Gestern wurde die Schuldokumenta Butzbach offiziell eröffnet. Eine von hessnatur geförderte Wanderausstellung, in der Schülerinnen und Schüler der Butzbacher Schulen ihre Bilder und Skulpturen der Öffentlichkeit zugänglich machen und in diversen Workshops ihre künstlerischen Talente weiterbilden können. Meine Erwartungen im Hinblick auf die ausgestellten Kunstwerke waren ehrlich gesagt ziemlich bescheiden. Wenn Fünft- bis Zehnt-Klässler malen, dachte ich, erwartet einen eine Welt aus Strichmännchen und bunten Regenbogenfarben. Da jedenfalls lagen damals als Kind meine Stärken. Aber weit gefehlt!

Beeindruckend, erstaunlich, kreativ und innovativ – so kann ich das Gesehene beschreiben. Egal ob Pop-Art-Gemälde à la Andy Warhol oder textiler Wandteppich, ob Drahtskulptur, schillerndes Mobile oder Kunstwerke der etwas skurileren Art, jedes Ausstellungsstück zeugt von Talent, Kreativität und vom Spaß des Künstlers an der Sache. Was Schüler und Lehrer hier auf die Beine gestellt haben – Respekt! Von wegen Null-Bock-Generation, der lebende Gegenbeweis hängt in Butzbach an der Wand.

Umso trauriger hingegen die Räumlichkeiten der Eröffnungsfeier. Die hätten unpassender nicht sein können. Jeder weiß ja, die Kassen der Gemeinden sind leer und das Geld für die schönen Künste ist sowieso knapp bemessen, aber so was muss trotzdem nicht sein.

Umzingelt von weißen Kacheln und altersschwachen weißen Plastikstühlen (von denen auch prompt einer unter dem leichten Gewicht einer Besucherin zusammenbrach) wähnte man sich eher beim Arzt als zu Gast bei einer Vernissage. Mangels freier Sicht auf die Bühne wollte sich bei mir auch keine „Besserung“ einstellen. Und obwohl ich bekennender Fan klassischer Musik bin, hat mich das vorgetragene Musikstück das Fürchten gelehrt. Meine Güte, liebe Musiklehrer, das war keine Beerdigung, sondern ein Fest für junge Menschen. Heiter und melodisch hätte besser gepasst …

Gut, aber lassen wir das mal außer Acht und berücksichtigen noch, dass die gehaltenen Reden Tiefgang und Niveau besaßen – von daher würde ich sagen: Prädikat „äußerst wertvoll“. Wer in der Nähe von Butzbach wohnt, sollte die Schuldokumenta nicht verpassen – der Name hält, was er verspricht!