Gestern war es in den Schlagzeilen: Gentechnisch verändertes Saatgut ist auf deutschen Feldern in sieben Bundesländern ausgesät worden. Greenpeace hatte dies schon Anfang März aufgedeckt, doch bis Ende April zog sich die Recherche hin, wohin die verkaufte, verunreinigte Maissaat gelangt war. Nur per Gerichtsbeschluss ließ der vertreibende Betrieb die Informationen raus. Und das, obwohl wir ein Aussaatverbot für genetisch veränderten Mais in Deutschland haben.

Heute schon liest man verhöhnende Worte: die Verunreinigung von 0,1 % wäre doch nahezu lächerlich. Das wären laut Greenpeace 100 genveränderte Pflanzen pro Hektar. Das klingt im ersten Schritt wenig. Nur wer im Biologieunterricht der Mittelstufe ein bisschen aufgepasst hat und sich mit der Darwinschen Vererbungslehre beschäftigt hat, der weiß, wie schnell unser natürlicher Mais mit MON 810 eins geworden ist.

Wie unterlaufe ich Gesetze, die ich missbillige, das ist hier wohl eher die Frage. Denn was nützt ein Gesetz, wenn das verbotene Saatgut erst mal auf den Feldern ist? Rolf Heimann, unser Mann für Ökologie und Innovation hier im Haus, hat uns ja erst vor kurzem einen wertvollen Beitrag zu diesem Thema gebracht. Monsanto und die Bio-Baumwolle. Monsanto und der Maisanbau. Und überall wird mit unlauteren Mitteln gearbeitet. Ein Narr, der glaubt, das Ganze hätte kein System.

Dass ökologische Katastrophen nicht immer laut daher kommen, lässt sich angesichts der Ölkatastrophe vor der mexikanischen Küste schwer darstellen. Dennoch möchte ich an dieser Stelle warnen, die Genmais-Verunreinigung auf die leichte, gar lächerliche Schulter zu nehmen. Durch die Ernährung mit genverändertem Mais wurden in Tierversuchen Blutbildveränderungen festgestellt. Ich möchte die Auswirkungen  nicht erleben müssen. Nicht bei meinen Kindern. Nicht bei meinen Enkeln. Und auf keinen Fall in der Natur.