Die Internationale Kunsthochschule für Mode ESMOD in Berlin hat den Studiengang „Sustainability in Fashion“ ins Leben gerufen. hessnatur unterstützt den einjährigen Masterkurs mit der Entsendung einer Lehrkraft und der Vergabe eines Vollstipendiums an Anna Johannsen, die hier im hessnatur-Blog von ihren Erfahrungen berichtet. Heute schreibt Anna über die Exkursion nach Kopenhagen zum Fashion Summit 2012:

„Im Mai traf sich ein großer Teil der Modeszene in Dänemarks Hauptstadt auf dem Kopenhagen Fashion Summit 2012. Dieser weltweit größte Kongress zum Thema Nachhaltigkeit und CSR in der Modeindustrie dauerte zwei Tage. Organisiert von NICE (Nordic Initiative Clean and Ethical) und BSR (The Business for a Better World) waren Unternehmensvertreter, Experten, Politiker, NGO’s und Manager aus den Bereichen Umwelt, CSR und Mode eingeladen.

Am ersten Tag fanden sich die Studenten von zehn internationalen Modeschulen zum so genannten „Youth Summit“ zusammen, um innovative Lösungsansätze im Hinblick auf nachhaltigen Konsum zu entwickeln. ”You are the future and the hope of this industry“, rief uns Eva Kruse vom dänischen Mode Institut in ihrer Eröffnungsrede zu. Den Vormittag verbrachten wir damit, unsere Konsumentenbefragung in Themen zu clustern. Die Befragung hatten wir in den Wochen zuvor individuell durchgeführt und analysiert. Ähnlich wie das Fazit aus dem Pop Up Shop stand das Design auch hier klar vor dem ökologischen Aspekt der Kleidung. Weitere Erkenntnisse unserer Befragung: ein allgemeiner „Überkonsum“ und Un- bzw. Nicht-Wissen zum Thema Nachhaltigkeit. Eine Ursache dafür könnte die fehlende Verbindung zwischen Produzent und Konsument sein. Deshalb war einer unserer Lösungsansätze die Entwicklung eines Labels, das neben der Materialzusammensetzung und des Produktionslandes auch die Anzahl der Fertigungskosten beinhaltet, um den Wert des Kleidungsstückes aufzuzeigen.

Nach einem wunderbaren vegetarischen Buffet mit Holzbesteck und Tellern aus Bananenblättern (bei denen ich mich fragte, ob Metallbesteck und Keramikgeschirr nicht eine bessere Ökobilanz als diese „natürliche Wegwerf-Variante“ hätten :-) ), folgte der zweite Workshop. Wir diskutierten in Gruppen jeweils ein Thema der so genannten „7 C’s“: Consumer solutions, Cost, Communications, Convenience, Consultation, Civil society, Coolness (zu deutsch: Lösungsansätze zum Konsum, Kosten, Kommunikation, Bequemlichkeit, Beratung, Zivilgesellschaft und „Coolness“). Ich habe mit elf weiteren Studenten über das Thema „Convenience“ diskutiert: Müssen Nachhaltigkeit und ökologisches Konsumieren einfach und bequem sein? Wird dadurch nicht der Massenmarkt weiter bestärkt? Wäre es besser, den Konsumenten durch Transparenz aufzuklären und ihn zu bewusstem, qualitativen Kaufentscheidungen zu „erziehen“? Wir waren uns nicht einig. Der meist zitierte Satz des Nachmittags stammte von meiner Kommilitonin und zielt auf die gute Verfügbarkeit von sozialer und ökologischer Kleidung an: „Sustainable Fashion should be as easy as Starbucks.“

Zeitgleich haben sich rund 100 Vordenker der Industrie zusammengefunden – darunter Klein-, Mittel- und Großunternehmen im Massenmarkt und Luxussegment, NGOs, EU- Politiker und Experten -, um über neue Geschäftsmodelle zu diskutieren, die der wachsenden Herausforderung im Hinblick auf Umweltschutz und unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden.

Am zweiten Tag des Fashion Summits haben wir uns alle in der wunderschönen Oper von Kopenhagen getroffen – erwartet hat uns ein spannendes Programm mit interessanten Reden, Diskussionen und eine Modenschau über, mit und für die Stärkung des Konsumentenbewusstseins im Hinblick auf ökologische und soziale Folgen. Die Bandbreite reichte dabei von Greenpeace bis hin zu Gucci und H&M. Besonders zu empfehlen von meiner Seite ist die sagenhafte Präsentation von Rick Ridgeway, dem Vize-Präsident für Umwelt-Initiativen bei Patagonia. Alle Reden könnt ihr euch hier als Video ansehen.

Besonders gefallen hat mir die Tatsache, dass der Fashion Summit eine Plattform geschaffen hat, auf der kommerzielle Modeunternehmen im Dialog mit Nicht-Regierungsorganisationen und den Regierungen stehen. Während der ganzen Zeit war eine tolle positive Energie zu spüren, die hoffentlich noch lange anhält, so dass die Industrie langsam aber sicher in Richtung Nachhaltigkeit steuert. Denn wir alle waren uns mit Søren Petersen von der UN einig: „There is no alternative!“