prozessablauf

Drei Jahre nach der Grundauditierung Beruf und Familie haben wir noch kurz vor Jahresende das Verfahren der Re-Auditierung der Hertie-Stiftung erfolgreich durchlaufen. Vor zehn Jahren wurde die Qualitätsoffensive Beruf und Familie von der gemeinnützigen Stiftung initiiert, mit dem Ziel, Unternehmen bei einer familienbewussten Personalpolitik zu unterstützen. Das Audit ist als kontinuierlicher Prozess angelegt, ermittelt Potenziale im Unternehmen und erarbeitet mit dem Unternehmen spezifische Lösungen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Re-Auditierung heißt, dass die Stiftung bei uns überprüft hat, wie erfolgreich wir die vor drei Jahren aufgestellten Ziele und Maßnahmen im Unternehmen umgesetzt haben. Bei der Re-Auditierung werden zusätzlich für die nächsten drei Jahre neue Ziele und Maßnahmen festgelegt, über die jährlich Bericht erstattet wird.

Seit Beginn des Projektes bin ich in der Projektgruppe und konnte mir vor drei Jahren gar nicht vorstellen, wie wir die Vielzahl der Maßnahmen überhaupt umsetzen, geschweige denn, nach dieser Umsetzung noch weitere Ziele und Möglichkeiten erarbeiten sollen. Die acht Handlungsfelder des Audits waren prall gefüllt mit hohen Zielen. Aber Fakt ist, dass wir in den drei Jahren, angefangen von kleineren Aktionen wie Informationsplattform im Intranet bis über Vertrauensarbeitszeit, alternierende Telearbeitszeit und Gesundheitsmanagement eine Vielzahl von Aufgaben erledigt  und ein breites Spektrum von Angeboten entwickelt haben.

Zwei Punkte finde ich besonders wichtig bei diesem Audit. Der eine Punkt ist, dass dieser Prozess ein Geben und Nehmen ist. Es gibt viele Möglichkeiten, die die MitarbeiterInnen in Anspruch nehmen können, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern (sogar unsere VHS-Kurse zur persönlichen Weiterbildung werden finanziert), aber die notwendigen Belange des Unternehmens müssen bei all dem natürlich auch berücksichtigt werden und da gibt es logischerweise Grenzen. Der zweite wichtige Punkt ist, dass unsere Führungskräfte für das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie entsprechend sensibilisiert werden, so dass die MitarbeiterInnen die Möglichkeiten, die das Unternehmen anbietet, auch optimal nutzen können. 

Die Durchdringung des Themas in alle Führungsebenen, aber auch weitere Ziele wie u.a. die Optimierung der Urlaubsplanung, verstärkte Nutzung des Zertifikats in der Öffentlichkeit sowie spezielle Wiedereinstiegsprogramme für Eltern und Langzeitkranke werden die Schwerpunkte für die nächsten  Jahre sein.

Was ich während des Prozesses immer wieder spannend fand, war die Auseinandersetzung über die Definition des Familienbegriffs von hessnatur. Bei unserer Definition geht es nicht nur um die Kernfamilie, sondern um Partnerschaften generell, d.h. alle Formen des auf Dauer angelegten privaten Zusammenlebens, das sich durch die Wahrnehmung von Verantwortung füreinander auszeichnet. Das ist meiner Meinung nach ein sehr umfassender Begriff der Familie und die Mitverantwortung des Unternehmens hört nicht auf wenn die Kinder groß sind, sondern bezieht auch ein, dass man sich z.B. vielleicht einmal leichter um seine pflegebedürftigen Eltern kümmern kann. Ich kann als eine unserer vier Familienbeauftragten die Entwicklung des Unternehmens in diesem Sinn mit unterstützen und gut verfolgen. Ich bin gespannt.