Rush hour in New York, das Taxi schlängelt sich im Schneckentempo durch die Blechlawine auf der 5th Avenue, im Auto flimmert ein Beitrag zur Fashion Week nach dem anderen über den Bildschirm – einem Event, das man in einer Millionenmetropole wie New York mehr erahnet als dass man es sieht.

Das sollte sich heute ändern – jedenfalls für mich. Ich bin auf dem Weg zur Herbst/Winter-Show von Miguel Adrover, mit der er seine Rückkehr in der Stadt feiern möchte, in der seine Karriere in den 1990ern begann. Der Fahrer hält vor einem runtergekommenen Gebäude in Soho, dem Teatro Lateo, dessen Inneres wesentlich mehr hält, als das Äußere verspricht: Ein Ort mit Atmosphäre und Charakter. Im Backstage-Bereich herrscht hektische Betriebsamkeit, Miguel huscht an mir vorbei, gut gelaunt, aber mindestens eine Kleidergröße leichter als bei unserem letzten Treffen.

Nur noch fünf Minuten, dann soll die Show beginnen. Eine weitere Stunde vergeht, bis alle wichtigen Redakteure – von der New York Times, über die Herald Tribune, bis hin zur Elle und Vogue, ihre Plätze eingenommen haben. Das Licht geht aus, Indianergesang setzt ein und was jetzt kommt, ist unerwartet: Modelle vergangener Zeit, aus Miguels Kollektionen vor und während seiner hessnatur-Zeit. Er hat sie neu kombiniert, sie gewickelt, gerafft und drapiert, so dass etwas völlig Neues entstanden ist – ein Art modische Metamorphose. Recycling völlig neu definiert, aber schaut am besten selbst: Fotos gibts bei Flickr und bei Youtube ein Video dazu!