Letzte Woche stand ich in der Sportabteilung im Kaufhaus, genauer gesagt vor den Regalen der Funktionsbekleidung, auf der Suche nach einem Shirt für meinen Freund. Nett soll´s aussehen und seinem Name alle Ehre machen, sprich funktionell sein. Schließlich soll er es bequem haben, wenn er seinen Körper beim Laufen für mich stählt :-)

Die Auswahl war riesig, der Frust auch, weil mir kein Modell so recht gefallen wollte. Ein kurzes in mich gehen und die Diagnose war gestellt: Nicht etwa eine mangelnde Auswahl war der Grund für mein Zögern, viel mehr die Abneigung gegen das „Produkt“ an sich.

Da half auch die Überlegung nicht, dass Experten heute Funktionsshirts eine halbwegs anständige Ökobilanz zugestehen. Das Material, obwohl weich und fließend, bereitet mir einfach wegen des „Plastikfaktors“ generell Unbehagen.

Nachdem ich für diesen erfolglosen Kaufhausbesuch eine Stunde meiner Zeit verschwendet hatte, stand für mich fest: Mein Freund bekommt eines unserer Shirts aus Schurwolle und basta. Nicht, dass mir der Gedanke nicht schon früher gekommen wäre…aber das Wissen darum, dass meine Idee vom wolligen Sportshirt bei ihm mit 99%iger Wahrscheinlichkeit auf enormen Widerstand stoßen würde, hatte mich ins Kaufhaus geführt.

Wolle tragen beim Sport klingt auch gewöhnungsbedürftig, zumal das bei vielen spontan einen imaginären Juckreiz auslöst. So ging es mir jedenfalls, bevor mir ein Artikel in der Süddeutschen über einen gewissen Herfried Pessenhofer den Gedanken nahe brachte. Der besagte Professor der Uni Graz hat in  einer wissenschaftlichen Studie herausgefunden, dass Sportler in Schurwollwäsche leistungsfähiger sind als jene, die Kleidung aus Polypropylen (Kunstfasern) tragen. Weil Wolle wie ein Wasserpuffer reagiert, wird der Körper permanent gekühlt und weiteres Nachschwitzen reduziert. Das schont die Kräfte, während man in Synthetikkleidung, in der der Schweiß sofort nach außen transportiert wird und verdunstet, ständig nachschwitzt.

Das war jetzt meine laienhafte Zusammenfassung der Forschungsergebnisse. Wer mehr darüber wissen will, kann noch mal direkt in der „Fahrradstudie“ nachlesen. Damit aber noch nicht genug. Wer schon mal ein Synthetikshirt nassgeschwitzt hat, der ahnt, worauf ich hinaus will. Der Geruch ist alles andere als angenehm, gleiches gilt für das Hautgefühl. Schurwolle dagegen reguliert das Körperklima, kann bis zu 30% ihres Eigengewichts an Schweiß aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen und absorbiert Gerüche.

Mein Freund trägt trotzdem immer noch kein Woll-Shirt. Denn leider musste ich nach einem Blick in unseren Katalog feststellen, dass wir in der Herbst/Winter-Saison überhaupt keine Männer-Unterwäsche mehr aus Schurwolle angeboten haben. Warum nur wir Frauen bei hessnatur in den Genuss gekommen sind ist aber wieder eine andere Frage, die ich mit unseren Einkäufern diskutieren werde.