Gestern Abend zu später Stunde habe ich im Ersten die Reportage „Markt oder Moral: Deutsche Unternehmen auf dem Prüfstand“ von Christian Jentzsch gesehen. In der ARD-Mediathek habe ich den Film online nicht gefunden, er wird aber in den kommenden Tagen mehrmals auf Eins Extra wiederholt (die Sendetermine gibt’s am Ende des Beitrags) – sehr empfehlenswert, unbedingt anschauen!

Nachhaltiges Wirtschaften „mit Moral“, bei dem Umweltschutz und Soziales berücksichtigt werden, bestimmt leider noch nicht die Agenda – und während in Europa strengere Gesetze und Umweltauflagen gelten, nutzen viele international tätige Konzerne mit Milliardengewinn den oftmals niedrigeren Rechtsstandard in Entwicklungsländern.

Der Film bringt schockierende Beispiele: In Brasilien betreibt ein deutscher Konzern ein Stahlproduktionswerk, das viele CO2-Gase ausstößt – die Anwohner klagen über Atemwegserkrankungen und Hautallergien, die ansässigen Fischer beschweren sich über die Verseuchung des Meeres. Fischer Francisco erzählt: „Gift ist im Wasser aufgewirbelt worden, jetzt sind die Netze leer“. Das Paradoxe an der Sache: Die Fischer wollen klagen, allerdings ist eine Klage in Deutschland bislang rechtlich nicht möglich. Und die nationalen Gerichte in Brasilien sagen kurzerhand, dass sie dafür nicht zuständig seien.

Auch die Sprecherin der Organisation Germanwatch, Johanna Kusch, kommt zu Wort. Sie fordert neue und vor allen Dinge faire Regeln für den globalen Wettbewerb und sieht bei – in der PR gerne genutzten – Begrifflichkeiten wie „Social Sponsering“ und „Corporate Social Responsibility“ oft nur Imagepflege und Greenwashing.

Auch die EU-Kommission hat inzwischen neue Richtlinien zur Transparenz der ökologischen und sozialen Produktionsbedingungen vorgelegt. Die Verbraucher sollen nachprüfen können, ob ihre Produkte fair und umweltschonend hergestellt werden. Ein solches Konzept ist auf der anderen Seite des Marktes nicht unbedingt gewünscht – die europäische Wirtschaftslobby ist gegen neue, verpflichtende Regeln,auch die deutsche Bundesregierung blockiert bislang den Vorstoß.

Die Sendetermine auf Eins Extra sind:

Donnerstag, 19. April um 7.30 Uhr
Sonntag, 22. April um 0.20 Uhr
Sonntag, 29. April um 3.15 Uhr
Dienstag, 1. Mai um 10.00 Uhr