In der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ ist über das Thema „Nähen für einen Hungerlohn – Billigkleidung aus Bangladesch“ diskutiert worden. Aufhänger war die vor einigen Monaten in der ARD gezeigte „KiK-Story“ des Reporters Christoph Lütgert, der u.a. in bengalischen Textilfabriken Missstände aufgedeckt hat.

Als Gast in der Sendung war neben der 26-jährigen Näherin Jessmin Begum (Bildmitte) aus Dhaka auch Rosi Gollmann (rechts im Bild), Gründerin der Andheri-Hilfe. Mit Rosi Gollmann verbindet uns nicht nur die Zusammenarbeit in einem Projekt in Bangladesch, sondern auch eine persönliche Freundschaft. Die Andheri-Hilfe, eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Bonn, ist in vielen Projekten in Indien und Bangladesch aktiv und will die Lebenssituation der armen Bevölkerung vor Ort verbessern.

Im Rahmen ihrer Arbeit haben die Mitarbeitern der Andheri-Hilfe immer wieder mit der Textilproduktion zu tun. Und so konnte Rosi Gollmann die Aussagen der 26 Jahre alten Näherin Jessmin in der Sendung bestätigen: Dass die Arbeiter in den Nähereien bei einem Monatslohn von gerade mal 35 Euro vielfach schlechte Arbeitsbedingungen haben. Jessmin berichtet von drei Toiletten für über 400 Mitarbeiter, die sich im siebten Stock des Produktionsgebäudes befinden. Von unbezahlten Überstunden, Beleidigungen und Strafen beim Zuspätkommen zur Arbeit. Und das alles, damit Unternehmen – auch in Deutschland – Kleidung zu Dumpingpreisen anbieten können. Wie zum Beispiel eine Jeans für 5,99 Euro.

Die Bilder, die in der Talkshow eingespielt wurden, haben mich an meinen Aufenthalt in Dhaka im Frühjahr 2009 erinnert. An Nähereien, untergebracht in Hochhäusern in Old Dhaka, die man allein schon an den vielen Neonröhren hinter den Fenstern und den vielen Stofffetzen vor den Fenstern erkennen konnte. Positiv ist mir dagegen der Besuch von Grameen Knitwear in Erinnerung, mit dieser Textilproduktion besteht seit 2008 ein Gemeinschaftsprojekt mit hessnatur, in dem unsere Statement-Shirts produziert werden. Erstmalig in Bangladesch nach ökologischen Richtlinien mit Bio-Baumwolle und unter sozialen Arbeitsbedingungen. Der Verkauf der Shirts unterstützt ein Ausbildungsprogramm für bengalische Studentinnen und Studenten.

Was mir gefallen hat, ist der Appell von Rosi Gollmann zum Schluss der Sendung: Jeder könne etwas tun, sagt sie, „und wenn die Verkäuferin im Bekleidungsgeschäft keine Antwort auf die Frage geben kann, woher die Kleidung kommt und wie sie produziert wird, dann kommen Sie in der nächsten Woche noch mal und fragen das Gleiche!“.

Wer die Sendung sehen möchte: Hier geht’s zum Mitschnitt der Sendung in der ZDF-Mediathek.

Übrigens: Mit der Andheri-Hilfe unterstützen wir im Rahmen der Freundschaftswerbung seit 2009 ein Projekt in Bangladesch. Dabei werden junge Frauen vom Stamm der Manipuris im Nordosten des Landes sechs Monate lang zur Schneiderin ausgebildet.