Wenn sich Hoffnung, Neuanfang und visionäres Handeln versammeln könnten, dann hier: auf der Karmakonsum-Konferenz in der Frankfurter IHK, direkt neben der Börse. Ja, genau hier, neben dem Sitz des konventionellen Wirtschaftens.

Quasi von einem Satelliten aus möchte ich noch einmal die beiden Tage zusammenfassen. Mein Kollege Michi Krause hat ja schon von zwei beeindruckenden Themen und Rednern berichtet. Von vier weiteren Persönlichkeiten, die mich (und sicher nicht nur mich) nachhaltig beeindruckten, möchte ich noch erzählen. Mit der unbewussten Wirkung alter und moderner Mythen beeindruckte uns Dr. Oliver Börsch; er zog uns über den Mythos der Liebe und Unsterblichkeit in seinen Bann und zeigte uns spür- und erlebbar den Zusammenhang zwischen altägyptischen Mythen und heutigen Kinofilmen, wie Matrix oder Star Wars. Jede starke Marke, jeder erfolgreiche Hollywood-Film beruhe auf einem Mythos. Jeder von uns Zuhörern war ergriffen – und damit geschah genau das, was Mythen auslösen. Sollen.

Wenig später hörten wir von Regina Hunschock, dass es das weibliche und männliche Prinzip gibt, nach dem alles funktioniert. Nach einer langen Periode des verneinten weiblichen Prinzips  würde es jetzt wieder Einzug halten, so die Rednerin. Nicht gemeint sei damit der Emanzentrip der 90er, auch nicht eine feminine Machtübernahme. Nein, es wird von einem klugen Miteinander gesprochen. Wie Yin und Yang funktioniert nur, was sich ergänzt. Übrigens: Osiris und Isis erzählen uns das auch schon – da sind sich Hunschrock und Börsch einig. Ein Blick allerdings, der vielen Zuhörern und Zuschauern schwer fiel.

Noch mehr forderte uns Professor Dr. Niko Paech in seinem Vortrag heraus, alte Pfade zu verlassen und uns auf eine neue Lebensweise einzulassen. Er malte das Bild einer Postwachstumsgesellschaft. Um auf ein Wirtschaftswachstum verzichten zu können, forderte er von uns, unser Arbeitsleben zu dritteln. Ein Drittel, also 20 Stunden, sollte „nur“ noch klassischerweise gearbeitet werden. Ein weiteres Drittel sollte für Gemeinwohl-Arbeit und ein Drittel zur Selbstversorgung dienen. Da passte dann auch das Konzept des Urban Gardening, das Christa Müller anschaulich, mit viel Bildmaterial unterlegt, prognostizierte; wobei ich davon ausgehe, dass die meisten Menschen, die gerade eine Brachfläche auf einem Parkhaus bepflanzen, nichts von diesen Überlegungen einer Subsistenzwirtschaft wussten, als sie ihre Harke zum Einsatz brachten. Für dieses neue Wort in meinem Vokabular bin ich Niko Paech aber durchaus dankbar.

So umwälzend erschien mir die Karmakonsum-Konferenz im letzten Jahr nicht. Verstärkt wurde mein Gefühl am darauffolgenden Tag, als ich mich in einem Open Source-Workshop im Greencamp wiederfand und mit vielen anderen über das Thema nachdachte, ob die Öko-Kommunikation am Ende sei. Provozierend, ja, nachdenklich stimmend, ja – und doch: ja, wir glauben an die Zukunft der nachhaltigen Themen. Auch in der Kommunikation.

Lieber Christoph, als Macher dieser einzigartigen Veranstaltung muss ich Dir sagen, Du hast es wieder geschafft, uns aus unseren gewohnten Denkstrukturen herauszuholen, uns über Grenzen (hallo Österreich) zu vernetzen und auf einer Plattform zusammenzubringen, auf der auch Massenyoga vor der Börse möglich ist. Ich danke Dir.