Jahresrückblick

Für mich war das Jahr 2009 ein äußerst wichtiges, schwieriges und wegweisendes Jahr. Für hessnatur war es wirtschaftlich erfolgreich, wenn gleich es auch schon erfolgreichere Jahre gab.

Aber was ist der Erfolg eines Jahres, wenn man an der Schwelle eines neuen Jahrzehnts steht?

In mir hat sich ein Gefühl eingenistet, das mich sehr betroffen macht. Viele Menschen und ganze Gesellschaften haben die Beziehung zueinander, zur Natur und zu ihrer Kultur und Geschichte verloren. Die Gier nach Profit bestimmt viel von dem, was in der Welt geschieht.

Allerbestes Beispiel ist der gescheiterte Klimagipfel von Kopenhagen. Sprachlos und wütend habe ich die Berichterstattung am Wochenende verfolgt. Mit welcher Ignoranz dieser dramatischen Veränderung unseres Klimas begegnet wird, ist schon außerordentlich. Aber bekanntlich stirbt ja die Hoffnung zuletzt. Die Hoffnung, dass die Menschen, die etwas verändern können, verantwortlich im Sinne unserer Kinder handeln.

Neben der Klimadiskussion war das Jahr im Wesentlichen bestimmt von der Wirtschaftskrise und den negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und den Konsum. Ganz hautnah berührt mich die Schließung des Versandhauses Quelle. Tausende von Menschen sitzen diese Weihnachten zu Hause und schauen mit Furcht in das neue Jahr.

Die Arcandor-Pleite hat weiter die Diskussion um Manager-Fehlversagen angeheizt. Gewiss wurden viele Fehler gemacht und Entscheidungen getroffen, die den Anschein hatten, aus Eigennutz getroffen zu sein. Doch sind auch die Auswüchse der Wirtschaft immer ein Abbild der Gesellschaft, die handelnden Personen nur Protagonisten eines größeren Systems. Jeder sollte sich fragen, was er bereit ist an diesem System zu ändern. Welche Wertschätzung hat Qualität und Nachhaltigkeit bei Produkten, aber auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen heute? Welcher Wert wird der Familie, der Erziehung von Kindern zugemessen? Welchen Stellenwert nimmt der urchristliche Wert der Nächstenliebe ein? Wir alle sind verantwortlich, Veränderung zu initiieren.

Und trotz allem spüre ich auch viel positive Veränderung. Das Denken vieler ändert sich. Umweltbewusstsein und Erkennen sozialer Ungerechtigkeiten haben heute einen bedeutenden Stellenwert. Manche Skeptiker und Kritiker meinen, dass das neue, grüne Bewusstsein nur vorübergehend sein wird. Ich hingegen glaube, dass jetzt Zukunft gestaltet wird. Diese Gestaltung kommt vom Konsumenten, vom Einzelnen und noch nicht von den „Entscheidungsträgern“. Und diese Entwicklung wird im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig sein.

Ich bin oft zur Wirtschaftskrise befragt worden: „Ändert hessnatur jetzt etwas an den Produkten oder an den sehr strengen Richtlinien?“ Meine Antwort war immer: „Wir können doch gar nicht anders als nachhaltig und fair wirtschaften. Gerade jetzt wäre es für viele Unternehmen wichtig, neue Weichen zu stellen.“ Meines Erachtens werden diese Krisenjahre der Wendepunkt sein für den Konsum nachhaltig produzierter Güter. Wenn wir in zehn Jahren zurückblicken, werden viele sagen: „In dieser Zeit hat sich einiges geändert“.

In diesem Sinne wünsche ich ein nachhaltiges Weihnachten und viele wegweisende Entscheidungen im neuen Jahr.