„Messen Sie uns an unseren Taten!“

„Capvis neuer Eigentümer von hessnatur“,  „Langjähriger Geschäftsführer verlässt das Unternehmen“, „Wie passen ein Finanzinvestor und Nachhaltigkeit überhaupt zusammen?“ , „Warum verklagt hessnatur seine Kunden?“ – das hat uns bei hessnatur als auch viele unserer Kunden in den vergangenen Wochen und Monaten beschäftigt.

Am Freitag haben sich der Blogger Paul Bögle aus Wien, hessnatur-Kunde Holger Nick aus dem Hunsrück und eine langjährige hessnatur-Kundin aus Hannover (die auf eigenen Wunsch im Internet nicht namentlich genannt werden möchte) auf Einladung von hessnatur-Geschäftsführer Marc Sommer in Butzbach getroffen. Was eint die drei? Sie alle haben im Internet und mit Schreiben an uns ihre Kritik am Eigentümerwechsel geäußert und sich verunsichert darüber gezeigt, wie es mit „ihrem“ Naturmodeanbieter zukünftig weitergeht. Stellvertretend für viele Rückmeldungen und Kundenstimmen wollte sich die Geschäftsleitung mit ihnen persönlich austauschen – als Auftakt für weitere persönliche Treffen. Am runden Tisch dabei waren außerdem Martin Hess, Sohn von Unternehmensgründer Heinz Hess, Rolf Heimann, Leiter Corporate Responsibility bei hessnatur und Ricarda Demarmels vom neuen Eigentümer Capvis, der von Drazen Odak moderiert wurde.

„Irgendwas stimmt nicht bei hessnatur“

Von Kundenseite wurde kritisiert, dass sich in den vergangenen Monaten der Eindruck verfestigt habe, dass „irgendwas bei hessnatur nicht stimmt“. Man sei verunsichert, da seitens hessnatur und Capvis die Informationen über den Unternehmenskauf und die Trennung vom langjährigen Geschäftsführer Wolf Lüdge nur spärlich geflossen seien. „Es war zunächst wichtig, dass im Unternehmen Ruhe einkehrt und wir uns dann an die Kunden wenden“, so hessnatur-Geschäftsführer Marc Sommer. „Unsere Mitarbeiter sollten nicht wichtige Informationen aus der Presse oder Blogs erfahren, sondern direkt vom Eigentümer und der Geschäftsleitung. Nachdem jetzt die Situation mit unserer Belegschaft geklärt ist, wenden wir uns an unsere Kunden.“ Das „Beben in der Mitarbeiterschaft“ als Reaktion auf das  Ausscheiden von Wolf Lüdge  hätte man gerne verhindert, so Ricarda Demarmels. Der Wechsel in der Geschäftsleitung sei nicht geplant gewesen. Wenn der Weggang von Wolf Lüdge ein „nicht gewollter Weg“ gewesen sei, brachte hessnatur-Kunde Holger Nick ein, dann müsse das auch entsprechend von Capvis kommentiert und nicht erst von Kunden erfragt werden. Was die Gründe für Lüdges Weggang angehe, so bat Demarmels um Verständnis, dass diese eine private und vertrauliche Sache zwischen Wolf Lüdge und dem Gesellschafter sei.

Rolf Heimann, der bei hessnatur den Bereich Corporate Responsibility leitet, bekräftigte, dass der Weggang von Wolf Lüdge geschmerzt habe. Nach vielen Gesprächen mit Capvis habe man mittlerweile Vertrauen gefasst, sich mit dem neuen Eigentümer  vereinbart und den Fokus auf die Stärken von hessnatur gesetzt. „Wir Mitarbeiter sind bereits einen Schritt weiter, wollen unsere Arbeit machen und können mit der neuen Situation umgehen. Was die Störfeuer von außen angeht, so sind wir ziemlich wütend darauf“, so Heimann. „hessnatur hat den Eigentümer gewechselt, aber dabei keinesfalls seine Ideale verkauft.“ Holger Nick und Paul Bögle hätten sich gewünscht, diese Aussage in den letzten Wochen direkt von den Mitarbeitern z.B. im Blog zu hören, da  ein anderer Eindruck entstanden sei.

Philosophie wird nicht in Frage gestellt

Ricarda Demarmels von Capvis bekräftigte, dass der Eigentümer  keine Abstriche an der Philosophie von hessnatur und den öko-sozialen Standards vornehmen werde: „Das ist der Kern und der Wert des Unternehmens, diesen Kern wollen wir bewahren und auf dieser Basis das Unternehmen in seiner Pionierrolle stärken. Wenn wir hier Abstriche machen würden, würden wir uns ja selber schaden. Dass wir hessnatur in den kommenden Jahren wachsen sehen dürfen, ist ein absolutes Privileg für uns.“ Eine wichtige Wächter-Funktion werde hierbei auch der Beirat von hessnatur übernehmen, dem dm-Gründer Prof. Götz W. Werner vorstehe. Um die Transparenz gegenüber der Community  zu erhöhen,  werde man durch diese in Kürze schon einen Kundenrat wählen lassen,  der die Geschäfte von hessnatur aus eigener Perspektive beobachten und bewerten könne.  Rolf Heimann berichtete, dass die Philosophie von hessnatur und die Vorreiterrolle auch von der internationalen Textilbranche als „herausragend und transparent“ eingeschätzt würden. Man werde auch in den kommenden Jahren ein „First Mover“ sein und dem Wertekern treu bleiben. Das schließe auch den sensiblen Umgang der Kundendaten ein, was von der hessnatur-Kundin aus Hannover hinterfragt wurde: Die Daten der hessnatur-Kunden würden nicht weitergegeben oder anderweitig genutzt, so Heimann.

Wie passen ein Finanzinvestor und Nachhaltigkeit zusammen?

Kritisch diskutiert wurde auch die Frage, wie ein Finanzinvestor und Nachhaltigkeit überhaupt zusammen passen würden. Ricarda Demarmels bekräftigte, dass dies kein Widerspruch sei und Capvis für hessnatur ein guter Eigentümer sei. „Wie bei einem Baby spielt es keine Rolle, wer Mutter oder Vater ist – entscheidend ist: Die Person muss immer im besten Interesse des Kindes handeln, wenn sie Verantwortung übernimmt. Sie muss Möglichkeiten und Mittel zur Verfügung stellen und Zeit und Herzblut für seine Entwicklung mitbringen. Das tun wir.“ Wenn Marc Sommer davon spreche, dass hessnatur unter dem neuen Eigentümer handlungsfähiger und unabhängiger als im ehemaligen Konzernumfeld sei, wie passe dass dann mit den Vorgaben wie  Wachstum und Steigerung des Kundenkreises von Capvis zusammen, die Blogger Paul Bögle aus dem hessnatur-Blog zitierte. Das sei ein „sicherer Rahmen“ für hessnatur, entgegnete Sommer.  Capvis habe den Kauf komplett aus Eigenkapital realisiert und stelle Investitionsmittel für den Wachstumskurs zur Verfügung. Wenn beispielsweise ein anderer Versandhändler hessnatur gekauft hätte, hätten Funktion wie Logistik, Kundenbetreuung etc. zusammengelegt werden können, um Synergien zu nutzen und um zu sparen. Dieses Risiko bestehe bei Capvis nicht. Martin Hess, Sohn von Unternehmensgründer Heinz Hess, erklärte, dass sein Vater in den 1990er Jahren Schwierigkeiten gehabt habe, Fremdkapital von den Banken zu bekommen. Wegen finanzieller Abhängigkeiten habe er hessnatur an Neckermann verkaufen müssen. Die Zusammenarbeit der Genossenschaft hnGeno, die hessnatur erwerben wollte, mit der GENO EQUITY bewertete Hess kritisch, da der Kauf mit Fremdkapital hätte finanziert werden müssen, was das Unternehmen belastet hätte. Marc Sommer schloss an, die hnGeno sei ursprünglich mit einer guten Idee gestartet, hätte sich aber spätestens mit der Ankündigung eines potenziellen Konkurrenzunternehmens disqualifiziert, auch gegenüber der Mitarbeiterschaft von hessnatur.

Warum verklagt hessnatur kritische Kunden?     

Paul Bögle wollte wissen, warum hessnatur seine Kunden verklage und gegen diese juristisch vorgehe. Man verklage keine Kunden und wende sich auch nicht gegen kritische Kommentare, sondern  hätte sich gegen Fehlinformationen der  Betreiber der Konsumenten-Standpunkte gewandt. Konstruktive Kritik sei erwünscht, betonte Sommer und verwies auf die kritischen Kommentare der Gäste und übrigen Kunden im hessnatur-Blog. Gegen Falschaussagen, die bewusst Verunsicherung schaffen möchten und dem Unternehmen hessnatur und den Mitarbeitern letztlich schaden, müsse man sich zur Wehr setzen. Man hätte die Plattformbetreiber in einem ersten Schritt ersucht, diese falschen Aussagen zu unterlassen, nachdem diese  jedoch weiter behauptet hätten, ihre Aussagen seien wahr, hätte man sich im zweiten Schritt für eine einstweilige Verfügung entschieden– auch das Landgericht Frankfurt sei zu der vorläufigen Ansicht gekommen, dass die Behauptungen zu unterlassen sind.

Forderung nach Transparenz und Dialog

Wie eng die Bindung der Community zu hessnatur ist, brachte Holger Nick zum Ausdruck, der die Kunden als elementaren Teil des Unternehmens sieht. Transparenz und Dialog seien wichtig, um die Authentizität von hessnatur zu stärken. Er erhoffe sich auch von hessnatur-Mitarbeitern im Blog ein persönliches Statement zur aktuellen Situation, so Nick. Martin Hess schloss an, dass hessnatur wieder mit seinen Kunden zusammenkommen solle, allen würde hessnatur schließlich am Herzen liegen: „Das Familiengefühl muss wieder her.“ Marc Sommer appellierte zum Abschluss des runden Tischs: „Sagen Sie uns, was aus Kundensicht wichtig ist. Messen Sie uns an unseren Taten, beobachten Sie uns kritisch und  begleiten Sie uns konstruktiv!“

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Kommentare
  • Holger Nick ,

    Vielen Dank für das wirklich sehr interessante und fast 3 stündige Gespräch, bei dem ich durch glückliche Fügung („Gospelday“ 😉 ) teilnehmen durfe. Mir ist einiges klarer geworden und das persönliche Kennenlernen von Marc Sommer, Ricarda Demarmels und Rolf Heimann hat jeweils nochmal ganz andere/tiefere Eindrücke beschert.

    Auch wenn man sicherlich nicht alles, was in den vergangenen Monaten passiert ist, einfach wegwischen kann, so denke ich doch, dass Capvis als Investor und Marc Sommer als Geschäftsführer für die Firma Hessnatur und deren Mitarbeiter ein zumindest gangbarer Weg sind. Ich hoffe, dass wir in ein paar Monaten sagen, dass es nicht nur ein gangbarer sondern ein guter Weg ist. Auch beruhigt mich, dass laut Herrn Heimann, der sich am runden Tisch als Vertreter der Mitarbeiter verstand (und das sehr authentisch und energisch), die Mitarbeiter hinter der neuen Führung stehen und nun endlich wieder zum Alltag übergehen wollen, um das zu machen was alle erwarten: gute Arbeit im Umfeld der ökologisch-sozialethischen Kleiderherstellung.

    Ich denke Herr Sommer und Capvis haben eine Chance verdient. Und wenn ich das richtig verstanden habe, haben das auch die meisten Kunden so gesehen, denn einen merklichen Umsatzrückgang scheint es nicht gegeben zu haben.
    => Frau Kuhnert ich bitte nochmals um einen Vergleichschart
    (abgelaufenes GJ vs. vorangegangenes GJ pro Quartal oder sogar pro Monat)

    Gespannt bin ich auf den Kundenrat und hoffe natürlich, dass ich bei den auserwählten 12 sein darf. Denn einiges an Fragen und vor allem Ideen konnte ich noch nicht loswerden – dazu war die Zeit zu schnell vorbei.

    Nochmals vielen Dank für diese einmalige Gelegenheit, so tief in das Unternehmen Hessnatur einzutauchen!!!

    Antworten
  • Esther Groh ,

    „Großmutter, warum hast Du so GROSSE Augen“ …

    nur der Wolf im Grimmschen Märchen war wohl so dumpf, seine eindeutigen Absichten unmittelbar auszuplaudern. Was, um Himmels willen, sollen denn die Manager von Capvis und Hess Natur (und ein Mitarbeiter, der an Weisungen gebunden ist und verständlicherweise um seinen Arbeitsplatz, also im weiteren Sinne vielleicht seine Existenz zu bangen hat), was also sollen die denn anderes sagen als dass man die Werte und Ausrichtung etc. beibehalten wolle? Und dass der Investor wie eine liebe Mutter das Kind an der Hand sicher in eine goldene Zukunft geleiten werde. Wahrscheinlich auch durch die Verabreichung von ausreichend Ovomaltine (die ist aber nicht „bio“, liebe Frau Demarmels) …

    Es ist begrüßenswert, dass dieser Runde Tisch stattgefunden hat und man kann zunächst an der Tatsache, dass Capvis und Hess Natur diese Veranstaltung zum Dialog mit Kunden und Kritikern durchgeführt haben, auch gar nichts schlecht finden.

    Die Frage bleibt dennoch bestehen, welchen Informationsgehalt sie tatsächlich gehabt haben kann und ob jetzt Zweifel ausgeräumt wurden, die vorher durch wohlbegründete Einwände entstanden waren.

    Mir ist nach wie vor nicht klar geworden, wie das Geschäftsmodell von Private Equity zusammengeht mit einem Unternehmen wie Hessnatur. Und wo ist eigentlich der Unterschied zwischen Verbindlichkeiten gegenüber einer Bank wie beim Modell des (Leveraged) Buyout und Verbindlichkeiten gegenüber dem Investor? Auch dieser will ja seinen Kaufpreis plus X wieder reinholen durch die laufenden Renditen und schlussendlich den Wiederveräußerungserlös. Es bleibt immer Sache des betroffenen Unternehmens, die Rendite für den Investor zu erwirtschaften. Bei einem Bankkredit heißt das dann Verzinsung, im andern Fall eben Renditeabführung.
    Und dieses Modell beschneidet vermutlich die Freiheit des Unternehmens frei zu wirtschaften und Wege zu gehen, deren Nutzen sich nicht unmittelbar in Heller und Pfennig beziffern läßt. Natürlich ist jegliches unternehmerische Wirtschaften immer auf den wirtschaftlichen Erfolg gerichtet – sonst muß es ja erliegen oder ein spendabler „Papa“ muß immer wieder nachschießen … und wer macht das schon ad infinitum? Aber die Investoren eines Private Equity Fonds werden als Erfolgsmeldung ihres Investments sicher nicht so etwas wie ein neues Waisenhaus in Westafrika bejubeln. All diese Menschen hinter den Fonds sind zwar selbstverständlich sehr sozial orientiert und spenden womöglich ein vielfaches dessen, was der durchschnittliche Hessnaturkunde jährlich für seine Biobaumwolle so hinlegt, aber Geschäft ist Geschäft. Außerdem sind die Investoren hinter den Investoren oft z.B. Pensionskassen, die für ihr eigenes Geschäftsmodell natürlich eine vernünftige Rendite ihrer Geldanlagen brauchen. Das hat also nichts mit guten oder schlechten Absichten zu tun sondern nur mit der Logik, wie ein solches Geschäft funktioniert (= funktionieren muss).

    Um also den erforderlichen Ertrag zu erwirtschaften (zusätzlich zu den für das eigene Geschäft erforderlichen Investments) kann man Top Line oder Bottom Line ansetzen, also: mehr einnehmen oder weniger ausgeben. An beiden Enden anzusetzen ist üblicherweise vergleichbar mit dem entsprechenden Abbrennen einer Kerze. Also: man will offenbar Hess Natur ermöglichen, sein Geschäft auszuweiten. Das geht durch Gewinnen neuer Kunden in bestehenden Märkten, durch Erschließung neuer Märkte und durch Erweiterung / Diversifizierung des Produktangebotes. Dafür braucht man viel Geld und einen langen Atem, sowie die Bereitschaft, auch Rückschläge hinzunehmen. Es gibt tatsächlich auch Private Equity Unternehmen, die mit den Unternehmen, in denen sie investiert sind, diesen Weg gehen. Das übliche Modell geht allerdings anders, z.B. wie die Causa WMF: Verlagern, Verbilligen, Veräußern. Den Track Record auf dieser Spur hat Capvis, auf der anderen Spur sehe ich noch unberührte Erde, sozusagen.

    Daher muss sich Capvis diese (wiederholten) Fragen schon gefallen lassen, denn es gilt, den kritischen Kunden glaubhaft darzulegen, wie zwei auf den ersten Blick unvereinbare Prinzipien doch vereint werden können (und so einfach wie bei Mozart „Was aller Welt unmöglich scheint, wird durch die Liebe doch vereint“ wird das nicht gehen …).

    Marc Sommer hat die Losung ausgegeben, wir sollten nunmehr Hess Natur (und seinen Investor) an ihren Taten messen (und ich hoffe, dass er damit nicht gleichzeitig sagen will, der Worte seien jetzt genug gewechselt) – insofern warten wir es mal ab, was nun folgt.

    Mich interessiert weiterhin zur Zusammensetzung des Runden Tischs, warum die Mitarbeitervertretung von Hess Natur als eine der Konfliktparteien nicht beim Gespräch repräsentiert war? Wollten sie nicht oder durften sie nicht? Es wäre doch interessant gewesen, zu erfahren, wie man dort die Aussage, die Mitarbeiter „können mit der neuen Situation umgehen“ kommentiert hätte. Und Mut zum offenen Umgang mit Kritikern kommt immer gut an, selbst wenn kontrovers verhandelte Dinge kontrovers stehen bleiben.

    In diesem Zusammenhang würdige ich hiermit explizit die Tatsache, dass bislang alle meine kritischen Kommentare im Hess Natur Blog veröffentlicht wurden. Hess Natur hat sich bisher im für den Kunden sichtbaren Bereich auch gar nicht verändert – das ist ja die Tücke der Causa, denn natürlich kann man von außen wenig beurteilen – daher auch die Wichtigkeit glaubwürdiger Botschaften. Und die Glaubwürdigkeit von Botschaften konstituiert sich nicht unbedingt aus deren Inhalt, sondern a priori aus der Glaubwürdigkeit ihrer Absender.

    Mein Fazit: Gut, dass Hess Natur diesen Schritt jetzt gegangen ist, aber überzeugt bin ich weiterhin nicht. Ich bin aber bereit, mich durch fundierte, nachvollziehbare Informationen und fortgesetzten Dialog überzeugen zu lassen. Denn es ist auch in meinem Interesse, dass es ein erfolgreiches, innovatives, nachhaltig und fair wirtschaftendes Hess Natur auch in Zukunft geben kann.

    Gerne würde ich mich daher auch für den Kundenrat zur Verfügung stellen.

    Herr Sommer hat mir als Reaktion auf einen meiner Kommentare übrigens ein Gespräch angeboten – ich bin sehr gespannt darauf und möchte auch diese Geste ausdrücklich würdigen.

    Mit freundlichem Gruß
    Esther Groh

    Antworten
  • Kundin ,

    Ich wurde gefragt,ob ich am „runden Tisch“ teilnehmen möchte und habe sehr spontan zugesagt.
    Mich interessierte,welche Menschen hinter den Namen steckten und was sie wohl auf unsere
    Fragen antworten würden.
    Ich war noch nie in Butzbach gewesen.Auch sind mir dort keine Personen bekannt.Ich wusste nicht,was mich dort erwarten würde.
    Jedenfalls wurde es eine angenehme Gesprächsrunde.Wir konnten unsere Fragen stellen,auf die es Antworten und Stellungnahmen gab.Die angesetzte Zeit fand ich etwas zu kurz.
    Eigentlich soll es ja mit hess natur so weiter gehen wie bisher.Aber uneigentlich …?
    Ich denke,die Zukunft wird zeigen,ob die Mitarbeiter bleiben und weiter arbeiten können und
    ich mich weiterhin in ökologisch/ethisch hergestellten Textilien einkleiden kann,die nicht nur in
    Fernost hergestellt werden.
    Vielen Dank für die Einladung

    Antworten
  • Marc Sommer ,

    Sehr geehrte Frau Groh,

    vielen Dank für Ihre ausführliche Rückmeldung in unserem Blog.

    Gerne greife ich hier Ihre Frage auf, wie ein Nachhaltigkeitsunternehmen und ein Finanzinvestor zusammenpassen:

    Capvis hat sich klar zu unserer Philosophie bekannt und wird keine Abstriche an unserer ökologischen und sozialen Konsequenz vornehmen – wenn der Eigentümer das machen würde, würde er sich ja selbst schaden.

    Was ebenso wichtig ist: hessnatur entscheidet inhaltlich über seine Zukunft und ist unabhängiger Herr für seine Entwicklung. Das ist unter Capvis besser möglich ist als in einem Konzern. Wenn zum Beispiel ein anderer Versandhändler hessnatur gekauft hätte, hätten Funktionen zusammengelegt werden können, um Synergien zu schaffen und zu sparen. Das Risiko besteht bei Capvis nicht.

    Zum Aspekt der Finanzierung: Für Capvis ist das Engagement bei hessnatur eher eine kleine Investition. Somit ist Capvis ein starker Partner für unser Unternehmen mit ausreichend Mitteln, sowohl zur Unterstützung des nachhaltigen Wachstums als auch im Fall von temporären Turbulenzen. Und am Ende kommt es vor allem auf die handelnden Personen an; die Menschen bei Capvis haben sowohl Hochachtung als auch Wertschätzung für hessnatur und haben ein tiefes Verständnis für unsere besondere Unternehmenskultur und Produktphilosophie.

    Über Ihr Interesse am persönlichen Austausch freue ich mich sehr – und lade Sie gerne auch zum nächsten runden Tisch bei hessnatur ein.

    Beste Grüße, Marc Sommer

    Antworten
  • Paul Boegle ,

    Endlich kann sich auch Wien zu Wort melden. Natürlich hätte ich dies als Teilnehmender am runden Tisch mit Ecken und Kanten (siehe dazu meinen ersten Teil der Aufarbeitung unter http://weblog.bio-natur.at/2012/11/05/zu-gast-bei-hessnatur-in-butzbach/ schon wesentlich früher gemacht, doch ich wollte jene drei Stunden in der Firmenzentrale genau analysieren und vor allem in ausreichender Form würdigen. Angesichts der Tatsache, dass die letzten Wochen eben eine Vielzahl an teils kontroversen Diskussionen über die Verbindung mit Capvis in den Medien hervorbrachte und sowohl für Unruhe als auch Unbehagen bei den mit hessnatur verbundenen Menschen sorgte, herrscht hier wohl genügend Stoff und Nachholbedarf, wie auch der Kommentar meiner Vorschreiberin Esther Groh (…und ich hoffe, dass er damit nicht gleichzeitig sagen will, der Worte seien jetzt genug gewechselt…) eindeutig zeigt.
    Ich möchte jedoch hier nicht zu einem vielschichtigen Statement von meiner Seite ausholen, schließlich habe ich dies in meinem ersten über alle verbalen Stränge hinausgehenden Teil schon getan und mit Worten gewütet wie einst der Erymanthische Eber, bevor er von Herakles gebändigt wurde.
    Ich bin mir durchaus bewusst, dass für manche, welche sich diesem Beitrag auf meinem Blog hingeben, bevor sie sich aus lauter Verzweiflung wie einst Hylonome ins Messer (oder war’s ein Pfeil?) stürzen, gewisse Passagen auf Unverständnis stoßen werden, doch ich gelobe im Folgeteil Besserung und werde mich dort auf jene fast 180 Minuten konzentrieren, welche ich im Kreise des Eckigen mit all seinen Kanten und teilweiser Gratwanderung vebringen durfte.
    Lassen Sie deshalb nur eines sagen: Hessnatur an den Taten zu messen ist momentan sicherlich eine große Herausforderung für viele. Doch all die Beteiligten haben diese Chance aus meiner Sicht mehr als verdient. Auch wenn sich vielleicht nicht alle Zweifel beseitigen ließen und gewisse Fragen immer noch offen sind, hat der runde Tisch eines gezeigt. Das Unternehmen ist sich seiner Verantwortung gegenüber KundInnen und MitarbeiterInnen bewusst. Und ich bin der festen Überzeugung, dass die Verantwortlichen diese Herausforderungen annehmen werden, den Dialog mit den Kritikern zu suchen. Dass es hierbei noch einiger Aufklärungsarbeit bedarf, um auf einen gemeinsamen grünen Zweig zu kommen, sollte weder die eine noch die andere Partei abschrecken. Aber das Gespräch hat mir gezeigt, dass hessnatur nicht darauf bedacht ist, an jenem Ast zu sägen, auf welchem sie selbst sitzen. Wurde möglicherweise in letzter Zeit vor lauter Bäumen der Wald aus den Augen verloren, so sehe ich für die Zukunft jene breite Vertrauensbasis schon wieder als zartes Pflänzchen knospen, welche durch die angestoßene Capvis-Diskussion zwar einige der Blätter verloren hat, aber bis zum heutigen Zeitpunkt glücklicherweise trotz Schweizer Investition seine tiefen Wurzeln immer noch in der hessischen Heimat besitzt.
    So, jetzt ist es fast schon wieder 4:30 Uhr. Zeit, um den Kampf gegen den einen oder anderen herumstreunenden Kentauren auf Wiens leeren Straßen aufzunehmen. Ach, wissen Sie was, lassen wir doch lieber das Kämpfen sein und verständigen uns gemeinsam auch in Zukunft mit Worten.
    Einen ganz lieben Gruß und ein grausliches Gähnen sendet Ihnen/Euch
    Paul Boegle

    Antworten
  • Yvonne ,

    design for life – „Glaubwürdigkeit kann man nicht machen“ – Veränderung der Werte – Wie verleiht man Dingen einen Wert?

    Unternehmen besitzen Philosophie und Werte. Geschaffen und gewachsen von Unternehmensgründer, Geschäftsführung, Mitarbeitern und Kunden. Werte sind weder einfach mal so da, noch sind sie reine PR. Sie sind eng verbunden mit den Mitarbeitern, Kunden des Unternehmens, deren Vorstellungen, Gefühlen und Emotionen.
    Werte gehören zu den kostbarsten Besitztümern des Menschen. Eine spontane und freiwillige Erzeugung ist ebenso unmöglich, wie sie durch Nachdenken oder Kopieren erlangen zu wollen. Um einen Wert auszubilden, muss eine Vorstellung positiv emotionalisiert werden.
    Aus einer Emotion eine Vorstellung zu machen ist weit einfacher als aus einer Vorstellung eine Emotion.
    Da wir in einer Gesellschaft mit höchster sozialer Intelligenz und höchster Toleranz leben, machen sich Menschen – sowohl Mitarbeiter als auch Kunden – Gedanken. Gedanken über Sinn, Glück, Werte usw.. Allerdings zehren Wirtschaftssysteme Moral auf. Gewisses Vertrauen ist im Wirtschaftssystem immer vorausgesetzt. Aber Unternehmen erzeugen keine Moral sondern setzen es voraus. Zweckrationales Handels (größtmögliches Interesse an Gewinn) zerstört soziale Normen.
    Verändert sich eine gewachsene Struktur, verändern sich die Werte. Die Verbindung zum einstigen Geschäftsführer Wolf Lüdge – design for life – und seinen familiären Werten (z.B. Vorwort der Kataloge) sowie Bindung zu Kunden über Produkttesterveranstaltung, Blog, Chat ist „ausgelöscht“ worden. Diese Veränderung löste Emotionen aus – veränderte Situation, veränderte Wertvorstellungen.
    Das lässt sich weder ignorieren noch durch Worte, Versprechen ersetzen. Da ist weitaus mehr gefragt.

    Grüße aus dem verregneten Nordhessen
    Yvonne Zernick

    Antworten
  • Esther Groh ,

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    der online Presse (Bio-Markt.Online) ist zu entnehmen. Dass Walter Strasheim-Weitz hessnatur verläßt oder verlassen hat.
    Wann gibt es dazu eine Pressemitteilung bei hessnatur?
    Mit freundlichem Gruß
    Esther Groh

    Antworten
  • Michael Krause (hessnatur) ,

    Guten Tag Frau Groh,

    eine Pressemitteilung wurde gemeinsam von Betriebsrat und Geschäftsleitung abgestimmt und vom Betriebsrat – als eigenständiges Organ der Arbeitnehmervertretung – an die Presse verschickt. Nachfolgend der Text der Pressemitteilung des Betriebsrats von hessnatur.

    Herzliche Grüße, Michael Krause

    Neuer Betriebsratsvorsitz bei Hess Natur

    Der Betriebsrat des Butzbacher Öko-Modelabels Hess Natur hat einen neuen Vorsitz gewählt. Zur Vorsitzenden wählten die Betriebsräte Tanja Koch, Mitarbeiterin aus dem Bereich Einkauf/Disposition, zum stellvertretenden Vorsitzenden Günther Merkel, der die Zollabwicklung betreut. Die Neuwahl war nötig geworden, da der langjährige Betriebsratsvorsitzende Walter Strasheim-Weitz das Butzbacher Unternehmen Ende November in beiderseitigem Einvernehmen verlassen hat. Er hat den Betriebsrat 1992 auf die Initiative von Heinz Hess mitgegründet und alle Betriebsvereinbarungen mit der Geschäftsführung mitverhandelt. Seiner geleisteten hervorragenden Arbeit, insbesondere im Zuge des geplanten Verkaufs an den US-Investor Carlyle Ende 2010, gelte großer Dank. Walter Strasheim-Weitz, 20 Jahre Hess Natur Betriebsratsvorsitzender, hat das Unternehmen und die Interessen der Belegschaft auch im Aufsichtsrat von Quelle ebenso wie innerhalb der mittlerweile insolventen Arcandor-Gruppe selbstbewusst vertreten. Hess Natur dankt Walter Strasheim-Weitz für die hervorragende Leistung in den letzten 2 Jahrzehnten und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute.

    Antworten

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