Vorweg: Wenn ich im Folgenden am Stand des EU-Emissionshandels herummäkele, dann muss ich der Gerechtigkeit halber hinzufügen, dass die Idee, den CO2-Ausstoß in Europa durch einen Wertpapierhandel zu regulieren, aus der Zeit stammt vor der großen Finanzkrise, die im Jahr 2006 in den USA ihren Ausgang nahm. Das war eine Zeit, in der sogar Männer wie der Ex-Präsident der US-Notenbank, Alan Greenspan,  glaubten, der Weltmarkt würde sich (und im Falle der EU den CO2-Ausstoß) von alleine regulieren.

Wie alle wissen, ging am 15. September 2008 die Bank Lehman Brothers Pleite und löste erdrutschartig die Finanzkrise aus. Ich saß damals in der Redaktion einer Tageszeitung, und wir riefen uns nur noch gegenseitig die Eilmeldungen der abstürzenden Kurse zu. Es war unfassbar. Wenige Wochen später hat Greenspan sich offiziell vor dem US-Kongress für seine Naivität entschuldigt. So weit, so gut. Doch in Europa dümpeln seither die CO2-Handelszertifikate und der Klimaschutz vor sich hin.

Die Idee war ja ursprünglich, dass sich Unternehmen, die Kohlendioxid in die Erdatmosphäre blasen, dafür Verschmutzungsrechte teuer erwerben müssen. Auf 30 Euro pro Tonne CO2 hatte man ursprünglich gesetzt. Doch dann kam alles anders. Die Weltwirtschaft sackte in sich zusammen und die Preise für die Emissionspapiere sanken bis auf drei bis vier Euro. So weit, so schlecht.

Nun hat die EU Anfang Juli mit knapper Mühe durchgekriegt, ein Verknappung der Treibhausgas-Papiere herbeizuführen – in der Hoffnung ihren Preis dadurch puschen zu können. Papiere für 900 Millionen Tonnen CO2 sollen für einen gewissen Zeitraum vom Markt genommen werden. In Deutschland sind sich derweilen der Umwelt- und der Wirtschaftsminister nicht darüber einig, ob dieser Schritt sinnvoll ist. Man kann sich fragen, warum die sich das überhaupt fragen, denn passieren muss sowieso viel mehr als nur Verschmutzungsrechte auszugeben.

Wir hatten am Montag über den Earth Overshoot Day berichtet, der von der Nichtregierungsorganisation Global Footprint Network getragen wird. Die Organisation bietet Unternehmen und Staaten an, eine Ressourcenbilanz  zu erstellen. Auch hessnatur bemüht sich, im Sinne einer nachhaltigen, verantwortungsbewussten Produktion, seinen CO2-Fußabdruck zu minimieren. Um Wege zu finden, den Energieverbrauch in der Produktion für das hessnatur-Sortiment zu erfassen, beteiligen wir uns am Forschungsprojekt Product Carbon Footprint aus kleineren und mittleren Unternehmen (PCF-KMU), das von verschiedenen deutschen Hochschulen ausgeführt wird, und das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

Product Carbon Footprint bedeutet die Bilanzierung aller Treibhausgase, die auf dem Lebensweg eines Produktes emittiert werden. Aus den gewonnen Erkenntnissen bei der Bilanzierung eines roten Damen-T-Shirts können Handlungsempfehlungen zur Reduzierung der Emission abgeleitet werden.

Doch auch ohne diese Prüfung hat hessnatur schon einige Schritte zur Minimierung des Schadstoffausstoßes vorgenommen. So bemühen wir uns Alpaka im Herkunftsland Peru und Seide entsprechend in China weiterzuverarbeiten, um unnötige Transportwege zu vermeiden. Eine anschauliche Grafik zum Reiseweg eines T-Shirts aus Bio-Baumwolle und eines Trägershirts aus Seide findet Ihr auf Seite 78/79 im hessnatur-Bericht zur Nachhaltigkeit.

Ende September erwarten wir die Ergebnisse des Projektes PCF-KMU. Wir sind gespannt, was wir daraus lernen können. Und noch etwas: Der Kurs für die CO2-Emissionsrechte lag am heutigen Freitag, 23. August, laut www.boerse.de um 12.58 Uhr  bei 3,74 Euro.