Meeresstrände – es werden sich wohl nur wenige finden, die sich nicht von ihnen angezogen fühlen. Egal, ob es der weiße Sandstrand mit Kokosnusspalmen für den einen, die Ostsee oder das Mittelmeer für den anderen ist, im Mittelpunkt steht immer der Erholungsfaktor und das Staunen über die Macht und Kraft des Meeres. So empfinde ich es jedenfalls.
Nur leider gibt es hier mittlerweile einen gigantischen und deprimierenden Wehmutstropfen, wenn man das als solchen überhaupt noch bezeichnen kann. Stichwort: Plastik!!

Die „Plastikinsel“ im Pazifik, für die sich nebenbei erwähnt keiner wirklich verantwortlich fühlt, hat sich ja mittlerweile allgemein herumgesprochen. Täglich gelangt Plastik weltweit in Bäche und Flüsse und somit schließlich in unser aller Meere! Je nach Strömung sind Regionen bez. Strände mehr oder weniger stark betroffen. Hier auf der Olympic- Halbinsel im Nordwesten des Bundesstaates Washington, wo ich lebe, ist der Großteil der Strände streng geschützt, gehört sogar zusammen mit dem temperierten Hoh-Regenwald zum Weltnaturerbe. Hier darf keine Muschel, kein Treibholz, nicht mal ein Stein mitgenommen werden. Besonders die Muscheln kann unsere Tochter nur schweren Herzens zurück lassen:) Trotz all des Schutzes kann leider keiner das verhindern, was das Meer anschwemmt. Und es ist leider kaum übersehbar. Der Strand vor unserer eingenen Haustür bleibt aufgrund seiner scheinbar günstigen Lage relativ verschont.

Nun war ich vor kurzem das erste mal am Shi Shi Beach. Hier am offenen Pazifik sieht die Sache schon anders aus. Wundervoller Strand, traumhaftes Panorama. Das einzig „Störende“ war das Plastik, das zwischen den Felsen, Steinen und im Sand lag. Sehr viel Fischereimaterial in Form von alten Styropor -und Plastikbojen, Netzreste; das, was einmal ein Flip Flop war, sehr viele Flaschenreste und Deckel. Vieles ist vom Meer bereits zu klein geschreddert, um noch erkennen zu können, was es einmal gewesen ist. Mein Mann kennt diesen Strand sehr gut von seiner Zeit als freiwilliger Parkranger in den 80er Jahren. Auch er war unangenehm überrascht von der Zunahme des Plastik-Treibgutes. Damals waren seiner Meinung nach kaum Kunststoffe zu sehen. Vielleicht mal eine Boje oder ein Netz, nicht aber dieser Wohlstandsmüll.

Nicht um beim Leser den falschen Eintruck entstehen zu lassen – die Strände sind definitiv keine Müllhalden, aber sie würden sicherlich zu solchen werden ohne die Hilfe des Menschen. Deshalb wird in regelmäßigen Abständen mit Unterstützung freiwilliger Helfer des Nationalparks in großen Sammelaktionen das Plastik eingesammelt und ordnungsgemäß entsorgt. Aber diese „Notwehrhandlungen“ können und dürfen doch nicht die Antwort für die Zukunft der Strände und Meere dieser Welt sein. Letztendlich landet das alles durch die Nahrungskette wieder bei uns auf dem Teller. Die Naturschutzorganisation Beach watchers unserer Nachbar-Region Jefferson wie unten auf dem Foto zu erkennen ist, hat mit Bohnen in Einmachgläsern versucht visuell zu verdeutlichen, wie rasant der Konsum des Erdölprodukts Plastikflasche in knapp 60 Jahren angestiegen ist und der damit verbundene Müll.

Dem zufolge gab es 1950 noch keine Plastikflaschen. 1997 waren es bereits knapp 3 Milliarden Tonnen, 2003 13 Milliarden und 2005 ca. 28 Milliarden Tonnen. Diese Zahlen haben mich echt aus den Socken gehauen.
Was mich immer wieder aufregt: wie schwer es einem gemacht wird beim Einkauf Plastik zu vermeiden. Wie zum Henker haben all die Generationen vor uns damit leben können, dass nicht alles und jedes in zwei und dreifacher Umverpackung daher kommt. Wer braucht das? An dieser Stelle meine persönliche Empfehlung, sich mal den Film Story of Stuff an zu schauen. Augenöffnend!

Alles, was je an Plastik produziert wurde, ist immer noch in der ein oder anderen Form da. Das ist eine Tatsache, die wir gern vergessen! Übers Wochenende gehts wieder an einen Strand. La Push bei Forks in die „Twilight“-Zone. Vier Frauen, Lagerfeuer, hoffentlich sehen wir nur wenig Vampire und Werwölfe 😉 und kein Plastik!