meinem Empfinden, auf engstem Raum Akkordarbeit leisten. Gerüche von Färb- und Druckstoffen und die Hitze waren teilweise unerträglich, ein Duft von Chemikalien der chemischen Ausrüstung lag in der Luft. Das wäre in anderen Ländern unter dem Gesichtspunkt Arbeitssicherheit undenkbar.

Während eines Wochenendausflugs nach Jaipur haben wir zwei besondere Produktionsstätten besucht. Eine dieser Firmen färbt und bedruckt: Arbeiter stampfen bereits konfektionierte Ware in einem Mix aus Wasser, Farbe und Chemie mit ihren bloßen Beinen bei 30 Grad Außentemperatur. In diesem Arbeitsschritt wird der Farbstoff gleichzeitig auf die Fläche aufgetragen und fixiert. Danach werden die Stoffe auf einem Feld zum Trocknen ausgelegt. Kamele sorgen für den danach anstehenden Transport der Ware.

Die zweite Firma spezialisiert sich auf die manuelle Bedruckung von Textilien mittels so genannter „Blockprints“. Bei dieser Methode werden Schablonen in eine Farbe getränkt, das Muster wird mittels einer Gravur auf die textile Fläche übertragen. Jede Schablone kann mit einer Farbe versehen werden, mehrfarbige Muster müssen also in verschiedenen Schichten aufgetragen werden. Eine sehr aufwändige Arbeit, die gleichermaßen Geschick und Schnelligkeit erfordert. Dieses Verfahren wird auf bereits konfektionierter Ware und Meterware gleichermaßen angewendet.

Sehr beschäftigt hat mich ein Besuch in einer Weberei in der Nähe von Neu Delhi. Die Fabrik befindet sich in einem Hinterhof einer Wohngegend. Bevor wir die Fabrik betreten durften, mussten meine Kommilitonen und ich ca. 15 Minuten davor vor verschlossenen Türen warten. Nach der verstrichenen Zeit waren nur die Arbeitsräume und Webmaschinen mit halb fertiger Ware zu sehen, jedoch waren die Arbeiter verschwunden. Dieser Blick wurde uns verwährt. Wer genau in dieser Fabrik arbeitet, sollten wir offenbar nicht erfahren.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich sehr dankbar dafür bin, die Chance gehabt zu haben, Indien und seine Kultur kennenlernen zu dürfen. Ich wertschätze alltägliche Dinge mehr als zuvor. Für mich persönlich habe ich feststellen können, dass der berufliche Weg, den ich gehen möchte, der richtige ist. Die Konfrontation mit den indischen Arbeitsverhältnissen hat mir wiederum verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass  es Unternehmen wie hessnatur gibt. Denn soziale Standards und ökologisch unbedenkliche Textilien dienen sowohl dem Endverbraucher als auch den Arbeitern in den Produktionsstätten.