Immer wieder staune ich, mit welch seichten Informationen uns die Frauenzeitschriften schlau machen möchten. Zum Beispiel ein Artikel aus der FÜR SIE mit der Überschrift „Ist Naturkosmetik wirklich so gut?“ und der Frage „Bio-Pflege hat ein geschmeidiges Image. Aber mag die Haut sie wirklich genauso gern wie unser Gefühl?“

Zu Wort kommt Professor Dr. Christoph Schempp, der das Kompetenzzentrum Skinintegral an der Universitäts-Hautklinik Freiburg leitet. Ganz offensichtlich ist er ein großer Fan von Pflanzenstoffen. Und tatsächlich werden auch eine Reihe von Vorteilen genannt, wenn natürliche bzw. Bio-Rohstoffe bei der Kosmetikherstellung eingesetzt werden.

Weiter heißt es in dem Artikel: „Aber er kennt auch ihre Grenzen und weiß: Ganz ohne Hightech bleiben selbst die besten Wirkstoffe uneffektiv.“ Da werde ich immer hellhörig, die Begründung ist nämlich: „Eine gesunde Hautbarriere lässt normalerweise viele Substanzen nicht durch. Die Kosmetik muss sie einschleusen.“

Hallo? Geht es nur mir so, dass ich dann überlege: „Das ist ja auch gut so, denn die Haut hat doch eine natürliche Schutzfunktion und warum sollte sie übergangen werden?“ Vor allem, wenn sie noch gesund ist. Und ist es nicht das, was ich von Naturkosmetik sogar erwarte? Dass diese nämlich die natürlichen Funktionen der Haut respektiert und unterstützt?

Ganz ehrlich – da gehen die Meinungen der verschiedenen Naturkosmetik-Hersteller weit auseinander, welche Mittel nämlich akzeptiert sind und eingesetzt werden und welche nicht. So kommt es zu den verschiedenen Bezeichnungen wie Wirkstoffkosmetik und Regenerationskosmetik, man spricht von der Wirkung der Substitution (ergänzen, was fehlt) und der Hauteigenkorrektur.

Selbst die Richtlinien von BDIH und NaTru lassen Wirkstoffe zu, die sehr tief in die untersten Hautschichten eindringen, wie z.B. Liposome und Hyaloronsäure oder aber auch Konservierungsstoffe. Diese sind dann zwar pflanzlicher Herkunft oder mindestens naturidentisch, doch trotzdem sehr wirkungsvoll. Jedoch nicht alle Hersteller verwenden alle zugelassenen Stoffe.

Professor Schemp ist da ganz unbedarft: „Ich sehe ein großes Potenzial für die Mesotherapie, mit der Pflanzencocktails direkt unter die Haut gespritzt werden.“ Ist das wirklich nötig? Doch es gibt noch einen Hoffnungsschimmer, „einen Weg, der gut funktioniert. Neue Studien beweisen, dass eine gesunde Ernährung die Anzahl der Antioxidantien im Gewebe positiv beeinflusst. So gehen zum Beispiel die Vitamine und sekundären Pflanzenstoffe einer Bio-Mango sichtbar unter die Haut.“

Ach, da bin ich aber froh, dass es auch eine „gewaltfreie“ Lösung gibt, die mir ehrlich gesagt viel näher ist. Und dass es Wissenschaftler gibt, die beweisen, was einem der gesunde Menschenverstand bereits sagt.

Eine schlüssige Antwort auf die anfangs gestellte Frage ist der Artikel allerdings schuldig geblieben. Oder sollte dies etwa wieder mal nur ein Versuch gewesen sein, echte Naturkosmetik in Misskredit zu bringen gegenüber den hochpreisigen Hightech-Produkten, die wohl in der nächsten Zeit den Markt überschwemmen werden?