Die Internationale Kunsthochschule für Mode ESMOD in Berlin hat den Studiengang „Sustainability in Fashion“ ins Leben gerufen. hessnatur unterstützt den einjährigen Masterkurs mit der Entsendung einer Lehrkraft und die Vergabe eines Vollstipendiums an Anna Johannsen, die hier im hessnatur-Blog von ihren Erfahrungen berichtet. Heute schreibt Anna über den vierten Workshop und den „Zero Waste“-Ansatz:

„Abfall und Verschnitt in der Bekleidungsindustrie sind ein wichtiges Thema. Durch clevere Lösungen jedoch können sowohl die Produzenten (in finanzieller Hinsicht) und die Umwelt profitieren. Die beste Herangehensweise ist wohl die „Zero Waste“- Methode, zu deutsch „kein Abfall“. Dabei wird versucht, die Stoffbreite so effizient wie möglich zu nutzen. Da ist eine meisterhafte Schnittfertigkeit gefragt!

Hilfreich zur Seite stand uns Francois Girbaud, der uns im Workshop auch seine Laser- und Ozon-Technik vorstellte. Dabei erhalten Jeans ohne chemisches Bleichen und ohne das ge¬sundheitsgefährdende Sandstrahlverfahren den „used look“. Die Abschlusspräsentation fand in dem Design Office von Francois Girbaud in Paris statt – was uns natürlich einen guten Einblick in den Alltag eines „Prêt-a-porter“-Designers gab.

Meine Designidee hat ihren Ursprung in dem Facettenreichtum des Wassers. Da der größte Teil der Erdoberfläche (71%) von Wasser bedeckt ist und der Mensch zu mehr als 70% aus Wasser besteht, ist die Verschmutzung der Süßwasser-Ressourcen ein ernstzunehmendes Problem. Dies wird gerade durch ungefilterte Chemikalien aus den Textilfabriken Asiens verschlimmert. Mit diesem Projekt möchte ich auf diese Thematik aufmerksam machen.

Ich habe die Sechseck-Struktur (Hexagon) eines gefrorenen Wassermoleküls (Eiskristalls) gewählt, die sich sowohl im Kleinen im Stoff (Tüll) als auch im Großen durch die Form meines Designs (Cape) widerspiegelt. Zudem sind die Umrisse dünn in den durchsichtigen Stoff graviert, der den Tüll beidseitig umschließt. Mein Design ist sowohl aufgrund der Schnittführung nach dem „Zero-Waste“ Prinzip entworfen als auch funktionell durch das wasserabweisende Material, was zu 100% aus recyceltem Polyester besteht. Diese  Sortenreinheit sorgt dafür, dass nach dem „Cradle-to-Cradle“-Konzept das Produkt zu 100% wieder in den technischen Kreislauf eingehen kann (100%iges Upcycling).“