Mehr Plastik als Plankton

Plastic Planet

„Wenn Sie diesen Film gesehen haben, werden Sie nie wieder aus einer Plastikflasche trinken“, heißt es auf dem Plakat zum Film „Plastic Planet“, der am heutigen Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft. Ich hatte die Gelegenheit, den Dokumentarfilm von Werner Boote am Sonntag in einer Vorpremiere in Frankfurt zu sehen – und muss zugeben, dass ich im Verlauf des Films immer öfters mit kritischem Auge auf meine Getränkeflasche (aus Plastik) geschaut habe.

Ob Babyschnuller, Getränkeflaschen oder Kunststoffmöbel – Plastik ist billig, praktisch und nahezu überall vertreten. Pro Jahr werden rund 240 Millionen Tonnen Plastik produziert. Die Menge an Plastik, die in den vergangenen 100 Jahren weltweit produziert wurde, würde reichen, um den kompletten Erdball sechs Mal einzupacken.

Werner Boote hat Zeit seines Lebens Plastik geliebt – sein Großvater war Chef der Interplastik-Werke. Doch sein Faible für Plastik bekommt Zweifel. Er begibt sich auf eine weltweite Reise und erkundet, wie Plastik hergestellt wird, eingesetzt wird und welche Folgen für Mensch und Umwelt damit verbunden sind. In Michael Moore-Manier spricht er mit Wissenschaftlern, Plastikproduzenten, Ärzten und Familien.

Erschreckend: Durch den weltweiten Plastikabfall – zig milliarden Plastikpartikel haben sich über die Meere verteilt – ist das Verhältnis von Plastik zu Plankton mittlerweile 60:1. Fische halten die Partikel für Plankton, futtern sie und sterben mit einem vollen Plastikbauch. Bei zig verschiedenen Kunststoffkomponenten schaffen es Experten nicht, Auswirkungen auf Natur und Gesundheit auszuschließen. Beispiel Bisphenol A: Diese chemische Verbindung kommt u.a. in Plastikflaschen oder auch Babytrinkflaschen zum Einsatz. Wird das Plastik erhitzt, kann Bisphenol A aus dem Kunststoff austreten und wird vom Organismus aufgenommen. Boote beruft sich dabei auf Studien, die der chemischen Verbindung eine Wirkung wie das Hormon Östrogen zuschreiben, die Einfluss auf Sexualleben oder auch Fettleibigkeit nehmen kann.

Konsequenz: ein Leben ohne Plastik? Eine Familie aus Österreich, so Werner Boote nach dem Film im Gespräch mit dem Publikum, habe sich dem gestellt und versuche nun, völlig ohne Plastik auszukommen. Über ihre Erlebnisse berichtet die Familie in ihrem Blog „Kein Heim für Plastik“. Ich werde auf jeden Fall überlegen, wo ich in Zukunft auf Plastik verzichten kann.

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Kommentare
  • Lioba ,

    Lieber Michael,

    auf was genau bezieht sich das Verhältnis von Plastik und Plankton? Gewichtprozent, Volumenprozent oder etwas anderes?
    Ich habe mich mal auf der Homepage der „plastikfreien Familie“ umgesehen. Eine sehr interessante Idee die doch umsetzbarer zu sein scheint als ich zunächst dachte. Auch ich habe mir vorgenommen beim Einkaufen genauer auf Verpackungsalternativen zu achten.

    Viele Grüße
    Lioba

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  • Michael Krause (hessnatur) ,

    Hallo Lioba,
    danke für Deinen Kommentar. So wie ich es vom Film her verstanden habe, geht es um das Volumen. Kunststoffabfall zersetzt sich in zig kleine Teilchen, die von den Fischern als Plankton wahrgenommen werden.
    Dass wir beim Einkaufen auf Verpackungsalternativen achten, ist sicherlich ein guter Ansatz.
    Hast Du vor, Dir den Film anzuschauen?

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  • Lioba ,

    Hey Michael,
    tja ich denke schon. Jetzt interessiert es mich was Plastik sonst so alles anrichtet. Ich habe allerdings vor einigen Tagen gelesen, dass es schon Länder gibt in denen mit Lehm/Kuhdung und Plastikflaschen ganze Häuser gebaut werden. Diese sollen bei Erdbeben besonders stabil sein. Ich frage mich ob das eine sinnvolle Art des Recyclings darstellt oder nur den Müllberg versteckt.

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  • Katrin ,

    Ich kämpfe zur Zeit auch gegen Plastik-ich entdecke derzeit mein immer da gewesenes leider verschüttetes grünes Herz. Ich habe meine Familie auch endlich soweit, Getränke in Glasflaschen zu kaufen-bei Giften in Babyartikeln (Fläschchen oder Spielzeug) geht es immer um Plaste: Nuckel krebserregend, Griffe und Plasteteile an Kinderwagen und Buggys giftig. Leider wird es alles immer noch etwas heruntergespielt, aber als die Bisphenol A Diskussion aufkam, waren die Regale schnell leergeräumt mit den Plasteartikeln, die Bisphenol A enthalten. Immerhin.

    Ach im aktuellen Dokumentarfilm „Unsere Ozeane“ wird ebenfalls so ein Plastestrudel gezeigt. LG Kaddi

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  • Karin ,

    Ich habe schon seit längeren meine Plastikdose gegen Glasbehältnisse ausgetauscht.
    Meine Plastikrührschüsseln mussten der Keramikversion weichen.
    Ich finde Plastik für Lebensmittel unappetitlich.
    Beim Einkauf meiner Lebensmittel achte ich bereits darauf.
    Obst und Gemüse frisch vom Markt ohne Verpackung.
    Käse an der Theke – keine SB-Verpackung, Glasflaschen statt Tetrapack oder Plastik usw.
    Wenn man bewußt darüber nachdenkt, kann man eine Menge Verpackungsmüll sparen.

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  • Yvonne ,

    Diesen Film habe ich nicht gesehen, allerdings Wissenssendungen zum Thema Müll/Plastik/Recycling, Klima (Klimagipfel Kopenhagen 2009)/Erderwärmung, Film „Home“/ „Die Erde von oben“ sowie Bio/FairTrade. Sehr informativ und unbedingt sehenswert!
    Auf diese Themen sollten immer wieder Hinweise und Blogbeiträge (wie z.B. „Unnützes Wissen“ (Montag, 6. Juli 2009) Hinweis zu Plastiktüten) erfolgen, um Sensibilisierung zu erzeugen.
    Ich vermeide weitgehend Plastikbeutel, schließlich gibt es Papiertüten) und Plastikflaschen (schließlich gibt es Glasflaschen), Plastikverpackungen. Bewusster Verzicht.
    Die Lehrveranstaltung „Wirtschafts- und Unternehmensethik“ an der UNI (in 2004) sensibilisierte mich für diese Themen und überzeugte zum Handeln. Meine Hausarbeit „Aspekte und Konzepte der Unternehmensethik“ begann mit dem Satz „Kultur – Werte, Normen, Verhalten, Moral, Denk- und Verhaltensweisen – beginnt im Kopf“ und endete mit dem Zitat „Handle so, dass die Zukunft eine Zukunft hat“.

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  • Kinga ,

    @Michael
    Danke für den Tipp, ich habe mir gerade den Blog der Familie genau angeschaut und bin nun sehr auf den Film gespannt. Auch wir versuchen umweltbewußt zu leben, doch ich befürchte, der Film wird uns die Augen erst richtig öffnen…

    Gerade wenn man Kinder hat, sollte man als Vorbild auch schon im Kleinen darauf achten, den richtigen Umgang mit Müll jeglicher Art zu vermitteln, denn dort fängt für mich die Sensibilisierung an.

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  • Yvonne ,

    Stoffbeutel (Wort vom Computer verschluckt)
    Es soll heißen „schließlich gibt es Papiertüten und Stoffbeutel“. Im Bio-Laden darf einzelnes Obst und Gemüse in eine große Papiertüte, sofern alle Etiketten außen aufgeklebt werden.
    Die hessnatur-Kartons und Papiertaschen finden bei mir Wiederverwendung. Z.B. die Kartons für Schuhe zum Stapeln im Schuhschrank.

    @Michael Krause (hessnatur) Ich hätte zu gern 2 Stoffbeutel von hessnatur gekauft. Wahrscheinlich gibt es diese nur im Laden. Oder? (Ich laufe zwar sonst keine Werbung, aber für hessnatur mache ich gern eine Ausnahme 😉 )

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  • Michael Krause (hessnatur) ,

    Hallo Yvonne,
    neutrale Stoffbeutel gibt es in den hessnatur-Läden als Geschenkverpackung, direkt kaufen kann man sie m.W. aber nicht. Als Tragetaschen bieten wir in den Läden Papiertüten an, die man auch wiederverwenden kann 🙂
    Liebe Grüße, Michi!

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  • Kathrina ,

    Es gibt sicherlich keinen Zweifel daran, dass Kunststoffe, wie im übrigen alle Produkte, mindestens 2 Seiten haben.
    Das fragwürdige Image von Kunststoffprodukten ist sehr stark auf die „Müllproblematik“ zurück zu führen.
    In der Tat bestehen in dieser Hinsicht Probleme, an denen allerdings mit Nachdruck gearbeitet wird bspw. durch Entwicklung neuer Recyclingverfahren und Logistic Systeme.
    Darüber hinaus hängt dieses Thema sicherlich auch wesentlich mit menschlichem Fehlverhalten zusammen. Wenn Mitbürger Müll aus dem Autofenster entsorgen, kann dies nicht durch Technologie gelöst werden, sondern stellt ein gesellschaftliches Problem dar, das andere Ansätze erfordert.
    Was in vielen Teilen zu kurz kommt (aus welchen Gründen auch immer) ist der Beitrag den Kunststoffe zu weiten Teilen unserer Zivilisation und zu unserem Lebensstandard beitragen.
    Kunststoffe schonen Ressourcen, tragen dazu bei, die Weltbevölkerung zu ernähren, sorgen für sauberes Wasser, tragen zur Erhöhung der Hygienestandards bei und machen das Leben der Hausfrau/des Hausmannes bequemer. Dies sind nur einige Beispiele die endlos zu erweitern sind.
    Ich denke, dass diese Aspekte stärker in die Diskussion einfließen müssen.
    Falls Sie interessiert sind, mailen sie mir doch einfach: k4thr1n@hotmail.com
    Wir unterstützen Sie gerne mit weiteren Informationen.

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  • AbigailTaylor21 ,

    Following my analysis, thousands of people on our planet receive the loans at well known banks. Thus, there is a good possibility to receive a short term loan in every country.

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