Dass Plastik ein Problem ist, ist bekannt. Weniger bekannt ist Susan Rößner, die in ihrem Online-Shop monomeer plastikfreie Alternativen für alltägliche Produkte bietet. Wir stellen sie vor.

Was macht Ihr in Eurem Alltag um Euren Plastikverbrauch zu reduzieren? Damit Ihr auch selbst mal in die Fußstapfen von Susan treten könnt, verlosen wir auf Facebook ein „Rundum Sorglos“-Starterpaket, mit dem ihr im Nu mit den wichtigsten Dingen ausgestattet seid, die man so braucht, um den eigenen Plastikkonsum zu verringern. Schaut vorbei!

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Jeder kennt die Fotos der toten Fische und Seevögel, verendet mit einem Magen voller Plastikteilchen. Doch das Problem lässt sich nicht weit weg an die Küsten dieser Welt schieben: Forscher haben längst bestätigt, dass bei uns allen, bis auf sehr seltene Ausnahmen, Plastik durchs Blut fließt.

Da es Jahrhunderte braucht, um sich zu zersetzen, gleichzeitig jedoch immer mehr davon produziert wird, stellt Plastik ein massives Umweltproblem dar. Entgegensteuern können wir dem mit den drei klassichen Ansätzen ökologisch verantwortlichen Handelns: reduce, reuse, recycle.

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Am wichtigsten ist ganz klar reduce, also der Verzicht auf neues Plastik. Susan Rößner erleichtert uns das Leben ohne PET, PVC und Co.: In ihrem Online-Shop bietet sie echte Alternativen für Plastik im Haushalt. Man findet nicht nur ein Starter-Kit, in ihrem Blog gibt Susan auch ehrliche Einblicke in ihren Alltag und an welcher Stelle sie reuse, also die Wiederverwendung vorhandener Produkte, für vertretbar hält.

Selbstverständlich machen wir uns auch bei hessnatur Gedanken, was wir dem Problem entgegensetzen können. Eine Idee ist unsere Daunenjacke, deren Oberstoff wir aus recycelten PET-Flaschen fertigen. So leisten wir einen kleinen Beitrag, um die Müllbelastung in der Umwelt zu verringern, und schaffen gleichzeitig eine Jacke fürs Leben. Des Weiteren folgen wir bei hessnatur der Vorgabe so ressourcenschonend wie möglich zu arbeiten. So gibt es bei uns Zero Waste Kleidungsstücke, die so geschnitten sind, so dass kein Stoffabfall anfällt.

Weil wir ungern alles schwarz malen, hier noch eine gute Nachricht: Forscher haben ein Bakterium entdeckt, das den Kunststoff PET komplett zersetzen kann. Bis das in großem Stil geschieht, sollten wir jedoch alle darauf achten, weniger Plastik zu konsumieren. Zum Einstieg ein Gespräch über den Stoff, der uns ständig umgibt, und die Kunst von ihm loszukommen.

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Wie kamst auf die Idee von monomeer?
Als ich 2013 angefangen habe auf Plastik zu verzichten musste ich schnell feststellen wie schwierig es ist, Produkte zu finden, die ganz ohne hergestellt und verpackt werden. Wo bekommt man solche Produkte? Ist ihr Material eine echte Alternative? Und wurden sie unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt? Diese Rechercheleistung nimmt monomeer den Kunden ab. So können sie ihre wichtigsten Alltagsprobleme eines plastikfreien Lebens lösen.

Gab es einen Schlüsselmoment, der Auslöser für deinen Plastikverzicht war?
In manchen Bereichen wie zum Beispiel Kosmetik habe ich schon länger darauf geachtet. Einfach wegen des Ekels, sich Erdöl ins Gesicht zu schmieren. Sonst habe ich kaum Gedanken an Plastik verschwendet. Dann sah ich den Film Plastic Planet von Werner Boote, in dem sehr drastisch erklärt wird, welche Konsequenzen unser Plastikkonsum auf die Umwelt und auf unsere Gesundheit hat. Sofort fing ich an, mich mit dem Thema zu beschäftigen.

Es gibt zu viel Plastik. Punkt. Aber was sind deine persönlichen Gründe darauf zu verzichten?
Bei mir steht ganz klar der Umweltschutz im Vordergrund. Kunststoff wird aus Rohstoffen hergestellt, die zum einen endlich sind, die aber teilweise auch in politisch und sozial instabilen Regionen gefördert werden. Überspitzt kann man sagen, es werden Kriege geführt, damit wir unsere Tomaten in einer Plastikschale nach Hause tragen können. Das ist doch verrückt. Außerdem belegen mehrere Studien die östrogene Wirkung von Bisphenol A oder Phthalate, die als Weichmacher in Kunststoffen verwendet werden. Das heißt sie können durch Veränderung des Hormonsystems die Gesundheit schädigen und sogar zu Krebs führen. Zudem verrottet Plastik nicht. Es zerfällt bloß in immer kleinere Teile und sammelt sich so in der Umwelt an. Mich erschreckt der Gedanke, dass alles, was je produziert wurde, immer noch irgendwo zu finden ist. Und natürlich, dass es immer mehr wird. In den Weltmeeren schwimmt in manchen Gegenden schon heute mehr Plastik als Plankton.

Wie stehst du zu Bioplastik?
Da bin ich skeptisch. Zum einen, weil der Begriff nicht sauber definiert ist: Es gibt Biokunststoffe, die angeblich komplett biologisch abbaubar sind und Biokunststoffe, die lediglich auf nachwachsenden Rohstoffen basieren, sich aber überhaupt nicht biologisch abbauen lassen. Hier ist nur noch der Ursprung Bio und es schafft im Endeffekt die gleichen Probleme wie herkömmlicher Kunststoff.
Außerdem hat Bioplastik in Deutschland noch nicht die kritische Masse erreicht, um sinnvoll recycelt werden zu können. Die Leute werfen es meistens in den ganz normalen Gelben Sack, wo es mit herkömmlichem Kunststoff vermischt wird – so bleibt der Recycling-Effekt aus.
Hinzu kommt, dass für das Bioplastik, das auf nachwachsenden Rohstoffen wie zum Beispiel Mais basiert, Anbauflächen verwendet werden, die potenziell auch für Lebensmittel verwendet werden könnten. Diese Pflanzen müssen dann noch gegossen und gedüngt werden. Auch hier ist für mich der Sinn verfehlt.

Welche Rolle spielen der Gelbe Sack oder die Gelbe Tonne?
Viele denken, alles, was dort landet, wird automatisch recycelt. Aber nicht mal die Hälfte dieses Abfalls wird wirklich wiederverwertet, das meiste wird verbrannt. Um Plastik sinnvoll zu recyceln, müsste es sortenrein gesammelt werden. Doch es gibt hunderte Kunststoffmischungen, sie sich nicht immer so leicht durch chemische Verfahren trennen lassen.

Plastik verführt uns überall. Was rätst du Einsteigern, die ihren Kunststoffkonsum verringern möchten?
Ganz klar: Seife statt Duschgel. Es gibt so schöne Seifen, die gut riechen und eine hervorragende Reinigungswirkung haben. Oft haben sie auch viel weniger Inhaltsstoffe als Duschgele. Außerdem läuft Seife im Koffer nicht aus.
Auch einfach: Milchprodukte aus dem Pfandglas. Klar ist es etwas schwerer als Plastik und man muss es zurück in den Supermarkt bringen, aber sonst hat man keine Einbußen – im Gegenteil, geschmacklich gewinnt man dazu. Außerdem unterstützt man häufig die Bauern der Region, da diese Produkte eher aus der Umgebung kommen.
Von heute auf morgen jeglichen Kunststoff zu verbannen ist ein riesiger Schritt – und gar nicht nötig. Ich halte es für sinnvoll, zunächst einfach darauf zu achten kein neues Plastik ins Haus zu holen. Selbst wenn man nur mit dem Duschgel startet: Jeder kleine Schritt hilft. Man sollte sich mit jeder Entscheidung wohl fühlen und sich stetig neue Herausforderungen suchen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sogar richtig Spaß bringt, sobald man die Ergebnisse sieht, zum Beispiel durch weniger Müll.

Wo ist der Verzicht noch heute richtig schwer für dich?
Ich bin Kontaktlinsenträgerin und bisher einfach zu eitel, darauf zu verzichten. Kontaktlinsen und deren Zubehör bilden den Großteil meines Plastikmülls. Außerdem fällt es mir schwer Geschenke aus Plastik abzulehnen. Ich weise vielleicht auf meine Lebensweise hin, um mich und den Schenkenden in Zukunft vor der gleichen Situation zu bewahren, aber das Zwischenmenschliche ist mir dann doch wichtig.

In wieweit achtest du sonst auf einen nachhaltigen Lebensstil?
Ich bin generell eine konsumkritische Person, hinterfrage viel und kaufe zum Beispiel nur saisonales Gemüse usw. Seit ich weitestgehend plastikfrei lebe, bewege ich mich natürlich in Kreisen, in denen das Thema ständig präsent ist. Da wird man schon sehr beeinflusst. Aber auch Kunden bringen mich mit ihren Wünschen und Hinweisen immer wieder auf neue Ideen. Es ist wie ein Puzzle, das sich mehr und mehr zusammenfügt und von dem man täglich dazulernt. Es gibt sicher Menschen, die nachhaltiger leben als ich, aber ich denke, ich bin auf einem guten Weg. Wichtig ist mir, nicht belehrend zu sein. Eher möchte ich die Leute inspirieren.

Worauf achtest du beim Kauf von Kleidung?
Generell verzichte ich natürlich auf Kunstfasern. Außer bei Secondhand Schuhen, da darf die Sohle auch mal aus Gummi sein, denn hier steht der Reuse-Gedanke für mich im Vordergrund. Bei Outdoor-Teilen kaufe ich gerne Wolle. Darüber hinaus achte ich auch darauf, dass die Kleidung fair hergestellt wird. Und ich würde mir wünschen, dass sie in Online-Shops umfangreicher beschrieben wird. Ich ärgere mich schon, wenn ich eine Bluse aus Biobaumwolle kaufe und die Knöpfe dann aus Plastik sind.