Genau so hat das der Chefredakteur von Deutschlands beliebter Frauenzeitschrift „Brigitte“, Stefan Lebert, in einem kürzlich veröffentlichten Pressebericht festgestellt: „Wir zeigen Mode an Insekten, und hinten im Heft sagen wir: Steh zu dir selbst, steh zu deinem Körper“. Dass das nicht zusammenpasst, damit hatte das Team schon lange ein Problem. Jetzt wird gehandelt: Ab 2010 werden keine Profimodels mehr für die Brigitte-eigenen Shootings posen. Sogar eine eigene Casting-Adresse wurde eingerichtet, um Laienmodels aus der Zielgruppe zu finden. Frauen mit Persönlichkeit werden gesucht – und „Brigitte“ handelt damit genau nach dem Motto, für das die Zeitschrift seit Jahrzehnten steht.

Zu magere ModelsDie ganze Branche sei magersüchtig, so der Vorwurf der Brigitte-Redaktion. Schon lange klagen die Leserinnen die Abbildungen in dem Monatsheft an: Man wolle keine herausstehenden Knochen mehr sehen.

Es ist doch auch eine Verschiebung ins Groteske: Im Schnitt sind professionelle Models 23 % dünner als der Durchschnitt der Frauen. Wie soll da eine Identifikation oder eine Zufriedenheit mit dem eigenen Spiegelbild überhaupt je möglich werden? Da sind wirklich die seelischen Auffangseiten im hinteren Drittel des Magazins notwendig, um die Leserin wieder in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken. Lebert unterstreicht diese Diskrepanz: „Seit Jahren müssen wir die Mädchen mit Photoshop dicker machen, die Schenkel, das Dekolleté.“

Was mich begeistert an dieser Offensive: Es ist ein Statement einer der wichtigsten Frauenzeitschriften Deutschlands, angetrieben von ihren Leserinnen! Bravo, kann ich da nur sagen. Auf die Zielgruppe hören und handeln. Ich habe die Hoffnung, dass diese Entscheidung jetzt tatsächlich ein Impuls für die ganze Branche sein kann.

Natürlichkeit greift um sich, das freut hessnatur. Weiter so, Brigitte!