Bürogebäude 1Die Meldungen in der Presse über Insolvenzen von Unternehmen, speziell auch von Textilunternehmen reißen nicht ab. Insolvenz, geordnete Insolvenz, Übernahme, Unternehmensverkäufe, Schließung, Abwicklung – Begriffe, die im Moment täglich auftauchen und auf mich nicht gerade vertrauensbildend wirken.

Was passiert denn jetzt mit hessnatur? Zu wem gehört Ihr eigentlich? Wen oder was unterstützen wir denn, wenn wir Eure Produkte kaufen? Das sind auch die brennenden Fragen unsere Kunden/innen im Moment im Blog und in der Korrespondenz.

Fest steht: Auch über hessnatur schwebt das Damoklesschwert des Verkaufs. Allerdings hat der Pensionsfonds, dem wir aktuell angehören, in den letzten Tagen verkündet, dass ein Verkauf von hessnatur und anderen Spezialversendern aus dieser Gruppe nicht kurzfristig erfolgen werde. Also erst mal tief durchatmen und weiter arbeiten.

In unserer fast 34jährigen Geschichte mit Heinz Hess als Eigentümer und Geschäftsführer gab es – neben dem rasanten Aufstieg in den ersten 15 Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten – natürlich auch immer wieder Krisen. Das ist ja auch natürlich.

Die erste Krise, die ich miterlebt habe, war 1997 und sie hat bereits zu einem massiven Personalabbau geführt. Ich war damals in Elternzeit und hatte leider nicht mehr, wie vorher besprochen, die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit. Ganz oder gar nicht hieß es und meine Vertretung, die noch in der Probezeit war, musste das Unternehmen leider wieder verlassen, damit ich an meinen Arbeitsplatz zurück konnte.

2000 kam dann schon die nächste Krise und Heinz Hess hat das Unternehmen Anfang 2001 an die Neckermann Versand AG verkauft – auch aus privaten Gründen. Und warum gerade Neckermann? Neckermann war bereit, sowohl unsere ökologische Linie in der nötigen Konsequenz und den Erhalt aller Arbeitsplätze zu garantieren. Das gab den Ausschlag.

Aber ist es denn so wichtig, zu wem wir gehören? Für mich als Sekretärin der Geschäftsleitung haben sich seit dem Eigentümerwechsel die Personen geändert, für die ich arbeite. Und mit dem geforderten Berichtswesen, administrativen Verflechtungen und kurzfristig einberufenen Terminen nervt ein Konzern schon. An der Ausrichtung unseres Unternehmens, an unserer Philosophie und der Wertschätzung gegenüber Kunden, Mitarbeitern und Geschäftspartnern hat sich jedoch nichts verändert. Im Gegenteil – wir haben uns noch intensiver mit den Wurzeln, dem gesellschaftlichen Auftrag und den Werten von hessnatur auseinandergesetzt und bewahren dies mit viel Kraft und Energie. Ist das nicht der Kernpunkt? Unabhängig von den sich verändernden Strukturen in diesem großen Konzern und unabhängig von den Eigentümerverhältnissen? Ich denke, danach sollte man ein Unternehmen hauptsächlich beurteilen.