Noel hat mich gestern gefragt, ob ich im Blog etwas schreiben möchte über die Geschichte unseres „Wandbehangs“, der in unserem Empfang hängt und vor vielen Jahren von einer Kundin aus alten hessnatur-Katalogen gebastelt wurde.

Prima, habe ich gedacht und gesagt, ich bin wohl immer für die Geschichten aus der Vergangenheit zuständig. Der Gedanke gefiel mir  zunächst nicht, weil ich lieber Aktuelles berichten möchte. Während der Fahrt nach Hause habe ich überlegt, was man daraus machen kann und habe plötzlich doch einen aktuellen Bezug gespürt: Es geht nicht losgelöst um diesen Wandbehang, sondern vielmehr um die Auseinandersetzung mit dem Thema Kunst bei hessnatur im weitesten Sinne und um die Frage, was steckt in unserem Haus an Kunstwerken, was wirkt in die Gegenwart und was bedeuten die Kunstwerke für uns und unsere Aufgaben bei hessnatur.

Die Geschichte  beginnt auch wieder in der Vergangenheit und bei Heinz Hess.
Er war ja immer für Überraschungen gut und hat häufig die verrücktesten Menschen hier angeschleppt. In seinem letzten Interview kurz vor seinem Tod hat er das Thema Kunst angesprochen und betont, wie wichtig ihm Weiterbildung für sich und seine Mitarbeiter war. Aus diesem Grund hat er immer wieder die unterschiedlichsten Künstler ins Haus geholt und auch für die Mitarbeiter Kurse angeboten, um uns alle zu inspirieren und natürlich auch zu provozieren. Das ist nicht immer auf Gegenliebe und Anerkennung gestoßen, aber auch wenn es nur zu erhitzten Diskussionen im Haus geführt hat, hat es schon seinen Zweck erfüllt und Spuren hinterlassen.

An den Auslöser, Kunst ins Haus zu holen, kann ich mich noch gut erinnern. Anlass war  eine Sitzung des Umweltrates der  neu gegründeten Umweltbank, die bei hessnatur stattfinden sollte.  10 Tage vorher sagte er uns, d.h. meiner damaligen Kollegin aus der Öffentlichkeitsarbeit und mir, dass er gerne eine Ausstellung hier im Haus hätte.

In 10 Tagen haben wir dann ein Konzept für Ausstellungen erarbeitet und ganz spontan hat sich eine Künstlerin bereit erklärt, ihre Keramikstelen bei uns auszustellen. Die Künstlerin kannte hessnatur vorher gar nicht , war aber von dem Haus und der Atmosphäre begeistert. Zwei Tage vor der Sitzung haben wir eine öffentliche Vernissage gehabt mit allem Drum und Dran und zusätzlich zu einem Sonntagsbrunch für Kunden und Mitarbeiter eingeladen. Die spontane Aktion war super erfolgreich und war der Auftakt zu unserer Ausstellungsreihe „Kunst zu Gast bei hessnatur“. Die haben wir von 1998 bis 2005 mit ganz unterschiedlichen Künstlern durchgeführt.

So gibt es also neben dem Wandbehang der Kundin noch viele Ausstellungsstücke hier im Haus zu sehen: ein textiles Kunstwerk, das in der Warenbewegung hängt und von Mitarbeitern hergestellt wurde, die Keramik-Stele (japanischer Raku-Brand) aus dieser ersten Ausstellung. Und nicht zu vergessen, die kleinen blauen Bilder, die die Studenten der Alanus-Hochschule im Haus verteilt haben.

Ich hoffe, dass wir diese Tradition wieder aufleben lassen können, denn die kreative Auseinandersetzung mit künstlerischen Themen ist auch für unsere tägliche Arbeit notwendig und bestimmt unsere Identität und das Gesicht unserer Gemeinschaft.